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BCA droht der Ausverkauf

Aichach – Als Tabellenerster mit zehn Punkten Vorsprung überwintert der BC Aichach in der Bayernliga Süd. Doch ob es ab kommenden Juli auch wirklich Regionalligafußball in Aichach zu sehen gibt, ist inzwischen mehr als fraglich. Der BCA muss wegen einer Steuernachzahlung finanziell kleinere Brötchen backen. Nun droht dem Verein der Ausverkauf.


<p>BCA droht der Ausverkauf </p>

Souveräner Tabellenführer in der Bayernliga Süd sind die Fußballer von BCA-Präsident Volker Weingartner, und dennoch steht der Klub sportlich vor einer ungewissen Zukunft. Am Wochenende musste der Vereinschef seinen Kickern mitteilen, dass künftig keine Aufwandsentschädigungen mehr gezahlt werden können. Archivfoto: Siegfried Kerpf


„Wir können die Aufwandsentschädigungen nicht mehr zahlen“, sagte gestern Mittag BCA-Präsident Volker Weingartner, „das wird vom Finanzamt nicht mehr akzeptiert. Dem müssen wir Rechnung tragen, um Verein und Spieler zu schützen.“ Schon im vergangenen Spätsommer wurde bekannt, dass der Klub mit seinen Zahlungen an die Spieler nicht auf dem Laufenden ist. Dies hing mit der Steuerprüfung in diesem Zeitraum zusammen. Inzwischen soll Weingartner mit einer äußerst beträchtlichen Summe bei der Mannschaft in der Kreide stehen.

Seit der Razzia beim TSV Aindling vor über zwei Jahren schaut die Finanzbehörde bei den Vereinen genauer hin. Auch beim TSV Gersthofen tauchten im Mai 2013 Steuerfahnder auf, der FC Affing musste im vergangenen Jahr Steuern und Abgaben an die Berufsgenossenschaft nachzahlen. „Vor ein paar Jahren wurden noch beide Augen zugedrückt, mittlerweile ist die Sicht- und Betrachtungsweise eine andere. Es wird mit der Lupe geschaut“, sagt Weingartner. Was bei der letzten Prüfung noch toleriert worden sei, wurde diesmal heftig kritisiert. Insbesondere muss es wohl um die Praxis der Aufwandsentschädigungen gegangen sein. Der Thierhauptener Unternehmer streitet das auch gar nicht ab: Bei der Steuerprüfung im vergangenen Sommer haben die Finanzbehörden, so der BCA-Chef, „uns die dunkelgelbe Karte gezeigt“.

Neben dieser Steuergeschichte könnten inzwischen aber auch die finanziellen Mittel für den keineswegs billigen Bayernligakader fehlen. Die vor Saisonbeginn vereinbarten Prämien hat der BCA seit Monaten nicht mehr bezahlt. In diesem Zusammenhang wurde zuletzt immer wieder kolportiert, dass Weingartner insolvent sei. Im vergangenen Frühjahr hat er das frühere MAN-Werk im sächsischen Plauen erworben. „Keine meiner Firmen hat bis jetzt einen Insolvenzantrag eingereicht“, entgegnet der 43-Jährige diesem Gerücht. Gleichwohl spricht er von einer „heißen Phase“ und räumt ein, dass gegenwärtig Gespräche mit Finanzinstituten laufen. Es müsse Liquidität generiert werden, die das Unternehmen, und dazu gehört der Betrieb in Plauen, benötigte. Weiter wollte er sich dazu nicht äußern.

Am Samstag wurde die Mannschaft mit den Fakten konfrontiert. Konsterniert und geschockt, so Weingartner, hätten die Spieler diese Nachricht aufgenommen. Und inzwischen sollen sich BCA-Kicker schon bei anderen Klubs angeboten haben. Die Zeit drängt, denn Ende dieser Woche, am Freitag, 31. Januar, endet die Transferperiode. Ein Trio, Andreas Brysch, Michael Hutterer und Marco Krammel, hat schon beim FC Pipinsried ob eines Wechsels vorgefühlt. Torjäger Sebastian Kinzel werden Kontakte zum TSV Rain nachgesagt. „Es ist kein Geheimnis, dass ich einen guten Kontakt zu Kinzel habe“, sagt Rains Trainer Stefan Tutschka, der den Angreifer einst aus der A-Klasse von Obergriesbach nach Affing geholt hatte. Ob in den nächsten Tagen ein Transfer noch zustande kommt, sei eher unwahrscheinlich, so Tutschka. Für Weingartner hingegen kann es „durchaus sein“, dass sein erfolgreichster Torschütze noch im Winter zum bislang sieglosen Regionalliga-Schlusslicht wechselt.

Im Winter sitzen die abgebenden Vereine am längeren Hebel, bei einem Wechsel bedarf es deren Zustimmung. Beim BCA haben alle Spieler einen Kontrakt. Ein Vertragsamateur muss, so sehen es die Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vor, 250 Euro monatlich verdienen. Mit Steuern und Sozialabgaben kostet ein Spieler den Klub um die 400 Euro. „Diesen Verpflichtungen kommen wir nach“, sagt Weingartner. Andererseits war zu hören, dass der Verein seine Spieler ablösefrei ziehen lässt.

Was die sportliche Zukunft des Bayernliga-Tabellenführers betrifft, hängt also vieles in der Schwebe. Heute Abend gibt es ein weiteres Krisentreffen zwischen Klubführung und Mannschaft. Hinterher wird man Genaueres wissen, wer beim Trainingsstart am Donnerstag noch dabei ist. Und was betrifft die Regionalligapläne? Mitte Dezember erörterten Landrat Christian Knauer und Klubvertreter die Möglichkeit eines Umzugs ins Josef-Bestler-Stadion. „Bei der derzeitigen Betrachtungsweise ist es nicht sinnvoll, über die Regionalliga zu reden“, erklärt Weingartner vielsagend.

Von Herbert Walther und Horst Kramer



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Veröffentlicht am 27.01.2014 18:49 Uhr



 
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