Fußball    

Top-Teams kehren der Halle den Rücken

Aichach-Friedberg – Was die schwäbischen Hallenfußballfreunde befürchtet und vorausgesagt haben, ist nun tatsächlich eingetreten. Viele Topmannschaften kehren der Halle den Rücken. Bei den acht Vorrundenturnieren für die 35. schwäbische Hallenmeisterschaft bleiben neben dem Titelverteidiger FC Augsburg auch die Mannschaften des TSV Rain, FC Pipinsried, BC Aichach, FC Affing und der TSG Thannhausen fern. Grund sind die Futsal-Regeln, nach denen ab diesem Winter gespielt wird.


<p>Top-Teams kehren  der Halle den Rücken </p>

Die Bande wird aus den schwäbischen Sporthallen verschwinden. Ab diesem Winter wird die Hallenmeisterschaft im Bezirk nach Fifa-Richtlinien (Futsal-Regelwerk) gespielt. Archivfoto: Siegfried Kerpf


Auch der TSV Aindling hatte Anfang Juli angekündigt, dem Budenzauber unter diesen Bedingungen eine Absage zu erteilen. Trainer Roland Bahl und die Mannschaft hätten sich nun aber doch für eine Teilnahme entschieden, erklärt TSV-Fußballchef Josef Kigle. Der Landesligist spielt am 3. Januar 2014 in Wertingen um den Einzug in die Endrunde. Kigle selbst wird nicht mit dabei sein, weil er ein Gegner von Futsal ist: „Das ist Softiefußball und kein Hallenfußball.“ Ohne Bande, die bei Verbandsturnieren nicht mehr aufgestellt werden darf, fehlt ihm die Attraktivität – „egal, was der Verband dazu sagt“. Zumindest einen Vorteil hätte die Sache: „Da wir keine richtige Sommerpause mehr haben, können sich die Spieler im Winter ausruhen.“ Das sieht Marco Küntzel genauso. Der Trainer des BC Aichach hatte früher selbst „Riesenspaß“ beim Hallenkick. Den besonderen Reiz habe auch für ihn die Bande ausgemacht. Beim Aichacher Weihnachtscup, und allen anderen Privatturnieren, gilt diesen Winter noch eine Ausnahme. Ab 2014/15 müssen aber ausnahmslos alle Wettbewerbe nach den Fifa-Richtlinien ausgetragen werden. Konrad Höß wird zur Zeit täglich zu diversen Hallenturnieren eingeladen. Seine Haltung ist aber klar: „Wir spielen kein einziges dieser Kasperlturniere.“ Die neuen Regeln sind ihm ein Graus – „es fehlt die Action“. Einer seiner „besten Freunde“, Armin Klughammer, der die schwäbische Meisterschaft ins Leben gerufen hat, sei angesichts der Entwicklung „frustriert“, weiß Höß. Auch Volker Wedel, BFV-Vizepräsident, hat mit dem „Vater des Hallenfußballs“ gesprochen und bestätigt, dass Klughammer „total enttäuscht“ sei.

Verärgert ist laut Wedel auch der FC Wiggensbach. Der Verein aus dem Allgäu hat ein klares Zeichen gesetzt und sowohl die Ausrichtung einer Vorrunde als auch eine bayerische Jugendmeisterschaft aufgrund der Neuerungen abgesagt.

Wie die Zuschauer die erste schwäbische Hallenmeisterschaft mit Fifa-Richtlinien annehmen werden, bleibt abzuwarten. Einige vermuten einen immensen Publikumsschwund, andere können sich anfängliche Neugier vorstellen. Über kurz oder lang sind sich die Kritiker aber einig, werde der in Schwaben überaus beliebte Budenzauber, bei dem es die Fans vor Euphorie aus ihren Sitzen gerissen hat, unter diesen Bedingungen sterben.



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Veröffentlicht am 19.06.2014 00:00 Uhr




 

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