Fußball    

TSV Aindling entlässt Trainer Wünsch

Aindling – Politischen Amtsinhabern oder einer neuen Regierung wird eine 100-Tage-Frist zugestanden, um sich einzuarbeiten und erste Erfolge vorzuweisen. So lange wollte der Fußball-Bayernligist TSV Aindling nicht mehr warten und zog schon vor Ablauf dieser Zeitspanne Bilanz. Am späten Sonntagabend trennte sich das Schlusslicht nach nur 90 Tagen von seinem Trainer Klaus Wünsch.


<p>Aindling zieht die Notbremse </p>

Nur sechs Punkte, Platz 19 und dazu die indiskutable Vorstellung beim 0:5 bei Jahn Regensburg 2 gaben den Ausschlag, dass Klaus Wünsch seit Sonntagabend nicht mehr Trainer des TSV Aindling ist. Foto: Siegfried Kerpf


Der Verein wollte denn auch nicht mehr das von Wünsch vor dem Gastspiel am Sonntag bei Jahn Regensburg 2 selbst gestellte Ultimatum – „Wenn wir aus den nächsten drei Spielen nicht sechs Punkte holen, stelle ich mein Amt zur Verfügung“ – abwarten. Nach dem 0:5 am Sonntag bei der U 23 des Zweitligisten sahen die Verantwortlichen der Rot-Weißen die Zeit gekommen, die Notbremse zu ziehen. Wünsch selbst sprach von einer „indiskutablen Leistung“, die sein Team am Kaulbachweg abgeliefert habe. Mit dem 0:5 waren die Aindlinger angesichts weiterer hochkarätiger Regensburger Möglichkeiten noch gut bedient. „Wir mussten nach dieser Partie reagieren. Wünsch machte zwar eine gute Trainingsarbeit, aber in den Spielen ist das nicht rübergekommen“, erklärte Spielbetriebs-Vorsitzender Josef Kigle. Und auch die Bilanz nach einem Drittel der Saison spricht Bände. „Sechs Punkte sind einfach zu wenig“, so Kigle. Gar exorbitant war in vielen Begegnungen die Fehlerquote in der Defensive, die bereits zu 32 Gegentreffern führte. „Der Trainer hat immer viel probiert, aber die Hütte nicht zubekommen“, sagte Aindlings Fußballchef.

Wenn Wünsch mit seinem Ultimatum ein Zeichen setzen wollte, so ist dieser Schuss am Sonntag gehörig nach hinten losgegangen. Seine Position war ohnehin schon geschwächt, nachdem er sich nach dem 2:4 in Fürstenfeldbruck vor drei Wochen intensiv mit Rücktrittsgedanken beschäftigt hatte. Dass er nun noch einen draufsetzte, indem er sich über die Medien selbst eine Frist setzte, kam nicht bei allen am Schüsselhauser Kreuz positiv an. Aufgrund des Punktestands und vor allem wegen der Vorstellung vom Sonntag akzeptierte Wünsch die Trennung, wenngleich er darauf verweist, dass er in den beiden folgenden Spielen die Chance gehabt hätte, die von ihm geforderte Punktzahl noch zu erreichen. Doch das traute ihm die TSV-Vereinsführung nicht mehr zu. „Wir haben keine Besserung gesehen“, meinte Kigle. Und nun haben die Aindlinger mit Hankofen-Hailing und Gersthofen zwei unmittelbar vor ihnen platzierte Klubs vor der Brust, „gegen die wir etwas reißen müssen“. Denn schon jetzt sieht der TSV den rettenden 14. Platz nur noch mit dem Fernglas.

Die Arbeit auf dem Trainingsplatz in dieser Woche werden Macco Hoffmann, Trainer der „Zweiten“, und Torwarttrainer Harry Kiechl leiten. Den bislang einzigen Saisonsieg (2:1 in Landshut) fuhr dieses Duo ein, als Wünsch urlaubte. Sollte in dieser Woche noch kein Nachfolger gefunden werden, werden Hoffmann und Kiechl die Mannschaft auch am Sonntag im Heimspiel gegen Hankofen-Hailing betreuen. Das Anforderungsprofil an den neuen Mann ist klar: „Er muss mit jungen Leuten umgehen und arbeiten können“, sagt Kigle. Trainerkandidaten, die derzeit ohne Job sind, gibt’s genügend: Roland Bahl (zuletzt FC Augsburg 2), Jochen Frankl (zuletzt TSG Thannhausen), Gerhard Hildmann (zuletzt TSV Gersthofen) oder Ivan Konjevic (zuletzt BC Aichach).

Dass U 19-Trainer Helmut Leihe zum Cheftrainer der „Ersten“ aufsteigt, ist dagegen eher ausgeschlossen. Bei Wünschs Vorgänger Martin Schreier hat der TSV unterdessen bereits angeklopft, wobei Schreier ein Comeback auf der Trainerbank nach heutigem Stand ausschließt. Helmut Wirth hat sich bereits telefonisch bei Kigle gemeldet. Der Niederbayer rettete 1998 die Aindlinger vor dem Abstieg aus der Bayernliga, womit er sich den Ruf als „Red Adair vom Schüsselhauser Kreuz“ erwarb. Ein Feuerwehrmann wird auch in der jetzigen Situation dringend benötigt.

Von Herbert Walther



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Veröffentlicht am 17.09.2012 17:32 Uhr