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FCP-Boss Höß nach Pleite in Dachau: „Quatsch hoch zwei“

Dachau – Schon im zweiten Punktspiel setzte es für den FC Pipinsried mit 0:1 (0:0) die erste Niederlage – und das ausgerechnet in Dachau. Gegen den Klub, der vom „Höß-Schüler“ Marcel Richter trainiert wird. So hatte der Dorfklub-Patriarch seinen früheren Trainer vorgestern noch apostrophiert. Der entscheidende Treffer fiel nach 70 Minuten und wurde durch einen der vielen Ex-Pipinsrieder, die nun in Dachauer Diensten stehen, vorbereitet: Taner Yürükgeldi, im Winter beim FCP ausgemustert, schlug einen Freistoß von links auf den hinteren Pfosten; dort setzte sich der Dachauer Florian Mayer im Kopfballduell gegen Dominik Sandner durch und legte auf Matthias Kovacs ab. Der junge Innenverteidiger, den offensichtlich keiner der Gelb-Blauen auf der Rechnung hatte, schob unbedrängt aus drei Metern ein (1:0, 70.).


<p>Höß: &bdquo;Quatsch hoch zwei&ldquo; </p>

Schon nach einer halben Stunde war für FCP-Spielertrainer Tobias Strobl das Derby in Dachau wegen einer Oberschenkelzerrung beendet.


Das Ergebnis stellte den Spielverlauf auf den Kopf. Bis dahin hatte nur eine Elf gespielt und sich dabei einige Chancen erarbeitet: der FCP. Schon nach zehn Minuten hätten die Mannen um Tobias Strobl mit 2:0 führen müssen: Doch Arthur Kubica platzierte das Leder zu ungenau (4.). Kurz darauf wollte sein Spielertrainer offensichtlich ein Tor mit Schleifchen erzielen, als er einen Lupfer aus 15 Metern versuchte, anstatt einfach abzuziehen (9.). Zur Halbzeit stand es 5:0 an Torgelegenheiten für den FCP. Das wichtigste Ereignis vor der Pause war indes eine Personalie: Spielertrainer Strobl verließ nach einer halben Stunde das Spielfeld, mit Verdacht auf Zerrung im linken Oberschenkel. Danach stand eine Elf auf dem Grün, die stark derjenigen glich, die sich im Frühjahr nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Und sie hatte eine Aufgabe zu bewältigen, die ihr nicht liegt: Einen Gegner auszuhebeln, der hinten dicht steht. Die Dachauer hatten sich hinter der Mittellinie mit einem 4-1-4-1-Doppelriegel aufgebaut. Den Störenfried vorne gab ein sichtlich motivierter Yürükgeldi, vermutlich der Spieler mit den meisten Kilometern auf dem Platz. Den Mann vor der hinteren Reihe hieß Athanasios Kiourkas; er hatte offensichtlich auch noch ein Hühnchen mit seinem Ex-Klub zu rupfen: Vor einem Jahr hatte das Trainerpaar Baumgärtner/Schäfer für den Griechen keine Verwendung mehr.

Zwei weitere Personalien entschieden schließlich das Derby: 15 Minuten vor dem Ende wechselte sich Marcel Richter ein. An ihm richteten sich die Dachauer merklich auf, eine gleichwertige Gegenfigur fehlte bei Pipinsried. Zu allem Überfluss schwächten sich die Gelb-Blauen auch noch selber. Der Übeltäter hieß Thomas Schreiner: Eben erst eingewechselt und mit einigen guten Szenen, legte er sich nach einer harmlosen Situation zuerst mit dem Linienrichter an („Du bist wohl blind“). Richter monierte Schreiners Verhalten und wurde dafür von Schiedsrichter Danijel Djordjevic mit Gelb bedacht. Nun trat Schreiner ein zweites Mal verbal nach – der Referee zückte umgehend „Rot“ (81.). Die Partie war gelaufen.

Strobl zeigte sich naturgemäß bitter enttäuscht und klagte: „Wir müssen lernen, unsere Chancen zu nutzen. Wir haben schließlich nicht schlecht gespielt.“ Das sah sein Chef allerdings völlig anders: „Was wir da produziert haben, war Quatsch hoch zwei. Kein Tempo, kein Pressing. Das lasse ich mir nicht bieten.“ Trotz seines Ärgers zog Höß noch seinen symbolischen Hut vor den Amperstädtern: „Die Gastgeber haben verdient gewonnen, denn sie haben das entscheidende Tor erzielt.“ Die Sommerstimmung der letzten Wochen ist indes in Pipinsried verflogen.

TSV Dachau 1865: Pingitore – Wildgruber, Kovacs, Brysch, Neff – Kiourkas – Hölzl (90. Can), Stangl (31. Walz), Mayer, Chasim (75. Richter) – Yürükgeldi.

FC Pipinsried: Antoni – Finkenzeller, Adrianowytsch, Sandner, Atilgan – Strobl (30. Hanusch), Kubica – Ibrahim (46. Schön), Beqiri (65. Schreiner), Ernesto – Holzhammer.

Tor: 1:0 Kovacs (70.). – Schiedsrichter: Djordjevic (Augsburg). – Zuschauer: 520. – Gelbe Karte: Pingitore, Yürükgeldi, Kiourkas, Richter – Finkenzeller, Adrianowytsch, Kubica. Rote Karte: Schreiner (81.).

Von Horst Kramer


<p>Höß: &bdquo;Quatsch hoch zwei&ldquo; </p>

Der entscheidende Treffer im Lankreisderby: Matthias Kovacs (Nr. 6) steht mutterseelenallein im Pipinsrieder Strafraum. Zuvor hatte der Dachauer Neuzugang Florian Mayer ein Kopfballduell gegen Dominik Sandner gewonnen (beide hinten dem Pfosten zu sehen) und auf den 65er-Innenverteidiger abgelegt. Fotos: Horst Kramer




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Veröffentlicht am 25.07.2012 22:57 Uhr