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Eröffnungsspiel der Bayernliga Süd: Attraktiver geht’s nicht

Aindling – Der FC Affing schlägt heute ein neues Kapitel auf. Um 19 Uhr kickt er in Aindling erstmals in der Klubhistorie um Bayernligapunkte. „Für ein Eröffnungsspiel gibt es nichts Besseres als diese Paarung“, schwärmt FCA-Trainer Stefan Tutschka. Tatsächlich lässt dieses Duell zweier Reviernachbarn keine Wünsche offen. Hier der Aufsteiger, dort der Etablierte. So lange wie der TSV Aindling (seit 1996) war kein anderer Klub ununterbrochen im Fußball-Oberhaus des Freistaats, das nach der Ligenreform aber nur noch das Unterhaus ist.


<p>Attraktiver geht&rsquo;s nicht </p>

Trainer Stefan Tutschka zeigt seinem Neuzugang Maximilian Fiedler, wo’s beim FC Affing lang geht. Der von der TSG Thannhausen gekommene Mittelfeldspieler muss um einen Platz im Bayernligateam der Rot-Schwarzen kämpfen. Fotos: Siegfried Kerpf


Seine Mannschaft fiebere dieser Premiere natürlich entgegen, tut Tutschka kund. Für ihn selbst ist es nichts Außergewöhnliches mehr. Er habe die Bayernliga noch in „höheren Dimensionen“ erlebt, sagt der 46-Jährige. Als er den TSV Aindling um die Jahrtausendwende trainierte, war die Bayernliga viertklassig, und zur Ouvertüre der Saison 2001/02 gegen den FC Augsburg (2:1) kamen 3800 Zuschauer. Von einer solchen Kulisse kann das Schüsselhauser Kreuz diesmal nur träumen. Obwohl die junge Aindlinger Mannschaft mit ihren Leistungen in der Vorbereitung eigentlich verlockende Werbung betrieben hat für das Lokalderby, für das die Klubs Einnahmeteilung vereinbart haben (wie dann auch im Retourspiel).

Nach all dem, was dem TSV zwischen den Spielzeiten widerfahren ist mit dem Verlust von sieben Spielern aus dem Kernteam, waren Affing vor vier Wochen die besseren Chancen in diesem Nachbarschaftsduell eingeräumt worden. Jetzt, da die Testperiode abgeschlossen ist, hat sich die Ausgangsposition geändert. „Die Aindlinger wurden von vielen vorschnell abgeschrieben, aber nach ihrer Form in der Vorbereitung sind sie in diesem Spiel Favorit“, findet Tutschka und verweist auf die durchwachsenen Vorstellungen seines Ensembles in den Probepartien.

Da schmunzelt Klaus Wünsch, der heute wie die Affinger in der Bayernliga debütiert – als Cheftrainer. Bisher war er nur als Assistent der Herren Paula, Leihe und Kowarz unterwegs. Es sei verständlich, wenn Tutschka Affing in die Außenseiterrolle manövriere. Für Wünsch gibt es keinen Favoriten. „Sicher haben wir in der Vorbereitung gute Ergebnisse erzielt, aber nun werden die Karten neu gemischt. Es wird ein Spiel auf Augenhöhe“, prognostiziert der TSV-Coach.

Tutschka glaubt in jedem Fall, für seine Mannschaft werde es ein „superschwieriges Spiel“. Deshalb sei Disziplin im taktischen Bereich ein entscheidender Aspekt, zum Beispiel nach Ballverlust schnell in die Positionen zurückzukommen. Wille und Laufbereitschaft setzt Tutschka ohnehin voraus.

Wünsch wiederum meint, für seine junge Truppe sei es wichtig, die Angelegenheit vor einer großen Kulisse „hochkonzentriert und ohne Nervosität“ anzupacken. Er wandelt mit seiner Auswahl auf einem schmalen Grat. Einerseits will er die flotte vorwärtsgerichtete Spielweise beibehalten, zum anderen heißt es, sich vor Affings beträchtlichem Offensivpotenzial in Acht zu nehmen. „Wenn wir diese Qualität abrufen, wird’s schwer für Aindling“, prophezeit Tutschka.

Wünsch glaubt zu wissen, wie Affing spielen wird. Und sollte er noch irgendwelche Informationsdefizite haben, dann braucht er nur seinen Neuzugang Manuel Steinherr zu fragen, der als Affinger Zeremonienmeister bis vor Kurzem an der Frechholzhausener Straße immer bei der Musik war.

Nach dem Aindlinger Abschlusstraining am Sonntagvormittag hat sich herauskristallisiert, dass Tobias Völker zurückkehren wird. Mit seiner Präsenz und seiner Erfahrung sei der Abwehrchef unverzichtbar, sagt Wünsch. Dazu macht das Comeback des Kapitäns nach seiner gegen den FC Augsburg erlittenen Bänderblessur den Interimsinnenverteidiger Kilian Huber wieder frei für andere Aufgaben. Nicht zuletzt aufgrund seiner Vielseitigkeit ist Huber längst eine feste Größe bei den Rot-Weißen. Ergo wird er dort Dienst tun, wo ihn der Vorarbeiter gerade braucht. Gegen Affing wird’s wohl im defensiven Mittelfeld oder rechts in der Viererkette sein.

Aindlings Krankenlager hat sich etwas gelichtet. Nach Völker gehört auch Burak Arman wieder zum Aufgebot. Somit sind nach aktuellem Stand noch Dominik Koch, Benni Neumann, Daniel Deppner und Deniz Schmid malad gemeldet, wobei Letzterer als linker Verteidiger durch Manuel Mezger einwandfrei ersetzt wurde.

Bei Affing fehlen der lädierte Alex Chetschik und der gesperrte Thomas Brunner. Im Angriff kann Tutschka aus einem Quartett (Patric Lemmer, Arthur Vogel, Michael Bauer, Alex Weber) wählen. In der Abwehrzentrale der Rot-Schwarzen gibt’s keinen Härtefall. Da Thomas Brunner nach seiner roten Karte in der Relegation gegen Gundelfingen noch einmal zuschauen mussen, bleiben für die beiden Jobs nur Alex Thiel und Armin Failer.

Egal, wer auf der Bank sitze, meckern brauche keiner, stellt Tuschka klar. Schließlich habe sich in den Testspielen nicht einer wirklich für ein Startleiberl empfohlen. Auch die Neuen seien noch steigerungsfähig. Die Integration Vogels, Daniel Söllners, Maximilian Fiedlers und Alex Webers sei zwar im sozialen Bereich bereits gelungen, im sportlichen indes noch nicht.


<p>Attraktiver geht&rsquo;s nicht </p>

Manuel Steinherr (links) hat nach seinem Wechsel von Affing nach Aindling bei seinem neuen Klub bisher einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, zum Beispiel auch am Freitag im Pokal gegen den TSV Rain, dessen Angreifer Dominic Wünsch er hier bekämpft.


Von Heribert Oberhauser


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Veröffentlicht am 16.07.2012 20:05 Uhr