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Aindlinger Cup-Knockout:„Null Komma null Sekunden“

Aindling – Die Stimmung am Schüsselhauser Kreuz war am Montagabend aufgeheizt wie schon lange nicht mehr. „Schieber-Schieber“-Rufe donnerten nicht nur aus dem harten Kern der TSV-Fans auf der Tribüne hinunter aufs Spielfeld, wo Schiedsrichter Ingo Müller die SpVgg Unterhaching mit seinem Elfmeterpfiff in der ersten Minute der Nachspielzeit vor dem Achtelfinalaus im BFV-Pokal bewahrt hatte. Statt dessen ging nach dem 1:1 Aindling im Elfmeterschießen mit 4:5 k.o., weil Simon Huber als Einziger verschoss. Und Müller tat gut daran, sich nach dem letzten von Bigalke verwandelten Elfmeter mit seinen Assistenten schnurstracks in die Umkleide zu verdrücken. „Eine Sauerei, so ein Elfmeter“, schnaubte TSV-Präsident Ludwig Grammer, während er die Steintreppe zum Sportheim erklomm.


<p>&bdquo;Null Komma null Sekunden&ldquo; </p>

Nach dem finalen Elfmeter hatte es Schiedsrichter Ingo Müller (rechts) mit seinen Assistenten Florian Badstübner (Mitte) und Thorsten Rössle sehr eilig, in die Kabine zu kommen.


Gestern war der Ärger beim Bayernligisten noch nicht verraucht. Er wolle dazu nicht viel sagen, meinte Fußballchef Josef Kigle, der schon die Pressekonferenz nach dem Spiel mit den gleichen Worten anmoderiert hatte, „das könnte mir nur eine Strafe einbringen“. Bestraft worden sei man in Aindling ja schon ausreichend durch Müllers „überflüssigen Pfiff“, und zwar die Mannschaft, die Fans und der Verein.

Zigfach wurde hinterher vor und in der Vereinsherberge die für Aindling verhängnisvolle Szenenabfolge im Strafraum debattiert. Mancher Diskutant konnte sich mit dem Elfmeterpfiff noch einigermaßen anfreunden, als Thomas Geisler und Sebastian Szikal gemeinsam Florian Niederlechner beharkten. „Aber dann“, hieß es immer wieder, „hätte der Schiri auch den vorausgegangenen Luftkampf abpfeifen müssen.“ Bei dem war der vorher überragende Torwart Geisler des Balles nicht habhaft geworden. In diese Kerbe schlugen auch Kigle und sein Leitender Angestellter Stefan Anderl.

Hachings Trainer Heiko Herrlich, der vor elf Jahren an einem Gehirntumor erkrankt war und deshalb am besten weiß, wie nebensächlich der Fußball eigentlich ist, tat bei seinen Einlassungen alles, um die ungute Atmosphäre im Sportheim zu entgiften. Er verstehe den Aindlinger Ärger durchaus, sagte der Ex-Nationalspieler, schließlich drücke auch er als neutraler Betrachter bei derartigen Spielen immer dem Kleinen die Daumen. Aber „mal ehrlich, bei allem Respekt vor der Aindlinger Leistung“, betonte Herrlich, „wir waren die bessere Mannschaft.“

Für das Kompliment an seine Elf konnte sich Anderl („Heiko, danke für die aufbauenden Worte“) nichts kaufen. Was zählte, war das Aus, so hervorragend sich seine Amateure, die aus dem Schichtdienst auf den Fußballplatz hetzten, gegen eine „Profitruppe“ auch geschlagen hätten.

Was nicht nur Anderl dem Schwarzkittel mit Regionalligazertifikat aus dem mittelfränkischen Wernberg noch mehr ankreidete als die nicht geahndete robuste Hachinger Attacke im Luftduell mit Geisler, war die Nachspielzeit von zwei Minuten. „Null Komma null Sekunden“ wären angebracht gewesen, zeterte der Gundelfinger, nachdem das rasante und höchst unterhaltsame Spiel in der zweiten Halbzeit quasi ohne Unterbrechung abgelaufen sei.

Auf dem Weg zurück in die Katakomben klärte Herrlich Anderl auf. Es liege im Ermessen des Schiedsrichters, wegen Auswechslungen (am Montag fünf im zweiten Abschnitt) nachspielen zu lassen, sagte der 39-Jährige. Das mag eine „Kann-Bestimmung“ sein. Thorsten Kinhöfer war sie am Samstag in der Bundesliga schnuppe. Der Herner pfiff bei Hoffenheim gegen Bayern sogar ein paar Sekunden früher ab, obwohl im Kraichgau nach der Pause fünfmal gewechselt worden war.

Nach Simon Hubers 1:0 auf Vorarbeit des starken Sebastian Fischer (71.) war Aindling drauf und dran, nach Burghausen in der vergangenen Saison wieder einen Drittligisten aus dem Cup zu werfen. Kigle fand’s unendlich traurig, dass seine Mannschaft für ihr „gutes Spiel“ nicht belohnt wurde. „Man hat uns den Sieg genommen“, sagte er, wobei er lieber ein anderes Verb gebraucht hätte. Wenn der Unparteiische in den nächsten Tagen einmal in sich gehe, werde er vielleicht zu der Erkenntnis kommen, die falsche Entscheidung getroffen zu haben.

Dass es letztendlich im „Lotteriespiel“ Elfmeterschießen nicht geklappt hat, nahm der Eisingerdorfer dem patzenden Simon Huber nicht übel. Andere besonders Gescheite freilich wussten es schon vorher, dass der Linksverteidiger an Stefan Riederer scheitern würde. Denn er nahm von allen zehn Schützen den mit Abstand kürzesten Anlauf. Für Geisler gab’s bei sämtlichen sechs Hachinger Elfern nicht annähernd etwas zu halten.

Kigle hofft, dass das bittere Pokalaus seiner Mannschaft keinen Knacks versetzt und die am Sonntag (15 Uhr) im Heimspiel gegen den Sportbund Rosenheim wieder ein Zeichen setzt.

Von Heribert Oberhauser


<p>&bdquo;Null Komma null Sekunden&ldquo; </p>

Sebastian Fischer (links) gibt alles, um sich im Zweikampf mit Roland Sternisko zu behaupten. Aindlings Spielmacher spielte gegen Unterhaching stark, bereitete das 1:0 durch Simon Huber vor. Fotos: Siegfried Kerpf




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Veröffentlicht am 04.10.2011 17:18 Uhr



 
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