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TSV Aindling: Geisler überragt

Ismaning – Am Samstagabend hat sich Stefan Anderl mit ehemaligen Lehrerkollegen auf dem Oktoberfest getroffen. Eine Lederhose durfte als Requisite in der Sporttasche des Aindlinger Trainers nicht fehlen. Im Vorprogramm hatte sich der Gundelfinger in den für einen Wies’n-Bummel nötigen Frohsinn manövrieren können. Denn der TSV gewann, wenn auch sehr glücklich, beim FC Ismaning 1:0 (0:0), ist damit in der Bayernliga seit sechs Begegnungen ungeschlagen. Die letzte Niederlage datiert vom 13. August (1:2 bei 1860 Rosenheim). Nach den Samstagsspielen katapultierte sich der TSV in der Tabelle von Rang 15 auf 7 hoch. Nach den zwei Sonntagspartien fiel er zwar wieder auf 9 zurück, aber mit dieser Platzierung wäre er für die viertklassige Regionalliga Bayern qualifiziert.


<p>Geisler überragt </p>

FCI-Torhüter Emilio Pingitore stellt’s auf, nachdem er den enteilten Aindlinger Stürmer Marcel Ebeling weit außerhalb des Strafraums gecheckt hat. Foto: Dieter Michalek


Marcel Ebeling schoss Aindling mit seinem sechsten Saisontor, einem herrlichen noch dazu, zum zweiten Auswärtssieg in Folge (nach dem 4:0 in Seligenporten). Aber der herausragende Akteur der Rot-Weißen war Thomas Geisler. Der Torhüter wuchs über sich hinaus, entschärfte über ein halbes Dutzend gefährlichster Bälle, wenn’s sein musste auch von einem Teamkollegen wie bei Benni Neumanns beinahe schiefgegangener Rettungsaktion. „Geisler ist für uns Gold wert“, schwärme Anderl von seinem Zerberus. Als schwierigste Prüfung empfand Geisler, 34, gleich die erste in der sechsten Minute bei Florian Wolfs Flatterball, den er zur Ecke lenkte. Wolf scheiterte noch ein zweites Mal aussichtsreich am Studienrat (Englisch, Sport) des Ingolstädter Apian-Gymnasiums (20.), wie auch Thomas Bachinger mit einem 22-m-Freistoß (40.), Johannes Volkmar (57.) oder zwei Mal der eingewechselte Tobias Bukowski (68./80.).

Außer auf Geisler war auch auf das Defensivquadrat mit den Innenverteidigern Tobias Völker und Sergej Scheifel sowie den Sechsern Sebastian Szikal und Benni Woltmann Verlass. Woltmann präsentiert sich seit Wochen in bestechender Verfassung, absolviert in jedem Spiel ein riesiges Laufpensum. Diese vier waren vor allem in der letzten halben Stunde gefordert, als sich Aindling kaum noch aus der Umklammerung befreien konnte. Anderl räumte ein, dass bei einer derartigen Überlegenheit, wie sie Ismaning schuf, „normalerweise ein Tor herausspringt“.

Aindling hat in dieser Saison spielerisch sicher schon überzeugendere Auftritte abgeliefert. Aber Kunst war unter den Augen der früheren Mitspieler Julian Maurer, Michael Dietl und Michael Westermair nicht gefragt, sondern Kampf. Und diesem Auftrag kamen die Rot-Weißen zur vollsten Zufriedenheit ihres Vorarbeiters nach.

Im ersten Abschnitt hatte der Gast leichte Vorteile. FCI-Keeper Emilio Pingitore musste weit aus seinem Strafraum rennen, um den nach Neumanns idealem Zuspiel enteilten Ebeling rustikal auszuhebeln (12.), was Johannes Hartmeier mit „Gelb“ quittierte. Als der Ballfänger mit dem klangvollen Namen eine Söllner-Flanke nicht festhielt, schlug Volkmar Phillip Ewekas 16-m-Schuss von der Torlinie.

Das Tor des Tages resultierte aus dem besten Aindlinger Angriff. Über Szikal, den eingewechselten Kilian Huber und Neumann kam der Ball zu Ebeling, der an der Strafraumgrenze nicht fackelte und direkt mit links hoch ins rechte Eck traf (48.). Danach geriet Aindling mit zunehmender Dauer immer mehr in Bedrängnis. Bachinger schoss frei vor Geisler rechts vorbei (52.), Scheifel hätte nach Franz Hübls Hereingabe ums Haar ein Eigentor fabriziert (77.).

Aindlings Offensive konnte kaum noch für Entlastung sorgen, so sehr sich der starke Solostürmer Ebeling auch ins Zeug legte. Der Ausgleich lag in der Luft. Da packte Sebastian Fischer noch eine ganz raffinierte Nummer aus. Er sah Pingitore zu weit vor seinem Gehäuse stehen und zog aus 45 Metern ab. Von der Latte prallte der Ball zurück (82.). So musste sich Aindling zum Happyend zittern.

Beim Wies’n-Besuch der Ismaninger Fußballer am Sonntag war die Stimmung vermutlich nicht so prächtig wie tags zuvor bei Stefan Anderl. Dessen Kollege Frank Schmöller stehe trotz des Negativtrends nicht zur Disposition, tat FCI-Fußballchef Hans Blößl nach der Heimpleite kund.

FC Ismaning: Pingitore – Hübl, Volkmar, Weiser, Siedlitzki – Storhas (78. Ruhl), Bachinger – Fries, Häfele (54. Bukowski) – Wolf (72. da Silva Lopez), Stijepic.

TSV Aindling: Geisler – Simon Huber, Völker, Scheifel, Neumann – Szikal, Woltmann – Söllner (67. Bakovic), Fischer, Eweka (46. Kilian Huber) – Ebeling (82. Modes).

Schiedsrichter: Hartmeier (Detelbach).

Zuschauer: 320.

Tor: 0:1 Ebeling (49.).

Gelbe Karte: Pingitore – Modes.

Von Heribert Oberhauser



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Veröffentlicht am 18.09.2011 21:52 Uhr



 
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