Fußball    

FCP: Baumgärtner neuer Spielertrainer

Pipinsried – Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr ist es her, dass Konrad Höß, Präsident des FC Pipinsried, beim „Lampl“ Marco Küntzel als neuen Spielertrainer vorgestellt hatte. Das Engagement des Ex-Profis war bekanntlich nur von kurzer Dauer, vor gut drei Wochen warf dieser die Brocken beim abstiegsgefährdeten Landesligisten hin. Gestern nun ließ Höß in der Pipinsrieder Dorfwirtschaft wieder Weißwürste und Weißbier auftischen, um den Nachfolger des Ex-Profis zu präsentieren. Der ist mit Roland Baumgärtner wahrlich kein Unbekannter, spielte er doch von 2004 bis 2006 schon einmal bei den Gelb-Blauen. Und auch der neue Co-Trainer Jürgen Schäfer kennt das Pipinsrieder Umfeld nach seinen beiden Engagements zu Beginn der 1990er-Jahre sowie bei seinem Intermezzo vor gut zehn Jahren bestens.

Anders als im Sommer bei der Verpflichtung von Küntzel, den keiner auf der Rechnung hatte, wurde Baumgärtner nach seiner Entlassung als Spielertrainer beim Bezirksoberligisten Langenmosen immer wieder mit dem FCP in Verbindung gebracht, sei’s als Spielertrainer oder Spieler. Genährt wurden diese Gerüchte frühzeitig, nachdem Baumgärtner gemeinsam mit seiner Freundin das letzte FCP-Heimspiel vor der Winterpause (0:5 gegen Thannhausen) besucht hatte.

Überhaupt war Baumgärtner in den zurückliegenden Wochen ein gefragter Mann auf dem Transfermarkt. „Turbulent“, so der 27-jährige Sozialversicherungsfachangestellte, seien die vergangenen Wochen gewesen, teilweise hat er sich nach Dienstschluss mit zwei Vereinen getroffen. Es gab viele Anfragen als Spielertrainer oder als Spieler von der Bayernliga (Rain, Aindling) hinunter bis in die Kreisliga (Gerolsbach), auch der BC Aichach hatte den Ingolstädter heftig umworben. „Ich bin als Sieger hervorgegangen. Ich blühe wieder auf“, freut sich Höß, dass sein wochenlanges, intensives Bemühen um Baumgärtner, der seinen Spielerpass mit Freigabe mitbrachte, erfolgreich war. Denn trotz seiner bald 70 Jahren wird Höß in Zukunft nicht kürzer treten: „Der Papst war 78, als er gewählt wurde. Ich möchte noch viel erreichen.“

Für Baumgärtner hat Höß sogar mit einer Tradition gebrochen. Denn bislang hatten fast ausschließlich Trainerneulinge an der Reichertshausener Straße angeheuert. Höß’ Anstrengungen, Baumgärtner an die alte Wirkungsstätte zurückzuholen, haben bei diesem Eindruck hinterlassen: „Er hat sich sehr um mich bemüht. Der Verein ist etwas Besonderes. Die zwei Jahre als Spieler hier waren sehr schön.“ Für den FCP sprach aber nicht nur die alte Verbundenheit, in der Winterpause gibt’s nicht allzu viele gute Jobs als Spielertrainer. Eine „Wischiwaschi-Aktion“ kam für Baumgärtner nicht in Frage, es sollte schon etwas „Handfestes“ sein.

Für Höß ist die Verpflichtung von Baumgärtner und Schäfer („Der FCP ist für mich eine Herzensangelegenheit“) ein „Zurück zu den Wurzeln“. Von den beiden ehemaligen FCP-Spielern weiß er, dass sie „seine Sprache“ sprechen. Deshalb waren für den Klubchef die letzten Monate nicht einfach, für seinen Geschmack wurde zu wenig kommuniziert, was aber nicht  allein an Künzels Dialekt gelegen habe. Höß verbindet mit Baumgärtners Rückkehr die Hoffnung, dass dieser in die Fußstapfen von Michael Stiller tritt, den der Präsident einst in jungen Jahren zum Spielertrainer beförderte und der diesen Job sechs Jahre ausübte.

Höß musste sich aber auch die Frage stellen lassen, warum er nicht schon Küntzel den von diesem geforderten Assistenten zur Seite gestellt hat. Er habe sich um eine Lösung bemüht, entgegnet Höß, nur kam seinerzeit weder ein Engagement mit Martin Schmidl, der sich jetzt nach Höß’ Aussagen als Cheftrainer beworben habe, noch mit Schäfer zustande. Letzterer stand damals beim TSV Reichertshausen im Wort, am Mittwoch beendete der 46-Jährige beim Kreisklassisten seine Trainertätigkeit. Baumgärtners Zusage in Pipinsried war jedoch nicht an die Bedingung geknüpft, dass er einen Co-Trainer erhält. „Es ist aber nicht verkehrt, wenn man jemanden draußen hat, der Ahnung hat“, so Baumgärtner.

Nirgendwo  verwelken jedoch die präsidialen Vorschusslorbeeren schneller als in Pipinsried, wenn sich der Erfolg nicht einstellt. „Es geht um ganz viel in der Rückrunde“, lautet Höß’ Botschaft vor allem an die Adresse Baumgärtners. Der tritt zum Trainingsbeginn am 1. Februar seinen Dienst in Pipinsried an. Für welche Position, ob als Stürmer oder im offensiven oder defensiven Mittelfeld, er sich letztendlich nominieren wird, werden die Vorbereitungsspiele zeigen. Gut möglich, dass es im Kader weitere Änderungen geben wird. Mit Qemajl Beqiri ist sich Höß zwar einig, aber der TSV Aindling entlässt den Mittelfeldspieler nur gegen eine Ablöse aus dem Vertrag. Angeklopft hat Höß auch bei Jürgen Jung, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums bei 1860 München, ob vielleicht der eine oder andere aus dem Regionalliga-Team für den FCP in Frage käme. Nachdem sich die Halbwertszeit Pipinsrieder Spielertrainer zuletzt gar halbiert hatte, stattete Höß Baumgärtner mit einem Vertrag bis 30. Juni 2012 aus. Die Frage, ob denn dieser auch für die Bezirksoberliga Gültigkeit habe, bügelte Höß ganz schnell ab: „Die Frage stellt sich nicht. Wir steigen nicht ab!“

Von Herbert Walther



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Veröffentlicht am 16.12.2010 18:02 Uhr