Fußball    

FCP klettert nach oben

Pipinsried – So entspannt hat man Marco Küntzel noch nie gesehen, locker, fast schon fröhlich gestand er: „Heute das Trainer-Dasein Spaß gemacht.“ Es lag eine zweite Halbzeit hinter ihm, in der sein FC Pipinsried durchgängig gefightet und phasenweise sogar schönen Fußball gezeigt hatte. Die Belohnung: Ein 2:0 (0:0)-Erfolg gegen den SV Pullach, der nun tief im Abstiegsschlamassel steckt.


<p>FCP klettert nach oben </p>

Artistisch lässt Süleyman Uzun (rechts) den heranstürmenden Philipp Malige ins Leere laufen. Mit einer insbesondere in der zweiten Halbzeit starken Vorstellung erkämpfte sich der FCP beim 2:0-Sieg über Pullach wichtige Punkte im Abstiegskampf. Foto: Baudrexl


Dabei sah es in der ersten Hälfte gar nicht so gut aus für Küntzels Truppe. Anfänglich hatten die Gäste vom Isar-Hochufer die Vorteile klar auf ihrer Seite. Vor allem Stefan Benzingers Freistöße und Ecken von der rechten Seite sorgten immer wieder für Aufregung im Pipinsrieder Strafraum. Schon in der vierten Minute musste sich Torwart Christian Vötter mächtig strecken, um einen Kopfball von Florian König über die Latte zu lenken. Die beste Szene auf Seiten des Dorfklubs hatte in der 33. Minute Süleyman Uzun; sein Fallrückzieher aus zwölf Metern strich nur knapp über die Latte. Im unmittelbaren Gegenzug vielleicht die Schlüsselszene des Spiels: SVP-Keeper Gil Shohat hatte bis in den gegnerischen Strafraum abgeschlagen; der reaktivierte Co-Trainer Jochen Schinagel sprang dem Ball hinterher, stürzte – ohne Kontakt mit einem Pipinsrieder zu haben – schrie auf und blieb liegen (34.). Verdacht auf Schienbeinbruch; die Sanitäter fuhren Schinagel noch während der Halbzeit ins Aichacher Krankenhaus. Auf den Schock reagierten die Pullacher zuerst mit heftigen Angriffen: Christian Duswald spielte den frei stehenden Toni Rauch an, aber der SVP-Torjäger verzog aus fünf Metern (35.). Schließlich zeigten die Gäste doch Wirkung und wurden fahrig; auch sie haben eine lange Verletztenliste zu beklagen, ähnlich wie der Dorfklub, viele Stammkräfte fehlen.

Wer weiß, was Küntzel in der Pause gepredigt hatte, er wollte es hinterher nicht verraten: Jedenfalls präsentierte sich seine Mannschaft nun mit Biss und Drang zum Tor. Erst verpasste Michael Funk knapp eine Hereingabe von Sebastian Hüttner (47.); kurz darauf fischte der lange Shonat einen 13-Meter-Schuss von Uzun aus der rechten unteren Ecke (48.) – der Türke hatte sich durch einen schönen Doppelpass mit Daniel Grassert vor den Kasten kombiniert.

Der Treffer lag in der Luft, wie man so schön sagt. Und fiel dann tatsächlich. Hüttner konnte einen Angriff der Gäste kurz hinter der Mittellinie stoppen; anschließend ließ er elegant zwei Pullacher aussteigen und schickte mit einem weiten Pass Martin Finkenzeller auf die linke Außenbahn. Der Mittelfeldspieler stürmte voran und flankte gefühlvoll in die Mitte. Dort schraubte sich Aushilfs-Mittelstürmer Grassert hoch und beförderte das Leder per Kopf ins Netz (51.). Grassert war schon in der ersten Hälfte durch guten Einsatz aufgefallen, sein Treffer verlieh ihm geradezu Flügel. In der Folge rackerte, sprintete und kämpfte er für zwei. Sein Präsident Konrad Höß zog nach der Partie verbal den Hut: „Der Daniel war heute ein Vorbild für alle.“

Zurück zum Spiel: Die Pullacher standen nun mit dem Rücken zur Wand. Ihr Trainer Carsten Teschke wechselte mehrfach und warf alles nach vorne. Klar, dass sich nun die Räume für die Gelb-Blauen auftaten. Insbesondere der eingewechselte Daniel Daffner fiel durch einige kluge und schnelle Anspiele auf. Und ein lang Vermisster durfte sein Comeback feiern: Michael Holzhammer betrat erstmals seit dem Remis gegen Kottern wieder das Spielfeld (59.). Der lange Stürmer sorgte auch für die Entscheidung: Nach einem schnellen Konter über Daffner und Antonio Longo vollendete der Goalgetter der vergangenen Saison aus halbrechter Position zum 2:0 (77.). Küntzels Mannen versuchten sogar noch nachzulegen – nicht zur Freude ihres Präsidenten, der immer wieder „Nicht so offensiv!“ auf den Rasen rief.

Doch von den Pullachern ging keine Gefahr mehr aus. Die drei Punkte waren im Sack. Die Gelb-Blauen stehen nun auf dem zwölften Rang. Sowohl Küntzel als auch Höß freuten sich besonders für die Torschützen. „Vielleicht gibt das Beiden etwas Selbstvertrauen,“ hoffte der Ex-Profi. Nächste Woche geht es zum BFC Wolfratshausen. Deren Trainer Andreas Brunner war unter den Zuschauern und machte sich eine Menge Notizen. Was er gesehen hatte, wollte er allerdings nicht verraten.

FC Pipinsried: Vötter – Longo, Hanusch, Horky, Hüttner – Finkenzeller, Oberhauser, Leidenberger, Uzun (74. Daffner) – Funk (59. Holzhammer), Grassert (89. Hrnecek).

SV Pullach: Shonat – Benzinger, Malige (71. Schlichting), Königer, Heckel – Duswald, Schinagel (34. Berchthold), Will (67. Knapic), Schuff – Thurnhuber, Rauch.

Schiedsrichter: Fenzel (Burglengenfeld).

Zuschauer: 110.

Tore: 1:0 Grassert (51), 2:0 Holzhammer (77.).

Gelbe Karte: Oberhauser.

Von Horst Kramer



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Veröffentlicht am 10.10.2010 22:17 Uhr