Fußball    

Wettkämpfe wieder erlaubt: Was die Freigabe für die Fußballer aus der Region bedeutet

Aichach - Gestern, es war wenige Minuten nach 13 Uhr, dürfte der Ausstoß an Aerosolen in Bayern höchst bedrohliche Ausmaße angenommen haben: Als Auslöser des Flugs der Schwebeteilchen muss sich der Amateursport verantworten, der nahezu kollektiv aufatmete. "Der Amateursport wird stärker zugelassen", sprach Ministerpräsident Markus Söder auf der Pressekonferenz der Staatsregierung. Wettkämpfe in Kontaktsportarten sind ab 19. September zugelassen, sowohl draußen als auch drinnen. Und, vor allem für den Fußball so bedeutend: In Sachen Publikum wird der Breitensport mit der Kultur gleichgestellt. Bis zu 400 Zuschauer dürfen an die Sportplätze und in die Stadien, maximal 200 in die Hallen.


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Bilder mit dicht an dicht gedrängten Zusehern, wie hier beim Derby zwischen der DJK Gebenhofen mit David Hörmann (links) und dem TSV Mühlhausen mit Daniel Dodaro, wirken dieser Tage beinahe unwirklich. Und so wird es sie auch ab dem 19. September nicht zu sehen geben. Die bis zu 400 Besucher, die zum Punktspielneustart an die Sportplätze kommen, müssen freilich Abstand halten. Foto: Kerpf


Nichtsdestotrotz überraschte Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußballverbands (BFV), zwei Stunden später auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz des BFV. "Das ist kein Triumphtag für diejenigen, die unbedingt spielen wollen", sagte er in Bezug auf jene 20 Prozent der Vereine, die in einer Umfrage, die der Verband in der vergangenen Woche durchgeführt hatte, gegen eine Wiederaufnahme des Pflichtspielbetriebs in 2020 gestimmt haben. Diese 603 Klubs nun davon zu überzeugen, "die Mehrheit anzuerkennen und die Anstrengungen, die in den nächsten Tagen auf uns zukommen, gemeinsamen zu übernehmen", nannte Koch "eine der allerwichtigsten Aufgaben", die sich aus der Freigabe der Staatsregierung für den BFV ergeben. Mannschaften, die nicht antreten, verwies Koch auf den eigens geschaffenen Corona-Paragrafen in der Spielordnung, werden ans Tabellenende gesetzt und steigen in die nächstniedrigere Klasse ab.
Natürlich war das Oberhaupt des größten Landesverbands erleichtert. Vor allem, dass eine Klage gegen die Staatsregierung mit der nun doch raschen Entscheidung ad acta gelegt werden kann. Zwei Drittel der Vereine hatten im jüngsten Votum den juristischen Weg befürwortet, wäre eine zeitnahe Erlaubnis der Politik ausgeblieben. Dieses Ansinnen dürfte auch im Maximilianeum als deutliches Signal gewertet worden sein und gepaart mit der von 31 Sportfachverbänden unterzeichneten Resolution zur Wettkampf-Wiederaufnahme im Breitensport als der vom Verband gewünschte Katalysator für den gestern verkündeten Entschluss gewirkt haben.
Während Hallendisziplinen wie Volleyball, Basketball oder Handball im Oktober ihre Ligen starten, wird der Fußball als erste Kontaktsportart seine Wettkämpfe wieder aufnehmen. Erste Ansetzungen sollen bereits heute Vormittag auf der Internetseite des Verbands veröffentlicht werden, versprach Koch. Ob sie mit Ligaspielen, Nachholpartien, oder Ligapokalduellen beginnen, bleibe den jeweiligen Spielleitern überlassen. Rainer Zeiser, zuständig für die Bezirksebene, bestätigte gestern auf Nachfrage, dass seine Priorität darauf liege, die Saison abzuschließen: "Wir werden mit fünf Ligaspieltagen starten", gab Zeiser Auskunft, "weil wir nicht wissen, was im Herbst und im Winter passiert." Sein Ziel sei es, dass bis zur Winterpause alle Bezirksligisten die gleiche Anzahl an Spielen bestritten haben. "So müssen wir im Frühjahr maximal fünf Spieltage absolvieren. Das könnte notfalls auch ab Mitte, Ende April gelingen, sollte es, was ich nicht hoffe, noch einmal einen Lockdown geben." Der Ligapokal spiele eine untergeordnete Rolle: "Vom Pokal sind wir nicht abhängig", betont Zeiser.
Reinhold Mießl hätte den Auftakt gerne anders gestaltet. Auf Kreisebene, für die der Neusässer zuständig ist, waren in der ursprünglichen Planung - die von einem Neustart am 5. September ausging - die ersten Ligapartien am 27. September angesetzt. Mießl hätte das gerne beibehalten. Zum einen, um den 19. September für Nachholspiele zu nutzen. Zum anderen, weil der Toto-Pokal bis zum 27. September abgeschlossen sein muss. "So gibt es der BFV vor. Am 28. September wird der Verbandspokal ausgelost. Da müssen alle Teilnehmer feststehen", erläutert Mießl.
Der TSV Pöttmes muss in Bobingen antreten, das sei an einem Mittwochabend schlecht vermittelbar. "Die Spieler müssen aus der Arbeit kommen und haben dann noch eine lange Anfahrt", begründet Mießl. Möglich ist also, dass Pöttmes den Kreisliga-Re-Start verpasst, um das Semifinale zu bestreiten. Sollte der TSV das Endspiel erreichen, verpasst er auch Ligaspieltag zwei. Noch mehr Kopfzerbrechen bereitet dem Planer der Kissinger SC. Der tritt in der Pokalvorschussrunde gegen den TSV Neusäß an, hat allerdings in der Kreisliga Augsburg bereits zwei Partien weniger bestritten als drei seiner Mitkonkurrenten um den Aufstieg. Die Krux für Mießl: Er muss sich an die Bezirksligen halten, schließlich sollen die jeweiligen zweiten Mannschaften auch das Vorspiel bestreiten. Dementsprechend beginnt auch die Kreisebene mit jenem Spieltag, der am 22. März als erster der Pandemie zum Opfer fiel.
Eine Pandemie, die noch nicht überstanden ist. Auch deshalb gibt es kein Triumphgeschrei. Oberstes Gebot sei es, betonte Rainer Koch, das Risiko einer Infektion so gering wie möglich zu halten. Der Verband hat bereits ein vorläufiges Hygienekonzept erarbeitet, das in den kommenden Tagen auf die tatsächlichen Gegebenheiten und Regierungsvorgaben angepasst werden soll. Der im März abgesagte Spieltag wird keinesfalls derselbe sein. Er wird anders aussehen, anders verlaufen, sich anders anfühlen als jeder bisher dagewesene. Das Gesicht des Fußballs trägt Mund-Nasen-Schutz, das Spiel riecht nicht mehr nur nach Schweiß, Rasen, Bratwurst, sondern auch nach Desinfektionsmittel. "Es wird noch lange dauern - Monate, vielleicht sogar Jahre", prophezeite Rainer Koch, "bis wir wieder Amateurfußball erleben, wie wir ihn Jahrzehnte lang gekannt haben." Verpasst der TSV Pöttmes den Liga-Auftakt?

Von David Libossek



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Veröffentlicht am 09.09.2020 17:25 Uhr