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Kündigung am Trainingsplatz: BC Adelzhausen entlässt Trainer Johannes Putz

Adelzhausen - Die Ereignisse vom Dienstagabend wirken nach. Das ist Johannes Putz deutlich anzuhören, das schwingt in jedem seiner Sätze mit. Als der Trainer des BC Adelzhausen am Römerweg eintraf, ging er davon aus, gleich eine Einheit der Bezirksligamannschaft zu leiten. "Vor dem Training wurde ich abgefangen" erzählt Putz, "dann wurde mir die Entscheidung mitgeteilt. Zur Verwunderung aller." Putz ist nicht mehr Trainer des BCA. "Für mich kam das völlig überraschend. Ich verstehe das nach wie vor nicht und kann die Gründe nicht nachvollziehen", sagt er.


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Wie ist die Stimmung? Die Meinungen über das Verhältnis zwischen dem nun ehemaligen Trainer Johannes Putz (Zweiter von rechts) und der Bezirksligamannschaft des BC Adelzhausen gehen auseinander. Laut Klubspitze standen Teile des Teams nicht mehr hinter dem Coach - der sieht das anders. Foto: Siegfried Kerpf


Abteilungsleiter Jürgen Dumbs spricht "von Rückmeldungen aus der Mannschaft, dass sie mit dem Trainer nicht weitermachen will". Zu viel Taktik, zu komplizierte Trainingsformen - "der Spaß ist verloren gegangen, die Stimmung ins Negative umgeschlagen", argumentiert Dumbs. Das habe aus Sicht des Klubs bereits zum Abgang zweier junger Spieler im Winter geführt. Dumbs zufolge steht nun ein weiterer Youngster vor einem Abschied. Das habe neben den zuletzt schlechten Testspielergebnissen des stark abstiegsbedrohten Bezirksligisten letztlich den Ausschlag für den Entschluss gegeben, der seit rund drei Wochen innerhalb des Führungsgremiums gärte - und der dem Spartenchef offenbar schwerfiel: "Ich finde es mega schade. Ich war ein Riesenfreund von dem Weg, den wir mit Johannes eingeschlagen haben."
Ein Weg, der erst zu Beginn der derzeit unterbrochenen Spielzeit begonnen hat und der laut Putz gut ankam - auch wenn die Ergebnissen häufig nicht stimmten. Lediglich 16 geholte Punkte bedeuten Tabellenplatz 15. "Aber früher galt Adelzhausen stets als Mannschaft, die mauert und lange Bälle nach vorne schlägt. Zuletzt haben wir viele Komplimente von Gegnern bekommen für unsere Art zu kicken", betont Putz. "Und das war ja nicht ich: Es waren die Spieler, die das auf dem Platz umgesetzt haben." Die taktisch ausgereiftere Spielweise mit dem Ziel spielerischer Lösungen kam aus seiner Sicht beim Gros des Kaders gut an - und tue das nach wie vor. Auch der junge Fußballer, der den BCA verlassen möchte, gehe nicht wegen ihm, ist Putz sicher. "Ich halte große Stücke auf ihn und habe fest mit ihm geplant. Das weiß er auch", betont er.
Dumbs hingegen sagt, das Team habe Probleme damit, die anspruchsvollen Kombinationen umzusetzen: "Ein Spielzug über fünf Stationen scheiterte oft schon an der dritten. Der ein oder andere war damit einfach überfordert. Wir müssen uns wieder neu definieren, zurück zum Spiel mit Kämpferherz und Zweikampfhärte finden." Ein Abstiegskampf-Spirit soll entstehen, der Spaß zurückkehren.
Dass der Spaßfaktor in den Hintergrund rückte, räumt Putz ein, begründet das aber mit den Corona-bedingten Trainingsvorgaben. Ein Problem, das übrigens auch Dumbs anspricht. Übungen mit Kontakt seien vor August schlicht nicht möglich gewesen, betont Putz. Deswegen habe er neben Torschuss- und Flankentraining viele taktische Elemente eingebaut. "Vor drei Wochen, nach dem 3:6 gegen Schwaben, habe ich gemerkt, es stimmt was nicht", erzählt der ehemalige Aindlinger. Er habe deshalb viele Einzelgespräche geführt. "Dann habe ich das Training umgestellt: Mehr Kopf ausschalten und einfach kicken", sagt der 35-Jährige. Dass nun dennoch gegen ihn entschieden wurde, stößt ihn daher umso mehr vor den Kopf, vor allem die Art und Weise. "Selbst Woife (Wolfgang Klar, spielender Co-Trainer von Putz, Anm. d. Red. ) wusste davon nichts. Er musste völlig unvorbereitet die Einheit am Dienstag leiten", wundert er sich.
"Es ist extrem schade", bilanziert Putz: "Ich wäre den Weg mit der Mannschaft gerne weiter gegangen. Und ich hatte das Gefühl, die Jungs auch mit mir. Die meisten wollten fußballerisch weiterkommen." Sein Können ist offenbar anderen Vereinen aufgefallen: "Ich habe in der Corona-Pause einige Angebote ausgeschlagen", verrät der 35-Jährige, der auch im Videoscouting des FC Augsburg arbeitet. Er möchte die unverhofft gewonnene Zeit für seine Familie nutzen, sagt er.
Beim BCA übernimmt derweil Klar den Cheftrainerposten. Den hatte der Verteidiger bereits vor Putz inne, rückte damals aber freiwillig ins zweite Glied, um den Platz für Putz freizumachen, der vor allem auf Klars Bestreben hin nach Adelzhausen kam. "Wir werden Wolfgang einen zweiten Mann zur Seite stellen", kündigt Dumbs an. Jemand aus dem Verein soll es sein, aber niemand aus dem Mannschaftskreis, kündigt er an. Noch vor dem kommenden Wochenende soll eine Entscheidung fallen, denn bereits am Samstag steht der nächste Test an. Im Heimspiel gegen den TSV Friedberg ist dann das Team in der Bringschuld, betont der Spartenchef. "Die Spieler nehmen sich verdammt viel raus", wird Dumbs deutlich. "Jetzt nehmen wir sie in die Pflicht. Wir können nicht jedes Jahr den Trainer wechseln." "Selbst mein Co-Trainer wusste davon nichts"

Von David Libossek



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Veröffentlicht am 27.08.2020 17:35 Uhr



 
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