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Neumann kandidiert nicht mehr

Aichach - 2020 ist das Jahr, in dem zwei altgediente Vereinsvorsitzende der beiden großen Aichacher Stadtvereine, TSV und BCA, in den Funktionärsruhestand gehen. Klaus Laske, der 50 Jahre lang an der Spitze des größten Klubs der Paarstadt, des Turn- und Sportvereins, gestanden hatte, hat dies bereits getan, reichte Ende Juli endgültig den Stab an seinen Nachfolger Richard Hangl weiter, nachdem die ursprünglich für 24. April vorgesehene Jahreshauptversammlung wegen der Corona-Pandemie verschoben werden musste. Auch beim Ballspiel-Club wird es im Herbst einen Wechsel in der Führungsetage geben: Präsident Johannes Neumann kündigte an, beim nächsten Konvent, bei dem turnusgemäß wieder Neuwahlen auf der Tagesordnung stehen, nicht mehr zu kandidieren. Selbiges gilt auch für Franz Ziegler, einen seiner zwei Stellvertreter.


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Bei der nächsten Jahreshauptversammlung im Herbst werden BCA-Präsident Johannes Neumann (Mitte) und sein Stellvertreter Franz Ziegler (rechts, links der zweite Stellvertreter Reiner Kappler) das Vereinslied "Blau und Weiß, wie lieb' ich dich", das traditionell am Ende der Zusammenkunft von den Mitgliedern gesungen wird, nicht mehr als Vereinsverantwortliche anstimmen. Beide kandidieren dann nicht mehr für eine weitere Amtszeit. Archivfoto: Alfred Haas


Neumanns Ankündigung, für eine weitere Amtszeit nicht mehr anzutreten, wurde nicht "plötzlich aus dem Hut gezaubert". Schon bei den letzten Wahlen vor zwei Jahren hatte er in seinem Bericht anklingen lassen, dass für ihn 2020 definitiv Schluss ist, auch seine Mitstreiter in der Vorstandschaft wissen bereits seit längerem Bescheid. Dem 103 Jahre alten Traditionsklub muss aber nicht bange sein, dass er ab dem kommenden Herbst dann führungslos ist. Hinter den Kulissen wird anscheinend schon fleißig an einer neuer Führungscrew gebastelt. "Es fanden bereits einige Gespräche statt", sagt Neumann, "diese Leute haben auch ganz gute Ideen." Er und Ziegler würden der neuen Vorstandschaft, wenn es von dieser gewünscht werde, beratend zur Seite stehen. "Wir verstehen uns mit diesen Leuten gut und werden sie unterstützen, wenn unser Rat gefragt ist", betont der 69-Jährige. Sein Vorstandskollege Ziegler war in all den Jahren der Zusammenarbeit vor allem hinter den Kulissen ein unverzichtbarer Mitstreiter. "Er hat viel geleistet und war immer mit vollem Elan dabei", stellt Neumann klar.
Es ist naheliegend, dass Neumanns anderer Stellvertreter, Reiner Kappler, in der künftigen Vorstandschaft weiterhin eine gewichtige Rolle spielen wird. Für Neumann ist er einer der potenziellen Kandidaten für seine Nachfolge: "Es wäre schön, wenn er es machen würde." Der Steuerberater stieß 2014, in der größten Krise des Ballspiel-Clubs, zum Verein. "Er hat die Finanzen immer gut im Blick", betont Neumann. 2016, als Richard Baumann aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung stellte, rückte Kappler in die Vorstandschaft nach.
Zwei Mal, für jeweils drei Amtsperioden (2001 bis 2007 und seit 2014), war Neumann Präsident des BCA. Er sprang immer dann in die Bresche, wenn es für den Verein besonders kritisch war. 2001 folgte er auf Leo Mayer. "Damals hatten wir einen riesigen Schuldenberg", erinnert sich Neumann, die Verbindlichkeiten bewegten sich im sechsstelligen Bereich (knapp 200 000 Euro). "Doch wir hatten damals noch eine intakte Infrastruktur und haben uns auch erfahrene Leute ins Boot geholt", sagt er. Baumann setzte rigoros den Rotstift an. Die Schulden wurden weniger, doch sportlich stürzte der BCA innerhalb drei Jahren von der Landesliga bis in die Kreisliga ab.
Neumann und Baumann waren auch 2014, gemeinsam mit Ziegler, die Protagonisten, die den Karren nach der Präsidentschaft von Volker Weingartner wieder aus dem Dreck ziehen mussten. Obwohl Weingartners Hinterlassenschaft an Verbindlichkeiten mit rund 76 000 Euro bei weitem nicht so hoch war wie 13 Jahre zuvor, so war vor sechs Jahren die Situation des ruhmreichen Klubs prekärer denn je. "Von einer Insolvenz waren wir nicht allzu weit entfernt", blickt Neumann zurück. Vor allem die "harten Gläubiger" machten dem Verein zu schaffen, die Zeit drängte, baldmöglichst 30 000 Euro an sozialversicherungspflichtigen Abgaben nachzuzahlen. Dank Spenden der Mitglieder, Sponsoring sowie finanzieller Unterstützung der Aichacher Unternehmen konnte das schlimmste Szenario abgewendet werden. "Unsere Infrastruktur war tot. Dazu hatten wir schon lange keinen Wirt mehr fürs Clubhaus, dessen Pacht eine unserer finanziellen Säulen ist", erklärt der ehemalige Kreisbaumeister. Dazu drohte auch noch das sportliche Aus, nachdem zwei komplette Mannschaften, rund drei Dutzend Spieler, im Frühjahr 2014 den Verein verließen.
Sechs Jahre später sieht die Welt des BC Aichach schon wieder sehr viel besser aus. Seit 2016 ist der Verein schuldenfrei. "Wir sind, was die Finanzen betrifft, ein gesunder Verein und solide aufgestellt", betont Neumann, Auch sportlich macht der Ballspiel-Club schon längst wieder positiv von sich reden. Vor dem Re-Start der wegen der CoronaPandemie unterbrochenen Fußballsaison führt der BCA das Klassement der Kreisliga Ost mit vier Zählern Vorsprung vor Pöttmes an. In der Bezirksliga, sinniert Neumann, wäre der Verein allein schon aufgrund der zahlreichen Derbys gut aufgehoben. "Der Aufstieg würde mich wahnsinnig freuen." Für Neumann wäre es das perfekte Abschiedsgeschenk. Neumann: "Über den Aufstieg würde ich mich wahnsinnig freuen" "Feuerwehrmann" Neumann: Er sprang immer dann in die Bresche, wenn es besonders kritisch war

Von Herbert Walther


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Veröffentlicht am 13.08.2020 17:00 Uhr



 
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