Fußball    

Testspiele in Bayern ab sofort wieder erlaubt

Aichach - Spektakuläre Kehrtwende: Trainingsspiele sind im bayerischen Amateurfußball ab sofort wieder möglich. Das hat Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, gestern am frühen Abend nach einem Schreiben des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) in einem Brief an BFV-Präsident Rainer Koch klargestellt. Nach der sechsten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung ist unter der Voraussetzung einer Kontaktdatenerfassung gemäß Rahmenhygienekonzept Sport das Training in festen Trainingsgruppen zugelassen. Daran anknüpfend gehören auch grundsätzlich dem Training dienende Spiele zu den erlaubten Lockerungsmaßnahmen bei Mannschaftssportarten mit Kontakt. Sofern solche Trainingsspiele vereinsübergreifend angesetzt werden, sind diese aufgrund der aktuellen pandemischen Lage auf Partien zwischen bayerischen Vereinen begrenzt, eine namentliche Erfassung aller am Spielbetrieb Beteiligten ist zu gewährleisten und die Spiele sind ohne Zuschauer abzuhalten.


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Der Kampf um den Ball steht ab sofort wieder im Fokus der bayerischen Amateurfußballer. Seit gestern Abend sind nun auch im Freistaat wieder Vorbereitungsspiele erlaubt.. Foto: Siegfried Kerpf


"Der organisierte Sport hat in dieser schwierigen Phase Verantwortung übernommen und nicht nur die seitens der Staatsregierung auferlegten Regeln und Einschränkungen befolgt, sondern auch nach außen hin unterstützt. Bereits mit Umsetzung der ersten Lockerungsschritte hatte sich gezeigt, dass der organisierte Sport mit den neu gewonnenen Freiheiten pflichtbewusst umgeht und die Ausübung des Sports im Rahmen der gesetzten Vorgaben sicherstellt", erklärt das Innenministerium in seinem Schreiben.
Dabei erhielten am Dienstag die Hoffnungen der über 4500 bayerischen Fußballvereine, dass die Politik grünes Licht für die Durchführung von Vorbereitungsspielen geben würde, einen gewaltigen Dämpfer. Die Staatsregierung ließ bei ihrer Pressekonferenz vor zwei Tagen die 1,5 Millionen Fußballer in Bayern im Ungewissen, wie es mit ihnen weitergeht. Mit keiner Silbe ging Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) darauf ein, warum zwar unter Wettkampfbedingungen trainiert werden darf, aber nicht gegen eine andere Mannschaft gespielt werden kann.
Dabei herrschte in der vergangenen Woche in der Münchner Verbandszentrale an der Brienner Straße noch vorsichtiger Optimismus. "Wir stehen im ständigen Austausch mit dem Innenministerium, deshalb haben wir auch letzte Woche kommuniziert, dass es bezüglich der Testspiel-Thematik positive Signale gebe", erklärte Sebastian Dirschl aus der Presseabteilung gegenüber dem Amateurfußballportal fupa . Auch Präsident Rainer Koch meldete sich am Dienstagabend via Facebook zu Wort: "Die heutige Nichtfreigabe von Freundschaftsspielen im Amateurfußball stößt bayernweit auf großes Unverständnis, zumal sie zumindest bislang von der Staatsregierung in der Sache in keiner Weise begründet worden ist. Ehrlich gesagt auch bei mir."
Enttäuscht und frustriert reagierten zunächst auch Affings Trainer Tobias Jorsch und Aindlings Fußballchef Josef Kigle, dass das Verbot von Fußballspielen bis einschließlich 16. August bestehen bleiben sollte. "Wir hätten das Trainingspensum den neuen Gegebenheiten anpassen müssen, wenn der Start am ersten September-Wochenende nicht stattgefunden hätte", sagt Jorsch. Denn der BFV hatte stets kommuniziert, die Saison erst nach einer vierwöchigen Vorbereitungszeit fortzusetzen. Stand jetzt bleibt dieser Plan des Verbandes aber nun doch bestehen, die derzeit unterbrochene Spielzeit im September fortzusetzen. Auch Kigle ist froh, dass die Vorbereitungsspiele nun doch wie geplant ausgetragen werden können, auch wenn die Aindlinger von Haus aus ihren ersten Test erst für 16. August gegen Griesbeckerzell geplant haben.
"Es hat sich gelohnt, dass wir im Sinne unserer Vereine noch einmal bei der Politik vorgesprochen und unsere Interessen klar zum Ausdruck gebracht haben. Wir sind sehr glücklich, dass ab sofort wieder Trainingsspiele möglich sind - wenn auch ohne Zuschauer. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt Richtung Wettkampfspielbetrieb in Bayern. Gemeinsam mit unserem Verbandsarzt Dr. Werner Krutsch, der bereits DFB und DFL beraten hat, werden wir in den kommenden Tagen ein handhabbares Hygienekonzept präsentieren, mit dem wir und unsere Vereine unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden", erklärt BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher.
Das bis gestern Abend noch währende Testspielverbot in Bayern stieß zuvor bei Fußballern, Trainern und Funktionäre auf Unverständnis, wenn sie über die weiß-blauen Landesgrenzen hinausgeblickt haben. Bis auf Hessen (ab 1. August) und Schleswig-Holstein (ab 10. August) sind in jedem anderen Bundesland schon wieder Fußballspiele erlaubt. In Baden-Württemberg sogar schon seit dem 1. Juli, was zuletzt der bayerische Regionalligist FV Illertissen zu Testspielausflügen nach Ulm oder Ravensburg genutzt hat. Bei den österreichischen Nachbarn in Tirol und Vorarlberg beginnt die neue Saison bereits am kommenden Wochenende. Der Nordostdeutsche Fußballverband startet mit der Punktrunde in der Regional- sowie den beiden Oberligen am dritten August-Wochenende. Beim sächsischen Pokal-Halbfinale am 8. August zwischen Eilenburg und Lok Leipzig dürfen sogar schon wieder dank eines aufgestellten Hygienekonzepts bis zu 1000 Fans ins Stadion. "Es ist jetzt einfach nur wichtig, wieder Fußball zu spielen", spricht Kigle allen bayerischen Kickern aus der Seele.

 

Von Herbert Walther (mit bfv)

 



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Veröffentlicht am 29.07.2020 22:26 Uhr



 
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