Fußball    

Umbruch beim FC Pipinsried: Vier Abschiede und ein Torhüter

Pipinsried - Der Umbruch ist beim FC Pipinsried mit einem Datum versehen. Wie die Mindesthaltbarkeit auf Lebensmittelverpackungen prangt es über dem Sportheim an der Reichertshausener Straße: 30. Juni 2020. Drei Figuren, die den Dorfklub in seiner jüngeren Vergangenheit wesentlich geprägt haben, werden ihm den Rücken kehren.


MurizSalemovic_FabianHuerzeler
Verlassen gemeinsam den FCP am 30. Juni: Muriz Salemovic und Fabian Hürzeler. Foto: Horst Kramer


Da wäre zum einen der Geschäftsführer Uli Bergmann. "Er hat zum Ende des Monats gekündigt, so wie es vom Verein kommuniziert wurde", betont der Vorsitzende des FCP, Roland Küspert. Über seine Nachfolge wird derzeit im Klub beraten, von regen Gesprächen berichtet Küspert. Mehr möchte er nicht preisgeben, auch nicht, ob eine interne oder externe Lösung angestrebt wird.
Am Montagabend machte zudem Spielertrainer Fabian Hürzeler publik, was sich schon seit geraumer Zeit anbahnte: "Ich habe den Entschluss gefasst, dass ich den Verein im Sommer verlassen will", sagte der 27-Jährige in einem Videointerview mit dem Internetportal Fußball vor Ort . Hürzeler begründete seine Entscheidung damit, dass es ihm in Pipinsried an Herausforderungen mangele: "Wir spielen nicht Regionalliga." Der Meistertitel in der Bayernliga stehe schließlich so gut wie fest, der vom Verband angedachte Ligapokal mit einer weiteren Aufstiegschance sei somit sportlich obsolet.
"Der Verein wollte mit mir weitermachen", sagte der Spielertrainer, schränkte aber auch etwas kryptisch ein: Wie andere Verantwortliche das sehen, will ich nicht beurteilen." Wohin sein Weg nun führe, ließ Hürzeler offen, nennt aber die 3. Liga, ein Nachwuchsleistungszentrum und die Regionalliga als Optionen. "Ich kann mir auch vorstellen, ins zweite Glied zu rücken und als Co-Trainer zu lernen"; führte er aus.
Über seine Zukunft im Klaren ist sich hingegen Muriz Salemovic, mit dem sich Hürzeler das Traineramt beim FCP teilte. Er wird Sportlicher Leiter beim TSV Landsberg. Die Stelle wird Salemovic ab 1. Juli antreten, bestätigt Küspert. Damit stehen die Gelb-Blauen in einer Woche ohne Geschäftsführer und ohne Trainer da. Aus der Ruhe bringen lassen will sich der Klub davon nicht.
Tarik Sarisakal, Sportlicher Leiter des FC Pipinsried, verweist in der T-Frage Nummer eins, der nach dem neuen Trainer, beharrlich auf Gespräche mit mehreren Kandidaten. "Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, wir lassen uns nicht drängen", sagt Sarisakal. "Zum Vorbereitungsstart wird ein Trainer mit der Mannschaft auf dem Platz stehen", verspricht er.
Ebenfalls auf dem Übungsfeld dabei sein wird dann die Antwort auf die zweite T-Frage, die den FC Pipinsried zuletzt umtrieb: die nach dem Torhüter. Tim Oberwahrenbrock hat beim Dorfklub für zwei Jahre unterschrieben. Der 30-Jährige kommt aus der Regionalliga West vom TuS Haltern am See. Oberwahrenbrock hatte sich vor rund drei Monaten mit Sarisakal in Verbindung gesetzt, nachdem er berufsbedingt nach München gezogen ist. "Damals hab ich ihm klipp und klar gesagt, dass wir eine feste Nummer eins haben", erinnert sich der Sportliche Leiter an die erste Kontaktaufnahme.
Doch die Vorzeichen änderten sich. Und aus den Augen verloren hat der Kaderplaner den 30-jährigen Schlussmann nicht. Sarisakal holte Informationen über den Torwart ein, der unter anderem für den ehemaligen Zweitligisten Rot-Weiß Ahlen in der Oberliga West auflief, und sichtete Videomaterial über Oberwahrenbrock. "Es war wichtig, einen erfahrenen Torwart wie Tim mit an Bord zu nehmen. Aufgrund seiner bisherigen sportlichen Vita und seiner Erfahrung wird Tim der Hintermannschaft die nötige Stabilität geben", gibt die Pressemitteilung über die Verpflichtung des Keepers das Urteil des Sportlichen Leiters wieder. Gemeinsam mit Julian Kirr - der 19-Jährige wurde unlängst von Türkgücü München nach Pipinsried geholt - soll Oberwahrenbrock nun das Torwartduo des FCP bilden. "Eine ideale Mischung" , findet Sarisakal.
Gleichzeitig bedeutet der Transfer, dass Johann Hipper den Klub verlassen wird. Hipper habe der Entschluss des Verbands, die derzeit Corona-bedingt unterbrochene Spielzeit bis 30. Juni 2021 fortzusetzen, schwer getroffen, heißt es aus Vereinskreisen. "Er will unbedingt ins Profigeschäft und deshalb sobald wie möglich in die Regionalliga", sagt Küspert. Der Schlussmann, der vergangenen Sommer aus der U 23 des TSV 1860 München ins Dachauer Hinterland gewechselt ist, wollte offenbar nicht länger warten.
"Ich wollte ihn unbedingt halten, weil er ein Riesentorwart ist", sagt Sarisakal. Einerseits. Andererseits "können wir als Verein nicht so lange warten, bis er sich entschieden hat", fügt er hinzu. "Dann wäre Tim nicht mehr auf dem Markt gewesen. Deshalb mussten wir reagieren." Somit steht fest, dass Hipper nicht mehr für den FCP zwischen den Pfosten stehen wird. "Stand heute ist ausgeschlossen, dass er bleibt", sagt Sarisakal.
Mit Oberwahrenbrocks Unterschrift sei der Kader für die Restsaison zu 95 Prozent komplett, bilanziert der Sportliche Leiter. Am Mittwochabend steht ein finales Gespräch mit einem jungen Spieler an, von dessen Zusage Sarisakal fest ausgeht. "Außerdem haben wir mit den Vertrag mit einem gestandenen Spieler bis 2022 verlängert" , verrät er. Einen Namen wolle er aber noch nicht nennen. Er spricht aber von einem weiteren Schritt in Richtung seines Fernziels, sukzessive die Mannschaft für die Regionalliga zusammenzustellen und mit Leistungsträgern, deren Verträge im Juni 2021 auslaufen, zu verlängern.
In den zurückliegenden Wochen stecke viel Arbeit, sagt Sarisakal. Er habe das Gefühl, "dass die Vereinsführung in dieser Zeit noch enger zusammengerückt ist". Und noch warten wichtige Aufgaben auf die Verantwortlichen des Klubs, der ab 30. Juni ohne Trainer und Geschäftsführer dasteht. Schließlich soll zu diesem Datum ja nicht die Haltbarkeit des Erfolgs ablaufen, sondern eine neue erfolgreiche Zeit anbrechen. "Dass Johann Hipper bleibt, ist Stand heute ausgeschlossen" Weiterer Zugang steht bevor, Leistungsträger hat verlängert

Von David Libossek


fcp-TimOberwahrenbrock
Ambitionierter Schlussmann: "Ich möchte in naher Zukunft wieder in der Regionalliga spielen. Alle Voraussetzungen hierfür sind in Pipinsried gegeben. Das Projekt des Klubs hat mich überzeugt, daher fiel mir die Entscheidung leicht", sagt Tim Oberwahrenbrock. Foto: FCP



Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.


Veröffentlicht am 24.06.2020 09:25 Uhr



 
Drucken Speichern Senden Leserbrief