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Helfende Fußballer in der Corona-Zeit: Der Verteidiger bringt den Einkauf

Aichach - Als Michael Schmaus vor ziemlich genau zwei Wochen auf der Internetseite des Bayerischen Fußballverbands von der Idee des TSV Landshut-Auloh las, war er sofort angefixt. Der niederbayerische A-Klassist hatte einen Einkaufsservice für Risikogruppen oder Menschen in Quarantäne auf die Beine gestellt. Das Anliegen: Man wolle die Corona-bedingte Fußball-Zwangspause nutzen, um Gutes zu tun. Supermarkt statt Rasenplatz oder - wie es mittlerweile offiziell heißt - "Helfen statt Trainieren". Schmaus, Verteidiger in der zweiten Mannschaft des TSV Pöttmes, zögerte nicht: Er griff zum Handy.


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Schieben statt Schießen: Michael Schmaus erledigt den Einkauf für ein Pöttmeser Ehepaar, das sich in Quarantäne befindet. Schmaus und der TSV Pöttmes haben für solche Fälle eine große Helfergruppe eingerichtet. Foto: privat


Es entstand die Pöttmeser Version des Landshuter Projekts. Rund 30 Leute - Fußballer, deren Frauen und Freundinnen - antworteten Schmaus: Auch sie stünden bereit, um zu helfen. Die Mannschaftskasse der "Zweiten" wurde geplündert, 700 Flyer gedruckt und in sämtliche Pöttmeser Briefkästen gesteckt. "Wir wollen etwas zurückgeben", betont Schmaus, "auch unter unseren Zuschauern sind schließlich Menschen, die älter sind und sich momentan vielleicht schwer tun, mit Besorgungen." Nicht nur Lebensmittel oder nicht verschreibungspflichtige Medikamente liefert der TSV - er bietet auch an, Hunde spazieren zu führen. Schmaus nennt all das "einen kleinen Beitrag".
Am Samstag war der 29-Jährige erstmals im Einkaufseinsatz. "Ein älteres Ehepaar hat sich gemeldet. Die beiden stehen unter Quarantäne, ihre Kinder wohnen weiter weg", erzählt der Fußballer. Die Hilfe funktioniert einfach: Man übermittelt Schmaus oder seiner Frau Julia eine Einkaufsliste (Kontaktdaten siehe eigener Kasten) , jemand aus dem Team fährt zum Supermarkt, anschließend überweist man den Rechnungsbetrag oder legt ihn vor die Haustür. "So ist auch kein direkter Kontakt nötig", sagt der Verteidiger. Das Ehepaar, das namentlich nicht in der Zeitung stehen möchte, sei äußerst dankbar gewesen. "Sie haben sogar mehr Geld überwiesen als nötig", berichtet Schmaus, der ankündigt, dass der Überschuss an die dreijährige Marlene aus Thierhaupten gespendet wird. Das Mädchen benötigt dringend eine teure Rücken-Operation in den USA.
Die Aktion der Landshuter, Pöttmeser oder auch Klingener - die Fußballer der Wanderfreunde beteiligen sich am Hilfsprojekt der Dorfgemeinschaft - inspiriert stetig mehr Amateurklubs. Sogar ein Münchner Verein hat sich bereits bei Schmaus erkundigt. Auch der TSV Hollenbach wurde aufmerksam. Und gründete umgehend eine eigene Unterstützergruppe. "Wir haben genug Leute, wir sind aufnahmefähig", sagt Initiator Martin Aechter. 32 potenzielle Helfer - Fußballer und Leute aus dem Vereinsumfeld - hat der 31-Jährige binnen zwei Stunden zusammengetrommelt. Bislang gab es für sie nur ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, dafür aber schon eine starke Resonanz. "Ich habe mehrere E-Mails von Leuten bekommen, die sich einfach bedanken wollten, dass wir das anbieten", erzählt Aechter.
Der TSV will das Angebot nun ausweiten und auch Geschäften helfen. "Wir bereiten gerade einen Einwurf vor, dass wir Lieferfahrten für regionale Läden ausführen können", sagt er. Auch haben die Hollenbacher eine Bankangestellte und eine Apothekerin im Helferpool, ergänzt Aechter, der wie Schmaus Defensivspieler der zweiten Mannschaft ist. Er betont: "Die Leute sollen keine Hemmungen haben und anrufen. Wir helfen wirklich gerne."
Dass der große Ansturm auf die Hilfsangebote bislang ausbleibt, bewerten der Klingener Organisator Tobias Mangold, Aechter und Schmaus positiv - ist es doch ein Indiz dafür, dass die meisten in der derzeitigen Situation zurechtkommen. "Das Wichtigste ist, dass die Leute sehen, dass sie im Notfall nicht alleine dastehen. Dass sie sehen, dass jemand da wäre", findet Schmaus. "Das ist doch ein gutes Zeichen, das man setzen kann." Hollenbacher wollen auch Geschäften helfen

Von David Libossek TSV Pöttmes: Einkäufe von Lebensmitteln oder Medikamenten, Gassigehen mit dem Hund; Michael und Julia Schmaus, Anruf oder WhatsApp-Nachricht: 0151/71 71 54 49 oder 0160/93 81 25 09. E-Mail: schmausmichael1@aol.com.

WF Klingen: Hilfsprojekt mit der Dorfgemeinschaft, Einkäufe von Lebensmitteln oder Medikamenten, Kinderkurzbetreuung; Telefon: 0160/46 01 38 75. Wer helfen will, sendet eine Whats App-Nachricht.

TSV Hollenbach: u. a. Einkäufe von Lebensmitteln oder Medikamenten, Gassigehen mit dem Hund, Gräberpflege; Anruf oder Whats App: Martin Aechter 0151/27 50 99 21 oder Tobias Stark 0175/226 54 44.

TSV Weilach: Einkäufe von Lebensmitteln oder Medikamenten, Gassigehen mit dem Hund, Gräberpflege; Telefon: 0176/487 63 45. E-Mail: simondemmel mair@gmx.de.

TSV Aindling: Hilfsprojekt mit der Pfarrei, Einkäufe von Lebensmitteln oder Medikamenten; Kontakt: Daniel Tschech, Telefon, 0176/56 94 86 46, oder E-Mail an daniel.tschech@icloud.com, oder Thomas Grammer, Telefon, 0174/214 45 68.



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Veröffentlicht am 29.03.2020 18:14 Uhr



 
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