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Corona-Fall beim FC Pipinsried: So reagiert der Bayernligist auf die Cekic-Diagnose

Pipinsried - Der FC Pipinsried hat am späten Freitagabend auf seiner Facebook-Seite zwei Fotos veröffentlicht: Das eine zeigte Paolo Cipolla, der nach überstandener Kreuzband-OP im Krankenhausbett beide Daumen nach oben hebt. Auf dem anderen Bild war Flügelflitzer Amar Cekic zu sehen. Die Aussage dieser Aufnahme war jedoch nicht so leicht ersichtlich wie bei Cipolla. Cekic sitzt auf dem Beifahrersitz eines Autos, er trägt eine graue Kapuzenjacke und blickt ernst nach unten in die Kamera. Der dazugehörige Test klärt auf: "Amar Cekic hat es leider erwischt. Er befindet sich in Quarantäne, weil er positiv auf Corona getestet worden ist."


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Amar Cekic. Foto: Horst Kramer


Diagnostiziert wurde der Virus bei Cekic, nachdem er in der Nacht auf Dienstag starken trockenen Husten und leicht erhöhte Temperatur hatte. Er ließ sich umgehend in einer Münchner Klinik untersuchen, am Donnerstag stand das Ergebnis fest. Doch wer nun meint, dass das Team geschlossen in die Isolation geht, liegt falsch. Spielertrainer Muriz Salemovic erklärte am gestrigen Sonntag: "Ich fahre am Montag wieder zur Arbeit." Der 31-Jährige ist in verantwortlicher Position bei einem großen schwäbischen KfZ-Zulieferbetrieb beschäftigt. Er berichtet: "Ich habe umgehend meinen Chef über meinen Kontakt zu einem positiv getesteten Mitspieler informiert und mich mit dem Gesundheitsmanagement meines Arbeitgebers kurzgeschlossen." Die dortigen Fachleute hätten Salemovic nach Symptomen wie Fieber befragt, der fitte Sportler hat beides verneint. Zur Aichacher Zeitung sagte er: "Ich fühle mich gesund."
Das Problem: Von den Gesundheitsbehörden hat Salemovic bisher nichts gehört. Aus einem einfachen Grund: Auch Cekic wartet noch auf eine Reaktion des für ihn zuständigen Münchner Gesundheitsamts. Dieses sollte ihm eigentlich einen Fragebogen zuschicken, auf dem der Kicker seine Kontakte benennen muss. Klar, dass dazu ein Großteil des FCP-Teams zählt. Sowie mutmaßlich einige Personen aus dem engeren Vereinsumfeld.
Salemovic versucht, sich zu erinnern: "Kann schon sein, dass Amar und ich uns beim Training mal abgeklatscht haben. Sicher bin ich mir nicht."
Die Reaktionen im Mannschaftskreis auf Cekics Meldung seien ganz unterschiedlich ausgefallen, sagt Salemovic. "Manche meinten, jeder soll sofort in Quarantäne gehen. Andere wollten abwarten, was die Behörden empfehlen." Wieder andere - darunter auch Salemovic - hätten sich mit ihren Arbeitgebern ausgetauscht.
Einer, der sofort selber einen Test absolvieren wollte, ist Manager Tarik Sarisakal. Allein, bisher klappte es nicht. "Mein Hausarzt konnte mir keinen Zulassungs-code für die mobile Teststation in Indersdorf ausstellen", berichtet der 47-Jährige, der im Indersdorfer Ortsteil Niederroth lebt. Der Landkreis Dachau hat vor einigen Tagen auf dem Volksfestgelände eine "Drive-In-Station" aufgestellt, die allerdings nur Menschen überprüfen darf, die zuvor einen medizinischen Check bei ihrem Hausarzt absolviert haben und ein entsprechende Bestätigung samt Testcode vorweisen können. Sarisakal hat sich daraufhin beim Gesundheitsamt in Dachau gemeldet und seinen Kontakt mit Cekic geschildert. Doch dem Dachauer Amt waren die Hände gebunden, es hatte noch keine Daten aus Cekics Wohnort München erhalten. "Durchaus verständlich", meint Sarisakal, "die arbeiten in diesen Krisentragen alle am Anschlag."
Der FCP-Manager hat sich in Einklang mit seinem Arbeitgeber - eine Münchner Personalagentur - eigenständig in Quarantäne begeben. "Es ist meines Erachtens jetzt extrem wichtig, verantwortlich zu handeln", betonte Sarisakal am gestrigen Sonntag. Der Fußball sei im Vergleich zu dem, was für die gesamte Gesellschaft auf dem Spiel stehe, eine "Nebensache", so der frühere Profi. Er will am heutigen Montag nochmals beim Dachauer Gesundheitsamt nachhaken und erneut um einen Zulassungscode für einen Coronavirus-Test bitten. Sein verständliches Motiv: "Ich einfach Bescheid wissen."
Amar Cekic kennt seine Diagnose bereits. Dem Fußballer gehe es den Umständen entsprechend gut, er halte sich an die Anweisungen von Ärzten und Behörden. Gegenüber dem Internetportal FuPa sagte der 27-Jährige: "Ich lebe mit meinen Eltern und meiner kleinen Schwester zusammen. Gegenüber ihnen habe ich natürlich eine Verantwortung. Deshalb werde ich mich komplett in Quarantäne zurückziehen." mit lib Sarisakal versucht, getestet zu werden - bislang vergebens

Von Horst Kramer



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Veröffentlicht am 23.03.2020 13:51 Uhr



 
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