Fußball    

Eine Machtdemonstration

Deisenhofen - "Das war eine Botschaft an die ganze Liga", erklärte Amar Cekic nach einer Partie, die in die Fußballgeschichtsbücher eingehen wird. Wann hat je ein Tabellenführer seinen schärfsten Verfolger mit 7:2 (4:0) demontiert? Noch dazu auf dessen Platz! So geschehen am Samstag durch den Bayernliga-Superprimus FC Pipinsried auf dem Gelände des FC Deisenhofen. Die zweitbeste Mannschaft einer starken Liga, die noch dazu von einem allseits respektierten Kulttrainer gecoacht wird, Hannes "Hu" Sigurdsson.


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Amar Cekic nimmt Maß für das 0:2, genau beobachtet vom Passgeber Daniel Leugner (links dahinter). Deisenhofens Evrad Ngeukeu kann mit dem Pipinsrieder Doppeltorschützen Cekic nicht Schritt halten. Foto: Horst Kramer


Cekic hatte die beiden Dosenöffner-Treffer erzielt (5., 16.), dann für Daniel Leugner aufgelegt (0:3, 21.). Benjamin Kauffmann erzielte den für die Hausherren deprimierenden Pausenstand (0:4, 41.). FCP-Keeper Johann Hipper hatte unmittelbar zuvor einen Strafstoß überragend pariert (41.).
Cekics Chef Fabian Hürzeler sprach zu Recht von einer "Demonstration". Eine Demonstration "an die Konkurrenz und an den Verein, nach innen wie nach außen." Deutliche Worte Hürzelers, die auch an die FCP-Verantwortlichen gerichtet waren.
Das Pipinsrieder Team hatte den Deisenhofenern zuvor eine Lehrstunde erteilt. Die Aufgabenstellung hieß: "Wie nehme ich eine Mannschaft auseinander, die hoch presst, weit aufrückt und das Kurzpassspiel bevorzugt?"
Die richtige Antwort lautete: Gegenpressing, auf dem nassen Geläuf Fehler erzwingen, blitzschnell umschalten, zum Beispiel durch weite Pässe auf die Außenbahnspieler Steffen Krautschneider (links) und Cekic (rechts). Oder auch im Eins-gegen-eins gegen die langsamen zentralen Verteidiger des Gegners.
Exakt auf diese Weise fielen die vier Treffer der ersten Hälfte. Der erste über Krautschneider, der zum mitgelaufenen Cekic passte. Der Wirbelwind dribbelte den Deisenhofenern Evrad Ngeukeu und Marinus Poschenrieder einen Knoten in die Beine und zog von halbrechts aus acht Metern ab (0:1, 5.). Beim 0:2 traf Cekic fast von der identischen Stelle, nur hatte diesmal Leugner die FCD-Abwehr durch einen hohen Steilpass auseinander genommen (16.). Cekic ließ sich nicht lumpen und schickte seinerseits Leugner zwei Mal auf die Reise. Beim ersten Mal blieb der Bergkirchener am Deisenhofener Schlussmann Enrico Caruso hängen (19.), beim zweiten Mal traf Leugner (0:3, 21.). "Du kannst es doch!", lobte Abwehrchef Christoph Rech. Seltsamerweise änderte Sigurdsson nichts an der Ausrichtung seines Teams. Die Hausherren suchten weiterhin ihr Glück mit einer weit aufgerückten Abwehr, obwohl keiner ihrer Defensivkräfte befähigt war, sich auf ein Sprintduell mit den Pipinsrieder Offensivkräften einzulassen.
Pablo Pigl saß übrigens auf der Bank, die Trainer schonten den grippegeschwächten Torjäger für einen eventuellen Notfall. Der freilich nicht eintrat. So gaben Leugner und Muriz Salemovic zwei "falsche Neuner", wie kürzlich schon in Augsburg. Wechselweise stieß einer von beiden aus der zweiten Reihe in die Spitze. Ein Schachzug von Hürzeler und Salemovic, der die Sigurdsson-Truppe in weitere Verwirrung stürzte.
Das 0:4 brach den bemitleidenswerten Hausherren endgültig das Genick. Es entsprang kurioserweise einem Strafstoß für Deisenhofen, den Alexander Langen an Marco Finster verursacht hatte. Doch statt des Anschlusstreffers - Leon Müller-Wiesen scheiterte am FCP-Schlussmann Johann Hipper -, fiel ruck, zuck das 0:4. Kauffmann lauerte links an der Mittellinie. Direkt vor den Augen Sigurdssons eilte der Ingolstädter auf den Kasten von Enrico Caruso zu und platzierte die Kugel genau neben den rechten Innenpfosten (41.). Der rechte Innenpfosten des gegenüberliegenden Kastens spielte beim nächsten Treffer ebenfalls eine Rolle. Krautschneider hatte einen Freistoß aus zentraler Position in den Strafraum gelupft, Rech donnerte ihn an den Seitenbalken, der Abpraller hüpfte ihm wieder vor die Füße (0:5, 47.). Den sechsten Treffer besorgte Krautschneider selbst, und zwar vom Elfmeterpunkt aus. Valentin Körber hatte den Franken zuvor von den Füßen geholt (0:6, 64.).
Der FCP wurde nun ein wenig nachlässig - kein Wunder bei diesem Spielstand. Prompt erzielte Poschenrieder nach einem Freistoß das 1:6 (73.). Ein Ärgernis für Abwehrchef Rech. Er revanchierte sich mit dem siebten Tor, unter Mitwirkung von Caruso. Dem war ein Freistoß Krautschneiders über die Finger gerutscht, Rech stocherte die Kugel über die Linie (1:7, 75..). Das 2:7 durch Michael Bachhuber - ein scharfes Geschoss aus spitzem Winkel - nahm niemand mehr so recht ernst (82.).
Da Wasserburg zu Hause nicht über ein 1:1 gegen den Tabellenletzten Nördlingen hinauskam, ist der Vorsprung des FCP auf 21 Zähler angewachsen. Der FCP hatte mit dem triumphalen Sieg nicht nur seine Sonderstellung in der Liga demonstriert, sondern nach einer durchwachsenen Testphase auch eine alte Fußballweisheit bestätigt: Vorbereitung und Liga sind zwei paar Stiefel.
FC Deisenhofen: Caruso - Muggesser (50. Schmid), Köber (68. Gkasimpagiazov), Poschenrieder, Vodermeier - Müller-Wiesen, Finster (50. Luck) - Mayer, Bachhuber, Ngeukeu - Rembeck.
FC Pipinsried: Hipper - Langen, Hoffmann (62. Wargalla), Rech, Kauffmann - Thee, Zischler - Cekic, Salemovic (81. Cipolla), Krautschneider - Leugner (69. Jike).
Tore: 0:1 Cekic (5.), 0:2 Cekic (16.), 0:3 Leugner (21.), 0:4 Kauffmann (41.), 0:5 Rech (47.), 0:6 Krautschneider (64./Foulelfmeter), 1:6 Poschenrieder (73.), 1:7 Rech (75.), 2:7 Bachhuber (82.) - Schiedsrichter: Fober (Herrieden) - Zuschauer: 320 - Gelbe Karte: Schmid, Köber, Caruso/Leugner, Salemovic - Bes. Vork.: Hipper hält Foulelfmeter von Müller-Wiesen (40.).

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 08.03.2020 19:49 Uhr



 
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