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Derbysieger FCP

Dachau - "Nie mehr Bayernliga", feierten die Pipinsrieder Anhänger ihre Mannschaft schon nach der 3:0-Führung im Derby beim TSV Dachau 1865. Beim Abpfiff hieß es 4:1 (1:0) für den Spitzenreiter. Die Kicker kamen an die Bande und klatschten ihre Fans ab. Zwei Akteure wirkten besonders glücklich: Stürmer Oliver Wargalla, weil ihm der vierte Treffer kurz vor Schluss gelungen war, und Tormann Roman Artes, der eine absolut fehlerfreie Partie abgeliefert hatte. Der lange Keeper grinste entspannt: "Diesmal war ich nicht mehr so nervös wie vor einer Woche. Ich konnte vorher sogar schlafen." Dann fragte er sofort: "Wie hat Pöttmes gespielt?" Doch das 5:1 seines Teams in Langenmoosen hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht den Weg ins weltweite Web gefunden.


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Die vermeintliche Vorentscheidung: Steffen Krautschneider legt das Leder an TSV-Tormann Maximilian Mayer vorbei und schiebt zum zwischenzeitlichen 0:3 ein. Foto: Horst Kramer


Die Dachauer ließen nach der Derbypleite verständlicherweise die Köpfe hängen. Weniger wegen ihrer Leistung - immerhin agierten sie 50 Minuten in Unterzahl nach einer "Ampelkarte" für ihren Kapitän Dominik Schäffer (29.) -, sondern wegen der Konsequenzen: "Jeder kann die Tabelle lesen", kommentierte der Technische Leiter des TSV, Ugur Alkan. Der Vorsprung der Amperstädter auf die Relegationsplätze beträgt nur noch vier Zähler.
In der Anfangsphase war dieser Unterschied zwischen Spitzen- und Wackelteam deutlich zu sehen. Die Pipinsrieder pressten enorm hoch, schnürten ihre eingeschüchterten Gastgeber regelrecht ein. Nach 14 Minuten hatte Amar Cekic schon vier Ecken vor Maximilian Mayers Kasten gezirkelt und zudem einen gefährlichen Volleyschuss aus 20 Metern abgefeuert (10.). Den gefährlichsten Angriff trugen indes die Gastgeber vor: Nach einem Ballverlust von Fabian Müller nach einer eigenen Ecke stürmte Robin Volland über den Platz, passte nach rechts auf Alexander Weiss. Bei dessen Geschoss von der Seitenauslinie stand Artes goldrichtig (15.).
Das Pipinsrieder Trainerduo mit dem spielenden Muriz Salemovic und dem coachenden Fabian Hürzeler hatte wieder auf eine routinierte Dreierkette gesetzt: mit Müller (rechts), Dennis Hoffmann und dem wieder genesenen Christoph Rech (links). Stephan Thee und Maximilian Zischler sicherten davor ab. Das Manko dieser Formation: Keiner dieses Quintetts kann es mit dem Tempo von Volland oder dem noch schnelleren Ryosuke Kikuchi aufnehmen. Pablo Pigl gab wieder den Sturmführer, unterstützt vom enorm eifrigen Paolo Cipolla, der Flügelzange Cekic und Steffen Krautschneider sowie Salemovic, dem Kopf des Teams.
Bei den Hausherren saß Christian Doll bis kurz vor Schluss auf der Bank, neben einem weiteren ehemaligen Pipinsrieder, Nickoy Ricter. Für Stefan Vötter wäre "der Einsatz zu früh gekommen", wie er selbst berichtete. Dafür machte Vendim Sinani auf der Sechs keine schlechte Figur - der bärtige Glatzkopf stand in der vergangenen Saison ein halbes Jahr im FCP-Kader (absolvierte aber kein Pflichtspiel). Besonders auffällig: Mittelfeldmann Weiss; der 24-jährige frühere Pullacher gewann fast jeden Zweikampf.
Die gelb-rote Karte gegen Schäffer - nach seinem zweiten Foul an Hoffmann in der Mitte des Spielfelds (29.) - war zweifelsohne ein Tiefschlag für die Hausherren. Cipolla hätte kurz darauf die Führung aus kürzester Distanz erzielen können (34.). Dann schlug Cekic zu: Mit einem 30-Meter-Sturmlauf durch die Dachauer Hälfte, den er mit einem Lupfer über Maximilian Mayer krönte (0:1, 40.). Der Pipinsrieder Feinfuß hätte noch vor der Pause nachlegen können, ebenso Pigl und Cipolla; doch der bestens aufgelegte Mayer gewann jedes der drei Duelle.
Gegen Cekics 17-m-Volleyschuss kurz nach dem Seitenwechsel war der Dachauer Tormann indes machtlos (0:2, 47.). Als dann Krautschneider eine Balleroberung mit dem 3:0 abschloss, hakten wohl die meisten Beteiligten die Partie ab (50.).
Es reichte ein langer Sprint von Volland, um die schon angesprochene Schwäche der Pipinsrieder Abwehr deutlich zu machen. Sein Abschluss landete genau im langen Eck - zu lang für den 1,96-Meter-Mann Artes (1:3, 53.). Dann verlor Müller einen Zweikampf gegen Kikuchi und konnte ihm nicht folgen - Artes bügelte den Fehler aus (55.). Beim nächsten gefährlichen Konter Kikuchis war der Keeper schon geschlagen, FCP-Kapitän Stephan Thee rettete auf der Linie (65.).
"Erst nach unserem Treffer haben die Spieler gemerkt, dass sie es nicht mit einer Übermannschaft zu tun haben", ärgerte sich Alkan nach dem Abpfiff. Schließlich sah Hoffmann noch "Gelb-rot", weil er Volland nach einem verlorenen Zweikampf nur mit einem Foul bremsen konnte (80.). Hürzeler brachte den deutlich schnelleren Alexander Langen, der weder mit Kikuchi noch mit Volland Probleme hatte. Ein schneller Angriff über Salemovic brachte die Entscheidung; sein präziser Pass fand Wargalla, der Indersdorfer zielte überlegt ins Netz (1:4, 89.).
Da der Verfolger TSV 1880 Wasserburg zeitgleich überraschenderweise mit 0:2 beim SV Pullach verlor, beträgt der Vorsprung des Bayernliga-Primus aus Pipinsried nun 13 Zähler. Hürzeler bekräftigte: "Die anderen Mannschaften sind uns egal. Wir schauen nur auf uns."
TSV Dachau 1865: Maier - Höckendorff, Lamotte, Weiser, Ettenberger (85. Doll) - Weiss (85. Ceker), Sinani - Lask (64. Maric), Schäffer, Kikuchi - Volland
FC Pipinsried: Artes - Müller, Hoffmann, Rech - Zischler (90.+1 Kuko), Thee - Cekic, Cipolla (68. Wagalla), Salemovic, Krautschneider - Pigl (81. Langen)
Tore: 0:1 Cekic (40.), 0:2 Cekic (47.), 0:3 Krautschneider (50.), 1:3 Volland (53.), 1:4 Wargalla (89.) - Schiedsrichter: Angelika Söder (Ochenbruck) - Zuschauer: 450 - Gelbe Karte: Volland, Lask, Weiss/Salemovic - Gelb-rote Karte: Schäffer (29.); Hoffmann (77./beide wiederholtes Foulspiel).

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 10.11.2019 23:00 Uhr




 

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