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Bezirksliga-Nachlese: Der Stand in Adelzhausen, Affing, Ecknach und Aindling

Aichach - Der Herbst 1973 war geprägt von der ersten weltweiten Ölkrise. Als Folge auf das von den OPEC-Staaten verhängte Erdölembargo mit den damit sprunghaft gestiegenen Energiekosten verhängte die Bundesregierung seinerzeit ein Sonntagsfahrverbot. Der erste autofreie Tag war der 25. November 1973. Was das mit Amateurfußball zu tun hat? Auf den ersten Blick nichts. Sämtliche Fußballspiele damals wurden auf Samstag vorverlegt. An jenem 24. November 1973 gewann der TSV Aindling in der früheren B-Klasse beim VfL Ecknach 3:2 - es war bis heute der letzte Punktspielsieg der Lechrainer über den Klub aus dem Aichacher Ortsteil.


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Für den TSV Aindling (rechts Lukas Ettner) setzte es gegen den VfL Ecknach (links Christoph Jung) die nächste schmerzhafte Derbyklatsche. Foto: Siegfried Kerpf


Gut, ein paar Monate später trennten sich die Wege beider Klubs für fast 45 Jahre. Erst seit dem Aindlinger Abstieg in die Bezirksliga Nord 2018 duellieren sich Aindlinger und Ecknacher wieder in einer Spielklasse - und, abgesehen von dem 1:1 im Eröffnungsspiel der vergangenen Saison, der VfL hatte immer das bessere Ende. So wie am Sonntagnachmittag. Mit 4:1 triumphierte Ecknach am Schüsselhauser Kreuz, fügte den Rot-Weißen wie schon im März sowie Anfang August dieses Jahres erneut eine empfindliche Derbyklatsche zu. Und auch vorgestern war Aindling weit davon entfernt, diese Serie zu beenden.
Die Mannschaft von Trainer Roland Bahl verstand es nicht, das Momentum nach dem Ausgleichstreffer von Mark Radoki gleich nach Wiederbeginn zu nutzen. Als der junge Radoki wenig später wegen wiederholten Foulspiels mit "Gelb-rot" vom Platz flog, machten die Ecknacher sofort kurzen Prozess, erzielten innerhalb von sechs Minuten drei Treffer. Fußball-Aindling war restlos bedient.
Der Platzverweis, sagte Ecknachs Spielertrainer Daniel Framberger, habe seinem Team in die Karten gespielt. Für Fußballchef Jochen Selig war indes der 2:1-Führungstreffer durch Michael Eibel nach dem Fehler des Aindlinger Rechtsverteidigers Philipp Harjung der Knackpunkt: "Der Treffer hatte nichts mit Über- oder Unterzahl zu tun. So ein Tor schießt nur Eibel, weil kein anderer so einen Ball noch erobert." Dass der VfL trotz des dritten Sieges über den TSV innerhalb von knapp acht Monaten nun gleich besser sei als Aindling, hält Selig dann doch für überzogen. "Wir haben die Aindlinger immer günstig erwischt, wenn es bei ihnen nicht läuft."
Bei 27 Punkten steht jetzt Ecknach, 30 Zähler zur Winterpause, so Selig, wären "der Wahnsinn". Denn dann könnte bei den Planungen für die neue Runde schon in die Vollen gehen. Bei noch drei ausstehenden Partien in diesem Kalenderjahr ist Seligs Wunschvorstellung überhaupt nicht mehr utopisch.
Mehr schon hingegen beim TSV. Es ist nicht nur die Ergebniskrise, die inzwischen für Ratlosigkeit sorgt. "Die Truppe schafft es einfach nicht, das, was sie kann, auf den Platz zu bringen", rätselt Aindlings Fußballchef Josef Kigle. Trainer Bahl sprach hinterher davon, dass es seinem Team aufgrund von Ausfällen an Substanz fehle. Kigle lässt die Personalknappheit aber nur bedingt gelten: "Die erste Elf vom Sonntag ist immer noch eine sehr gute Truppe."
Spätestens seit Sonntag hat sich Kigle von einem Spitzenplatz verabschiedet. Statt, wie als Zielsetzung ausgegeben, oben mitzuspielen, dümpelt der TSV als Tabellensiebter (25 Punkte) im Mittelfeld der Liga. Dabei wäre in dieser Bezirksliga-Saison doch einiges möglich, wenn er nur ein wenig Konstanz an den Tag legen würde. Denn auch Gersthofen (1./1:1 in Altenmünster) und Bubesheim (2./1:2 beim bis dato sieglosen Schlusslicht Holzkirchen) kommen nicht so richtig vom Fleck weg. "Wir haben aber für einen vorderen Platz schon Chance auf Chance verpasst", so der Aindlinger Fußballchef.
Doch am meisten schmerzen Kigle die Heimauftritte: "Die tun weh. Das kann man nicht bringen." Vier Mal haben sie in dieser Saison schon im eigenen Stadion verloren, die zahlende Kundschaft bleibt inzwischen auch aus. Am Sonntag waren es nicht einmal 200 Zuschauer, die das Derby gegen Ecknach sehen wollten.
Ebenso mäßig sieht die Bilanz des FC Affing an der heimischen Frechholzhausener Straße aus. Einen Punkt holte der FCA aus seinen drei jüngsten Auftritten vor eigenem Publikum. Der Zähler aus der Partie gegen den SC Altenmünster ist gleichzeitig der einzige aus den letzten sechs Spielen. Am Sonntag, nach der 0:2-Pleite gegen den FC Stätzling, gab Trainer Tobias Jorsch einmal mehr den Wecker: "Wir müssen endlich aufwachen", mahnte er. Drei happige Aufgaben sieht der Spielplan für die Mannschaft von Jorsch und seinem Kompagnon Marc-Abdu Al-Jajeh vor: Die Begegnung bei Nördlingen 2 dürfte auf dem Papier noch die leichteste sein, ehe es gegen Meitingen und anschließend nach Ecknach geht.
"Es wir schwer, aus dieser Situation rauszukommen", prophezeit Jorsch, der Führungsspieler wie Maximilian Merwald in die Pflicht nimmt, aber auch an den Rest der Truppe appelliert: "Wir müssen in dieser Woche richtig gut trainieren und in Nördlingen etwas mitnehmen." Der letzte Sieg gelang den Affingern mit einem 4:2 gegen den BC Adelzhausen.
Eine Partie, die als Abziehbild der bisherigen Saison des damaligen Gegners dient. Der BCA überzeugte die erste halbe Stunde, verpasste es anschließend aber, weiter Fußball zu spielen und fing sich im zweiten Durchgang vier Tore. Der bisherige Tiefpunkt war das 1:2 gegen Günzburg am Sonntag. Das Problem hat Spartenchef Jürgen Dumbs ausgemacht: "Außer Dominik Müller trifft bei uns niemand das Tor." Zumal Dumbs mittlerweile auch hinterfragt, "ob das noch alles nur Pech ist oder auch mangelnde Qualität?"
Andererseits findet Dumbs, dass bis auf die Abschlussschwäche und die "unnötigen Gegentore" alles passt, von der Spielvorbereitung bis zur Einstellung. "Das Schlimme ist, dass es einfacher wäre, wenn wir sagen könnten: Es reicht einfach nicht." Doch Dumbs sowie Trainer Johannes Putz sind beide davon überzeugt, dass Adelzhausen mit beinahe jedem Ligakonkurrenten mithalten kann - das belegen der Sieg in Stätzling oder die Unentschieden gegen Gersthofen, Meitingen, Ecknach und Bubesheim. "Es hört sich blöd an", resümiert der Abteilungsleiter, "aber eigentlich müssen wir genauso weitermachen."
Neben dem Chancenwucher erschweren das jedoch zahlreiche Ausfälle: Mehrere Urlauber fehlen, der spielende Assistenztrainer Wolfgang Klar ist nach seiner Notbremse in Ecknach noch gesperrt und Maximilian Ettner und Patrick Schuch verletzten sich am Sonntag. Deshalb musste sich Putz gegen Günzburg im zweiten Durchgang gezwungenermaßen selbst einwechseln. In Hollenbach am kommenden Sonntag befürchtet Dumbs bittersüß lachend: "Dort wird er wohl von Anfang an ran müssen. Wir kommen mit dem letzten Aufgebot daher." Selig: "So ein Tor schießt nur Eibel"

Von Herbert Walther



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Veröffentlicht am 05.11.2019 11:40 Uhr




 

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