Fußball    

Duell der einstigen Schwergewichte

Aichach - Die Aichacher Fußballregion erlebte in den 1990er-Jahren ihre sportlichen Glanzzeiten. Besonders die Duelle zwischen dem BC Aichach und dem TSV Dasing in der damals noch viertklassigen Landesliga Süd elektrisierten die Massen. Es war das Derby schlechthin, vierstellige Besucherzahlen waren an der Tagesordnung, wenn sich Aichacher und Dasinger gegenüberstanden. 2500 Zuschauer sahen am 14. Oktober 1990 ein 1:1 in Dasing, ein Dreivierteljahr später verfolgten 2000 Fußballfans die Nullnummer auf dem BCA-Platz. Das letzte Punktspiel der ersten Mannschaften beider Vereine liegt lange zurück, 2002 in der Bezirksliga Nord. Nach Jahren mit Höhen und Tiefen treffen die einstigen Fußball-Schwergewichte am Sonntag um 14 Uhr zum Abschluss der Hinrunde in der Kreisliga Ost aufeinander, mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Der BCA (28 Punkte) gastiert als Tabellenführer beim Aufsteiger Dasing (10./13).


"Wir können befreit aufspielen", meint TSV-Coach Jürgen Schmid im Hinblick auf die Heimaufgabe gegen den Ligaprimus und ergänzt: "In diesem Spiel erwarten die Leute am wenigsten von uns." Für die Aichacher findet Schmid dabei lobende Worte: "Sie haben eine stabile Defensive und eine starke Offensive. Sie werden diese Saison auf den ersten Plätze landen", erläutert der 54-Jährige.
Um dem BCA "bis zum Schluss einen heißen Kampf zu liefern" sei "Willenskraft und Mentalität" gefragt, wie sie seine junge Truppe beim 1:1 beim Mitaufsteiger SC Mühlried am vergangenen Wochenende zeigte. Mit dem letzten Aufgebot seien die Dasinger am Sonntag bei all ihren drei Mannschaften angetreten, berichtet Schmid. Derzeit gelte es deshalb für seine Elf aufgrund der Verletztenmisere "Punkt für Punkt zu sammeln und bis zur Winterpause durchzukommen". Mit einem breiteren Kader könne er erst wieder im neuen Jahr planen, so der Dasinger, der seine Truppe gegen den BCA von Druck freispricht: "Wir haben nichts zu verlieren", findet Schmid.
Mit vier Siegen und einem Unentschieden aus den vergangenen fünf Spielen reist der BC Aichach nach Dasing, jedoch war der 1:0-Erfolg gegen Schlusslicht DJK Langenmosen am vergangenen Wochenende für den BCA ein hartes Stück Arbeit, findet Spielertrainer Markus Winkler: "Es war das erwartet schwere Spiel. Hauptsache drei Punkte und zu null gespielt. Nur wer die unangenehmen Spiele gewinnt, bleibt oben dran", resümiert der 29-Jährige und fordert von seiner Truppe, sie müsse sich in Dasing wieder mehr zutrauen.
In diesem Zusammenhang zollt Winkler aber auch den Gastgebern Respekt: "Sie sind eine junge, technisch starke Mannschaft. Sie machen ihre Sache gut. Dazu erwarte ich einen sehr motivierten Gegner", so der Aichacher. Sein Trainerkollege Sebastian Böhm hat dennoch ein klares Ziel am Sonntag: "Als Erster will man gegen einen Aufsteiger natürlich immer gewinnen." Auch vor weniger als 2000 Zuschauern.
Ein weiteres Derby steigt zum Hinrundenabschluss zeitgleich beim SSV Alsmoos-Petersdorf (3./22), der den TSV Pöttmes empfängt, der derzeit mit 27 Punkten auf dem zweiten Rang steht. Dass das Duell der beiden Lokalrivalen dabei noch ein echtes Spitzenspiel ist, freut SSV-Coach Frank Mazur. "Das ist eine schöne Momentaufnahme. Es wäre absolut vermessen, davon zu sprechen, dass es für uns darum geht, ganz oben dranzubleiben", erklärt der 40-Jährige, der eine solch starke Form von seinen Mannen gar nicht erwartet hätte. Drei der vergangenen vier Spiele gewann der Fusionsklub, gegen den Tabellenführer Aichach erkämpfte sich der SSV ein verdientes 0:0. "Wir spielen am Limit, aber die Jungs merken das gar nicht. Das ist schön als Trainer", findet Mazur, der als Erfolgsgeheimnis vor allem eines nennt: die mannschaftliche Geschlossenheit. "Wir sind ein eingeschweißter Haufen", erklärt der Übungsleiter, der diese Stärke am Sonntag ausspielen möchte: "Wir müssen über das Kameradschaftliche kommen", betont Mazur, der mit einem positiven Gefühl in das Spitzenduell geht: "Es stimmt in unserer Mannschaft, wir sind gut drauf und freuen uns auf das Derby."
Lob für den SSV hat auch Pöttmes-Coach Roman Artes übrig: "Er hat eine sehr gute Defensive und ist eine eingespielte Mannschaft", so der 31-Jährige, den im Gegensatz zu Mazur die derzeitige Tabellenposition der Petersdorfer nicht überrascht. "Das habe ich schon vor der Saison gesagt", erläutert Artes. Seine eigene Elf, die nach Niederlagen in Burgheim (1:3) und gegen Thierhaupten (3:4) mit zuletzt zwei deutlichen Siegen (5:1 in Gerolsbach und 6:0 gegen Firnhaberau) wieder besser in Tritt kam, müsse laut Artes am Sonntag "voll fokussiert" sein. "Denn dann sind wir stark", meint der TSV-Trainer, schließlich habe es bei den bisherigen Niederlagen daran gemangelt. "Man kann nicht immer gut sein, aber da musst du dann eben trotzdem gewinnen", erklärt Artes und pflichtet damit auch seinem Aichacher Trainerkollegen Winkler bei. Um am Wochenende weiter in der Erfolgsspur zu bleiben, hat Artes beim Fusionsklub einen breiten Kader zur Verfügung. Kleinere Fragezeichen stehen lediglich hinter den Einsätzen von Toptorjäger Simon Fischer (Adduktoren) und Alexander Storzer (Beruf).

Die weiteren Partien: Nach dem 2:1-Erfolg gegen den TSV Burgheim will der SC Griesbeckerzell (6./20 Punkte) beim Tabellenachten SV Thierhaupten (17) nachlegen. Dringend Punkte benötigt Schlusslicht DJK Langenmosen (14./5) im Duell gegen den SV Feldheim (9./16). Selbiges gilt auch für den Vorletzten aus Gerolsbach (13./5), der den BC Rinnenthal (7./17) empfängt. Nach vielen Höhen und Tiefen in dieser Spielzeit holten die Mannen aus dem Friedberger Ortsteil sieben Punkte aus den vergangenen drei Partien. Am 22. September unterlag Aufsteiger TSG Untermaxfeld (11./13) beim TSV Pöttmes mit 2:3, seither ist die Elf von Trainer Wolfgang Rückel ungeschlagen (drei Siege, drei Unentschieden). Beim Verfolger TSV Firnhaberau (12./10) kann sich die TSG mit einem Sieg vom Tabellenkeller absetzen (alle Sonntag 14 Uhr). Bereits am Samstag um 14 Uhr gastiert Neuling SC Mühlried (4./21) beim punktgleichen, jedoch zuletzt etwas schwächelnden Tabellennachbarn TSV Burgheim (5.). Dritter gegen Zweiter: Alsmoos-Petersdorf erwartet Pöttmes

Von Veit Rettenberger



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Veröffentlicht am 31.10.2019 23:00 Uhr




 

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