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Der nächste Fünferpack

Pipinsried - Der Jubel beim Abpfiff des 5:0 (1:0) des FC Pipinsried gegen den SV Kirchanschöring fiel nicht so überschwänglich aus, wie es eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Vielleicht, weil die gelb-blauen Kicker ihre Treffer der zweiten Halbzeit schon ausgiebig gefeiert hatten. Zum Beispiel Pablo Pigl, der nach seinem akrobatischen 2:0 so glücklich wirkte, als ob er eine einjährige Trefferflaute beendet hätte (es waren 148 Minuten). Oder Stephan Thee, der nach seinem 3:0 den Flankengeber Kenan Muslimovic derart intensiv herzte, dass dem die Luft weg blieb. Oder auch Daniel Leugner, der - gerade eingewechselt - das 4:0 aus 13 Metern einschob und danach ein Wies'n-würdiges Ententänzchen aufführte.


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Die vorzeitige Entscheidung: Stephan Thee markiert das 3:0 gegen Kirchanschörings Keeper Stefan Schönberger. Pablo Pigl (links) und Vorbereiter Amar Cekic beobachten den Treffer aus der ersten Reihe. Foto: Horst Kramer


Dennoch herrschten nach dem Match selbstkritische Töne vor. Ballverteiler Amar Cekic meinte: "In der ersten Halbzeit waren wir zu unkonzentriert." Trainer Fabian Hürzeler hieb in dieselbe Kerbe: "Vor der Pause hat die Körpersprache nicht gepasst." Danach sei die Leistung "in Ordnung" gewesen. Es schien, als ob der Coach ganz bewusst die Stimmung dämpfte: "Dass wir jetzt mehrfach fünf Tore geschossen haben, wird die Ausnahme bleiben." Es war aber immerhin schon das vierte Spiel nacheinander, das die Pipinsrieder mit einem Fünferpack beendeten.
Sein Team war zwar relativ früh in Führung gegangen - Steffen Krautschneider schob eine Flanke von Kenan Muslimovic am linken Pfosten perfekt ein (1:0, 23.) -, doch zu diesem Zeitpunkt war die Gästemannschaft schon mehrfach gefährlich vor Johann Hippers Kasten aufgetaucht. Etwa als Manuel Omelanowsky den FCP-Keeper aus kurzer Distanz per Kopf prüfte (16.). Kurz vor der Halbzeit blieb Hipper erneut Sieger gegen den SVK-Stürmer (45.), zudem lenkte er einen Volleyschuss von Anton Peter bravourös an die Latte (45.+1).
Die Szenen zeigen: Die Südostbayern agierten durchaus auf Augenhöhe, auch wenn die Kicker aus dem Altoland über mehr Spielanteile verfügten.
Hürzeler hatte vor der Pause mit einer Dreierkette operiert - mit Thee, Christoph Rech und Timon Kuko. Fabian Müller unterstützte Maximilian Zischler davor als zweiter Sechser. Für Alexander Langen und den absenten Muriz Salemovic durften Oliver Wargalla und Muslimovic von Anfang an ran. Letzterer nutzte die Chance - er legte drei Treffer auf. Wargalla musste zum Seitenwechsel Langen weichen. Thee rutschte nun ins Mittelfeld an die Seite von Dennis Hoffmann, der Zischler in der 38. Minute ersetzt hatte. Der Abräumer hatte sich ohne Gegnereinwirkung verletzt. "Vermutlich ein Muskelfaserriss", wie er später selbst diagnostizierte.
Aus dem 3-2-3-2 wurde nun ein 3-5-2. Die Folge: Hinten stand das Team kompakter. Vorne waren die Flügel ständig besetzt, ebenso der Strafraum mit zwei, drei oder gar vier Mann.
Die Treffer waren allesamt sehenswert. Dem 2:0 ging eine Krautschneider-Ecke von links auf den kurzen Pfosten voraus: Cekic verlängerte sie vor das Tor, Muslimovic köpfte in den Fünfmeterraum, wo Pigl die Kugel akrobatisch mit der rechten Hacke ins Netz drückte (53.). Das 3:0 leitete Cekic mit einem Pass auf Muslimovic ein, der gefühlvoll von rechts außen in die Mitte flankte, genau auf den Schädel des heranstürmenden Thee - Gästekeeper Stefan Schönberger brachte noch die Hand hoch, gegen Thees Nachsetzer war er machtlos (57.).
Damit war die Partie entschieden, der Torhunger der Pipinsrieder aber noch nicht gestillt. Pigl steckte klug auf Leugner durch (4:0, 74.), Hoffmann zog aus 35 Metern mit Schmackes ab, genau ins linke untere Eck (5:0, 83.). Weitere Treffer hätten fallen können. "Ein 8:0 wäre möglich gewesen", meinte Cekic, der wie schon in den vergangenen Wochen Dreh- und Angelpunkt vieler Aktionen war. Seine eigene Leistung kommentierte der 26-Jährige bescheiden: "Mit den Jungs zu spielen, macht einfach Riesenspaß."
In der letzten Viertelstunde war der FCP übrigens nur noch zu zehnt auf dem Feld: Krautschneider war sich bei einer Flanke von der Torauslinie unglücklich gestürzt. "Vermutlich etwas Muskuläres", mutmaßte er später und griff sich an die Leiste. Auch Leugner humpelte in den Schlussminuten über das Feld. "Nur ein Pferdekuss", erklärte der Bergkirchener, "nicht weiter schlimm."
Der FC Pipinsried bleibt mit einem Zähler Vorsprung Tabellenführer vor dem TSV 1880 Wasserburg, der beim Ligaschlusslicht Türkspor Augsburg sich zu einem 1:0 mühte, obwohl der Liga-Neuling aus Haunstetten ab der 20. Minute mit einem Mann weniger auskommen musste.
Am kommenden Freitag kommt es zum Schlagerspiel zwischen den zwei Ligabesten, wenn die Pipinsrieder die Wasserburger besuchen (Anpfiff: 19.30 Uhr).
FC Pipinsried: Hipper - Thee, Rech, Kuko - Zischler (38. Hoffmann), Müller - Wargalla (46. Langen), Cekic, Krautschneider - Pigl, Muslimovic (73. Leugner).
SV Kirchanschöring: Schönberger - Urban (80. Obirei), Dinkelbach, Janietz, Daniel - Reiter, Peter (66. Kraus) - Jung, Delter (66. Probst), Omelanowsky - Schild.
Tore: 1:0 Krautschneider (23.), 2:0 Pigl (53.), 3:0 Thee (57.), 4:0 Leugner (74.), 5:0 Hoffmann (83.) - SR: Peter Dotzel (Heidenfeld) - Zuschauer: 515 - Gelbe Karte: Pigl, Müller, Kuko/Reiter, Urban, Omenalowsky, Janietz - Bes. Vork.: Ab der 80. Minute stand der FCP zu zehnt auf dem Platz, da Krautschneider verletzt war, das Wechselkontingent jedoch ausgeschöpft. Zischler, Leugner und Krautschneider verletzt

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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