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Reichlmayr wirft Ex-Klub raus

Augsburg - Drei Jahre, von 2016 bis 2019, hütete Thomas Reichlmayr den Kasten des FC Pipinsried. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga verließ der Torhüter den Dorfklub und heuerte beim Bayernliga-Aufsteiger Türkspor Augsburg an. Gestern Abend, in der ersten Runde des Verbandspokals, traf Reichlmayr erstmals auf seinen Ex-Klub - und warf diesen aus dem Cup-Wettbewerb. Dabei spielte der 27-Jährige eine entscheidende Rolle, verwandelte er doch den fünften und letzten Schuss zum 4:3-Sieg im Elfmeterschießen.

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Während Türkspor Reichlmayr feierte, gab es bei den Pipinsriedern lange Gesichter, verspielten sie doch nach dem Seitenwechsel innerhalb von elf Minuten eine scheinbar komfortable 3:0-Pausenführung. "Das ist total enttäuschend", ärgerte sich der kaufmännische Geschäftsführer Uli Bergmann. Die Vorgabe des Vereins an die Mannschaft war eindeutig: Der Einzug in die nächste Runde. "Natürlich war es unser Ziel, weiterzukommen", sagte der verletzte FCP-Spielertrainer Fabian Hürzeler, "aber Priorität Nummer eins hat etwas anderes."
Hürzelers Kompagnon Muriz Salemovic forderte im Vorfeld der Partie von seinen Mannen Konzentration ein. "Jeder weiß, dass ein Trainerwechsel zehn bis zwanzig Prozent mehr Leistung freisetzen kann", sagte Salaemovic. Bekanntlich hatte sich Türkspor erst zwei Tage zuvor nach der 1:5-Pleite in Deisenhofen von seinem Trainer und früheren Pipinsrieder Manfred Bender getrennt.
Doch von einer Steigerung war beim aktuellen Bayernliga-Schlusslicht vor der Pause nichts zu sehen. Der Tabellenzweite setzte gegen den Ligakonkurrenten die Vorgaben seiner beiden Vorarbeiter um, agierte sehr engagiert, dominant und konzentriert. Das gelang dem Dorfklub bestens, zur Halbzeit hatte er mit einem beruhigenden 3:0-Vorsprung eigentlich die Weichen für die nächste Runde bereits gestellt.
Amar Cekic verwandelte früh einen Strafstoß sicher (0:1, 8.), nachdem sich die Augsburger Neuerwerbung, der ehemalige Osnabrücker Drittligaspieler Mohamed El Bouazzati, gegen Pablo Pigl etwas zu ungeschickt angestellt hatte. Klasse herausgespielt war das 0:2. Marcel Ebeling legte in Pigls Lauf, dessen Schuss wehrte Reichlmayr, neben Giovanni Goia, Sebastian Mitterhuber und Emre Arik einer von vier Ex-Pipinsriedern, nach vorne ab. Oliver Wargalla stand goldrichtig und staubte zum 0:2 ab (28.). Das 0:3 war ein typischer Reichlmayr-Patzer, wie man ihn zu dessen Pipinsrieder Zeit einige Male gesehen hatte. Einen weiten Ball traf der sehr weit vor seinem Gehäuse postierte Keeper nicht richtig, legte mustergültig für Kenan Muslimovic auf, der aus fast 40 Metern ins verwaiste Türkspor-Tor traf (45.+1).
Was sich nach dem Seitenwechsel abspielte, hätte nicht passieren dürfen, so Hürzeler. "Wir haben Türkspor selbst ins Spiel gebracht", kritisierte der FCP-Spielertrainer, "da müssen wir uns schon an die eigene Nase fassen." Mit der klaren Führung im Rücken vernachlässigte der FCP seine Defensivarbeit - und wurde innerhalb von elf Minuten mit drei Gegentreffern durch Borna Katanic (48.) sowie zwei verwandelten Strafstößen des zur Pause eingewechselten Türkspor-Torjägers Fatih Baydemir (56., 59.) bestraft. Beim ersten Elfmeter verlor Alexander Langen erst das Laufduell gegen Goia, den er dann mit einem Schubser im Strafraum zu Fall brachte, vor dem zweiten bekam Abwehrchef Christoph Rech den Ball an die Hand.
Zuletzt waren es die Pipinsrieder, die tolle Comebackqualitäten zeigten, nachdem sie Halbzeitrückstände gegen Schwabmünchen und Ingolstadt 2 noch gedreht hatten. Der FCP konnte diesmal sogar froh sein, dass Mert Irmak (64.) und Emre Arik (69.) bei zwei Großchancen das Spiel für Türkspor nicht komplett drehten, und kurz vor Schluss die Querlatte bei Katanics 25-m-Freistoßhammer rettete (87.).
In Sachen Verpflichtung eines Abwehrspielers, um die "zu vielen Gegentore" (Hürzeler) einzudämmen, könnte sich bald etwas tun: Nach Informationen unserer Zeitung steht der FCP in Gesprächen mit Fabian Müller. Der 32-jährige gebürtige Berchtesgadener, fußballerisch bei Bayern München ausgebildet, kann auf beiden Außenpositionen spielen, absolvierte für Aue, Kaiserslautern und Dresden 206 Zweitliga-Spiele. Derzeit steht Müller noch beim Drittligisten Chemnitzer FC unter Vertrag.
Türkspor Augsburg: Reichlmayr - Irmak, Cecunjanin, El Bouazzati, Katanic - Mitterhuber, Salifou (76. Wurm) - Arik, Jevtic (79. Jassem), Goia - Kocakahya (46. Baydemir).
FC Pipinsired: Hollenzer - Langen, Rech, Kuko - Kauffmann - Wargalla (64. Belousow), Cekic, Ebeling (64. Salemovic), Cipolla (61. Krautschneider) - Muslimovic, Pigl.
Tore: 0:1 Cekic (8./Foulelfmeter), 0:2 Wargalla (28.), 0:3 Muslimovic (45.+1), 1:3 Katanic (48.), 2:3 Baydemir (56./Foulelfmeter), 3:3 Baydemir (59./Handelfmeter) - Elfmeterschießen: 0:1 Kuko, 1:1 Mitterhuber, 1:2 Krautschneider, Hollenzer hält gegen Wurm, 1:3 Muslimovic, 2:3 Baydemir, Reichlmayr hält gegen Pigl, 3:3 El Bouazzati, Cekic trifft Pfosten, 4:3 Reichlmayr - SR: Krettek (Neuburg/Donau) - Zuschauer: 100 - Gelbe Karte: El Bouazzati, Jevtic, Arik/Kauffmann, Langen, Krautschneider, Kuko.

Von Herbert Walther


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Veröffentlicht am 07.08.2019 09:55 Uhr




 

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