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Zehn Gelbe jubeln spät: FC Pipinsried erkämpft in Unterzahl Remis gegen Dachau

Pipinsried - Fabian Hürzeler stand auf Höhe der Mittellinie hinter einer weißen Werbebande und fuchtelte mit den Armen durch die milde Abendluft. Er versuchte lautstark, seine zehn Kollegen durch die Schlussphase des Bayernlligaderbys gegen den TSV 1865 Dachau zu dirigieren. Über dem gelben Trikot trug er ein knallorangenes Trainingsleibchen, eingerahmt wurde er von vier Fans, die wegen der gelben Schals, die von ihren Hälsen herabhingen, als Anhänger des FCP identifiziert werden konnten. Gemeinsam durfte das ungewöhnliche Quintett immerhin noch einmal jubeln: Dem FC Pipinsried gelang das späte 2:2.

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Seinen Platz neben der Ersatzbank des FCP hatte Hürzeler inne, weil ihn Schiedsrichter Maximilian Riedel nach 31 Minuten vom Spielertrainer zum Trainer gemacht hatte, indem er ihm die gelb-rote Karte zeigte - für ein Vergehen, das im Fußballersprech gemeinhin als Allerweltsfoul bezeichnet wird. Einerseits hätte Riedel Fingerspitzengefühl - eine weitere Fußballvokabel - beweisen können. Andererseits hätte Hürzeler seinerseits vorab ahnen können, dass der Referee schnell zur Brusttasche greift. Insgesamt zehn gelbe Karten verteilte Riedel - nach 18 Minuten waren es bereits deren vier.
Die Hinausstellung Hürzelers war jedenfalls die Szene, die das Spiel kippen ließ. Ein Spiel, in dem der FCP überraschend nervös begonnen hatte. Steffen Krautschneider setzte dem ein Ende. Mit einem feinen langen Pass schickte er Pablo Pigl, der den hohen Ball gekonnt mitnahm, allerdings mit seinem schwachen Abschluss an Maximilian Mayer scheiterte (8.). Der Dachauer Schlussmann rettete Augenblicke später für Innenverteidiger Alexander Weiser, der den Ball im Spielaufbau an Pigl verloren hatte. Der Doppeltorschütze beim 3:0-Auftaktsieg bei Schwaben Augsburg suchte den völlig blank stehenden Cekic in der Mitte. Der klägliche Versuch eines Zuspiels landete jedoch unter einem lauten Raunen der 665 Zuschauer in Mayers Armen.
Aber spätestens jetzt setzte Pipinsried die Gäste unter permanenten Stress. Amar Cekic, Pigl und Spielertrainer Muriz Salemovic heizten in irrem Tempo auf den ballführenden Dachauer zu. Für das verdiente 1:0 musste schließlich ein Standard herhalten. Dass der FCP sich dafür ein paar gewitzte Varianten draufgeschafft hat, war bereits in Augsburg zu bewundern. Den Dachauern war das wohl entgangen. Sie waren noch mit der Zuordnung beschäftigt, als Stephan Thee den Freistoß in den Strafraum chippte, wo Christoph Rech unbehelligt zum 1:0 einköpfte (31.).
Allerdings warfen kurz darauf nur mehr zehn Pipinsrieder in der tiefstehenden Abendsonne lange Schatten auf den Rasen. Nach Hürzelers Platzverweis gehörte der Rest des ersten Durchgangs optisch dem TSV, der Pipinsried zwar tief in die eigene Hälfte drängte, dem allerdings auch Präzision und Ideen fehlten, um gefährlich zu werden.
Nach der Pause stellten Hürzeler und Salemovic um. Aus der Fünfer- wurde eine Viererabwehrreihe. Thee rückte ins Mittelfeld, als Innenverteidiger blieben Rech und Dennis Hoffmann zurück, flankiert von Krautschneider und Alexander Langen. Letzterer stand nun zum Leidwesen von Marcel-Pascal Ebeling auf dem Feld. Der Angreifer war kurz vor dem Platzverweis für Oliver Wargalla eingewechselt worden und musste nun schon wieder weichen.
Das neue taktische Gerüst verlieh dem FCP Sicherheit. Dachau hatte seine beste Gelegenheit erst in Minute 64, als Robin Volland nach einer Ecke wenige Meter vom Tor entfernt drüber schoss. Ansonsten hatten die zehn Pipinsrieder kaum Schwierigkeiten. Hinten grätschten und blockten die Defensivkräfte alles wag, vorne kreierte Salemovic einige Halbchancen.
Bis Dachau erneut eine Ecke in den Strafraum schlagen durfte. Der Ball kam über Umwege zu Weiser, dessen erster Versuch aus 15 Metern noch in der vielbeinigen gelben Abwehrwand hängen blieb. Weil der Ball aber zu ihm zurückprallte, probierte es Weiser halt nochmal und setzte seinen Schuss dieses Mal flach neben den Pfosten (69.).
Der FCP wankte plötzlich. Stefan Vötter drang fünf Minuten nach dem 1:1 mit einem fulminanten Dribbling auf links in den Sechzehner ein und zog ab. Johann Hipper wehrte den Versuch in die Mitte ab, wo Sebastian Brey problemlos zum 2:1 abstaubte. Vier Minuten später traf Christian Doll das Außennetz.
Doch der Dorfklub gab nicht auf. Angetrieben von Hürzeler in seinem knallorangenen Leibchen jagte er zwar viele Flanken erfolglos durch und über den Strafraum - eine aber gelangte über einen Verteidiger und Mayer zu Pigl, der wuchtig das späte 2:2 köpfte (87.).
FC Pipinsried: Hipper - Thee, Hofmann, Rech - Wargalla (32. Ebeling/46. Langen), Hürzeler, Zischler (85. Jike), Cekic, Krautschneider - Salemovic - Pigl.
TSV 1865 Dachau: Mayer - Höckendorff (57. Grotz), Lamotte, Weiser, Vötter - Brey, Schäffer, Doll (86. Sinani), Weiss, Maric (74. Todorovic) - Volland
Tore: 1:0 Rech (31.), 1:1 Weiser (69.), 2:1 Brey (74.), 2:2 Pigl (87.) - Gelb-rote Karte: Hürzeler (32./FCP/wdh. Foulspiel) - Schiedsrichter: Riedel (Augsburg) - Zuschauer: 665.

Von David Libossek


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Veröffentlicht am 20.07.2019 08:00 Uhr




 

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