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Obergriesbach unterliegt Oberhausen: Die Mini-Südtribüne feiert trotzdem

Friedberg - Da standen sie also. Der Lange mit dem überdimensionalen gelb-schwarzen Gauklerhut. Die zwei Halbstarken, die sich Trommeln vor die Bäuche geschnallt hatten. Und ein Langhaariger mit Baseballkappe, der immer wieder neue Utensilien aus einer Plastiktüte fischte: von Megafon bis Hupe, Hauptsache laut. Ihren rechten und ihren linken Arm hatten die Vier um Spielerhälse geworfen. So formte sich auf dem Rasen der Sportanlage des TSV Friedberg ein Kreis aus Obergriesbacher Fußballern und deren Anhängern. In dessen Mitte stand Sascha Huber. Laut, schnell und gestenreich redete er auf die Umstehenden ein, versuchte, hängende Köpfe zu heben und diejenigen mit tränenden Augen zu trösten.

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0:2 hat der SV Obergriesbach gestern sein Aufstiegsspiel gegen den BCA Oberhausen verloren, den Durchmarsch von der B- in die Kreisklasse verpasst. An das, was die Mannschaft erreicht hatte, erinnerte nach dem Schlusspfiff nicht nur Huber im Kreis, sondern auch Sebastian Kinzel. "Wir sind als Aufsteiger Zweiter geworden, das ist Wahnsinn", betonte der Spielertrainer, der merklich um Worte rang, und bedauerte gleichzeitig: "Das ist schade für die Jungs, die sich so viel Mühe gemacht haben." Die Meinung hatten Huber und Kinzel offensichtlich nicht exklusiv. Auch der Obergriesbacher Anhang feierte seine Elf noch weit nach Spielende.
Auch während der Partie hatten die Schlachtenbummler auf dem linken Drittel der Tribüne einen ordentlichen Rabatz veranstaltet. Senioren, Mütter mit Kind auf dem Arm, Jugendliche, alle irgendwie Gelb-Schwarz gekennzeichnet - ob mit Trikots, die vermutlich eine SVO-Mannschaft in den 1980er-Jahren aufgetragen hat, mit Kappen, knallgelben Sonnenbrillen oder Schals. So sahen sie aus wie eine Miniaturausgabe der Dortmunder Südtribüne. Sie schwenkten Papierfähnchen, klatschten, sangen, angeleitet vom Gauklerhut, den zwei Halbstarken und dem Megafon.
Der Vizemeister der A-Klasse Aichach ging ähnlich engagiert ins Spiel, in dem sich beide Teams zunächst eine kleine Kennenlernphase gönnten. Die beendete schließlich Kinzel mit einem lauten "Pling". Das Geräusch, das sein Schuss erzeugte, der nach einer Ecke noch leicht abgefälscht an den Pfosten knallte (18.). Zwei Minuten später nahm der Stürmer 20 Meter vor dem Oberhauser Tor ein langes Anspiel aus vollem Lauf direkt, der Ball zischte über die Latte. Der SVO war nun die spielbestimmende Mannschaft, was allerdings nur kurz anhielt.
Jubel wie Ronaldo
Denn in der Schlussviertelstunde des ersten Durchgangs bot die Partie viel Stückwerk. Die Augsburger näherten sich mit ein paar Freistößen dem Tor an, den gefährlichsten, einen Versuch von Murat Yalap fast von der Grundlinie aus, patschte Schlussmann Florian Hering kurz vor der Pause zur Ecke. Yalap legte sich unmittelbar nach dem Seitenwechsel erneut den Ball zurecht, dieses Mal schlenzte er den Freistoß aus halbrechter Position halbhoch an den Fünfmeterraum. Dort fand er Spielertrainer Stephan Wiedemann, der den Ball über die Linie drückte, um anschließend wie Cristiano Ronaldo über das 1:0 zu jubeln.
Das Gegentor wirkte auf die Spieler in Gelb, als hätte ihnen jemand den Getränkewagen, den zwei Burschen um den Platz schoben, an die Füße gebunden. Ohnehin, vermutet Kinzel, sei die Anspannung vielleicht etwas zu hoch gewesen bei seiner Mannschaft. Ungewöhnlich viele Fehlpässe habe sie gespielt und "in der Mitte hat uns der Zugriff gefehlt". Das erklärt er sich auch damit, dass Markus Asam mit Magenkrämpfen spielte und Severin Willer nach 55 Minuten vom Platz musste, weil er unglücklich auf die Schulter gefallen war.
Spätestens jetzt fehlten dem SVO die Ideen. Zumal Kinzel abgemeldet war. "Nummer vier und Nummer 22 sind mir nur hinterhergelaufen. Das hat ja mit Fußball schon nichts mehr zu tun", klagte der Toptorjäger. Dennoch spiegelte es das clevere Vorgehen der Oberhausener wider, die irgendwie abgeklärter und strukturierter wirkten. Doch auch sie hatten letztlich keine nennenswerten Torgelegenheiten. Bis Emre Okuyucu einen klugen Pass in die Schnittstelle der SVO-Abwehr spielte und Thomas Süß die Träume der Mini-Süd und ihrer Mannschaft wie eine Seifenblase zerplatzen ließ. Als wolle er mit der Nadel extra langsam und genussvoll in diese Blase eindringen, chippte Süß den Ball filigran zum 2:0 über Hering hinweg.
Dass der Sieg letztlich verdient war, anerkannte auch Kinzel. "Das war nach Tandern unser bester Gegner in dieser Saison", lobte er, um zugleich eine Kampfansage an die A-Klasse Aichach der kommenden Spielzeit zu senden: "Da greifen wir wieder an. Feuer frei." Dem Langen mit dem Gauklerhut und seine Kompagnons wird das nur allzu Recht sein.
SV Obergriesbach: Hering - Weiß, Gareri, Seyfried (85. Huber), Nodlbichler - Asam, Willer (55. Häusler), Schickinger, J. Fischer (55. Eisner) - Kinzel, Ostermaier.
Tore: 0:1 Wiedemann (48.), 0:2 Süß (85.) - Schiedsrichter: Deak (Rain) - Zuschauer: 786 zahlende.

Von David Libossek
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Veröffentlicht am 03.06.2019 12:00 Uhr




 

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