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Kanca rotiert

Pipinsried - Vor dem heutigen ersten Bayernliga-Heimspiel der Saison 2015/16 gegen die DJK Vilzing (Anpfiff: 18.30 Uhr) war die rassistische Beleidigung Serge Yohouas in Kottern weiterhin ein großes Thema in Pipinsried. Präsident Konrad Höß spricht von "Verharmlosung", die von Kotterner Seite betrieben werde. Er hätte sich klare Worte auf der Pressekonferenz gewünscht, die dem Spiel zwischen dem TSV Kottern und dem FC Pipinsried folgte. Dass sein Trainer Ömer Kanca dabei stattdessen von Kotterner Zuschauern ausgebuht und ausgepfiffen worden ist, findet Höß "unerträglich". Der Pipinsrieder Boss will nun die Presse-Berichte an den BFV-Präsidenten Dr. Rainer Koch schicken. "Mal sehen, was der dazu sagt", schiebt Höß drohend hinterher. Bekanntlich positioniert sich der Bayerische Fußballverband schon seit Jahren deutlich gegen Rassismus.


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Immer wieder gute Chancen erarbeitete sich FCP-Stürmer Manuel Eisgruber am Samstag - nur das Abschlussglück fehlte. Foto: Horst Kramer


Der Pipinsrieder Oberhäuptling ärgert sich mächtig über die Vorfälle im Allgäu, ebenso wie übrigens Kanca. Wobei der kickende Coach vornehmlich das Sportliche im Auge hat. Zum Beispiel das späte Gegentor, bei dem FCP-Schlussmann Giorgios Blantis keine gute Figur gemacht hatte. "Blantis hatte bis dahin hervorragend gehalten. Dass er den Ball zum 1:1 unterläuft, ist bitter für ihn." Auf die Frage, ob mit der Aufstellung des jungen Griechen schon eine Vorentscheidung in Sachen Nummer eins gefallen sei, antwortet der 24-Jährige diplomatisch: "Ich habe mit Kevin Maschke gesprochen. Er wird seine Chance erhalten." Höß geht fest davon aus, dass der langjährige Rainer schon heute Abend zwischen den Pfosten stehen wird.
Apropos Rain: Von den Lechstädtern (die mit einer deftigen 0:4-Niederlage in Buchbach in die Regionalliga starteten) hat Höß weder in Sachen Giovanni Goia noch in Sachen Christian Doll etwas gehört. Die Süddeutsche Zeitung meldete gestern, dass der TSV den Pipinsrieder Goalgetter als Nachfolger des nach Adelzhausen abgewanderten Sebastian Kinzel verpflichten wolle. Höß weiß davon nichts. Im Gegenteil, Doll habe ihm gegenüber betont, so Höß, dass er "auf gar keinen Fall" in vertragliche Auseinandersetzungen gezogen werden wolle, so wie jetzt Goia und Max Zischler. Höß hatte beiden in der vergangenen Woche Abmahnungen geschickt (wir berichteten). Daraufhin hat sich Zischlers Anwalt bei Höß gemeldet und angekündigt, dass sein Mandant nichts zahlen werde, berichtet der FCP-Präsident. Höß gibt sich kämpferisch: "Jetzt geht es vors Gericht." Er rechnet mit einem Verhandlungstermin frühestens im September.
Doll durfte die Fahrt nach Kottern am vergangenen Samstag zwar nicht mitmachen, heute wird der Torjäger aber zumindest auf der Bank sitzen. Eventuell kommt er für Manuel Eisgruber im Laufe der Partie zum Einsatz, der am Samstag mehrfach den Sieg auf dem Schlappen hatte. Kanca hat jedenfalls "einige Veränderungen" angekündigt. So wird Markus Achatz statt Philip Grahammer als Innenverteidiger agieren - der frühere Brucker fehlte beim montäglichen Training und ist damit automatisch draußen. An der Achse Herzig-Heinzinger-Kubica-Yohoua wird Kanca wohl nichts ändern, schon weil ihm die Alternativen fehlen.
Vielleicht übte deshalb am Montag erneut Thomas Schreiner mit (2012 schon einmal kurzzeitig beim FCP) sowie ein Außenverteidiger aus dem Allgäu (aber nicht aus Kottern). Ebenfalls mit von der Partie: Marco Krammel. Höß führte das angekündigte Gespräch mit Krammels Vater (wir berichteten). Ergebnislos. Es ging wohl weniger um eine Auflösung des bestehenden Vertrags, sondern ums liebe Geld. Ein Thema, bei dem der Pipinsrieder Zampano bekanntlich schnell die Lust verliert. Fakt ist: Krammel ist weiterhin nicht spielberechtigt, da er über keinen gültigen Spielerpass verfügt. Für Kanca ist der begabte Defensivmann daher kein Thema.
Was durchaus bedauerlich ist. Zumal der Pipinsrieder Übungsleiter die Oberpfälzer für spielerisch stärker als die Allgäuer hält: "Sie verfügen über sehr schnelle und technisch starke Außen." Vermutlich meint Kanca Michael Hamberger, Tobias Kordick und Markus Dietl. Im vergangenen November sorgte das Trio für einigen Wirbel beim letzten Aufeinandertreffen beider Klubs (1:1). Dietl war es auch, der den damaligen Ausgleich der Hausherren durch einen verzinkten Freistoß einleitete. Am vergangenen Freitag hämmerte der DJK-Spezialist für die ruhenden Bälle einen 25-Meter-Freistoß in der Schlussminute ins lange Eck und bescherte seinen Kameraden drei Punkte gegen den Aufsteiger SV Erlbach. Kanca ist gewarnt, er weiß: "Die Standards entscheiden. Wir müssen bis zur letzten Sekunde konzentriert bleiben."
Bei den Oberpfälzern hat sich in der neuen Saison wenig geändert. Bis auf den Trainer: Für den zurückgetretenen Sepp Beller haben die DJK-Verantwortlichen Uli Karmann vom Liga-Konkurrenten SpVgg Hankofen-Hailing verpflichtet. Ihren Kader stärkten die Oberpfälzer mit Benedikt Schmid; der 24-jährige Offensivmann sammelte beim SSV Jahn Regensburg schon Drittliga-Erfahrung (29 Spiele). Kuriosität am Rande: In den DJK-Reihen tummeln sich zwei Spieler namens Matthias Graf. Der eine, ein 27-Jähriger, arbeitet seit zwei Jahren als Verteidiger im Chamer Ortsteil. Der andere, ein 22-Jähriger, hat sein Wirkungsfeld ein paar Meter weiter vorne, er wechselte kürzlich vom Landesligisten ASV Burglengenfeld nach Vilzing.

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 22.07.2015 12:00 Uhr