Fußball    

Titel rückt für FCP in weite Ferne

Pullach - Christian Doll hätte die Bayernliga-Meisterschaft noch einmal richtig spannend machen können: Sekunden vor dem Abpfiff nahm der Pipinsrieder Torjäger einen Lupfer von Arthur Kubica mit der Brust an, zog aus zwölf Metern ab - allerdings genau in die Arme von Pullachs Schlussmann Sandro Volz. So blieb es beim 1:1 (1:1) zwischen dem Tabellenführer SV Pullach und seinem schärfsten Verfolger FC Pipinsried nach den Treffern von Christoph Meissner (32.) und Thomas Berger (40.). Der FCP liegt sieben Spieltage vor Schluss (plus ein Nachholspiel) weiterhin sieben Zähler hinter den Isartalern. Die Gelb-Blauen wissen: Meisterschaft und Direktaufstieg können sie nur noch schaffen, wenn die Gelb-Schwarzen in der Schlussphase der Liga mindestens zweimal stolpern.


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Das 1:0 durch Christoph Meißner (halb verdeckt hinter Orhan Akkurt, Nr. 9): Der Ball segelte zwischen Philip Grahammer (Nr. 4) und Maximilain Zischler (Nr. 6) durch die Mauer. Der in den FCP-Kasten zurückgekehrte Tobias Antoni streckte sich vergeblich. Fotos: Horst Kramer


Dementsprechend enttäuscht schlichen die Pipinsrieder Kicker nach dem Schlusspfiff vom Platz. Für ihre Feldüberlegenheit und einige wunderschöne Spielzüge können sie sich nichts kaufen. Pipinsrieds Spielertrainer Tobias Strobl gab auch unumwunden zu, "geknickt" zu sein. Sein Pullacher Kollege, Ex-Hertha- und HSV-Profi Frank Schmöller, wehrte indes Meisterschaftsgratulationen ab: "In den nächsten Wochen kann noch viel geschehen."
Die Partie lief wie Strobl erwartet hatte: Seine Truppe übernahm von Anfang an die Initiative, Schmöllers Mannen zogen sich hinter die Mittellinie zurück und warteten ab. Der frühere Aichacher Alexander Benede dirigierte clever die Abwehrreihen der "Raben". Der FCP-Coach hatte dieselbe Elf auf den Rasen geschickt wie eine Woche zuvor. Mit einer wichtigen Ausnahme: Tobias Antoni hütete wieder den Kasten. Eine kluge Maßnahme, wie sich herausstellen sollte. Der 1,91-Mann gab seinen Vorderleuten Ruhe und Sicherheit.
Vor Antoni agierte eine Viererkette mit Finkenzeller, Grahammer, Schuster und Götz. Der Trainer gab dazu einen sehr defensiven Sechser, der manchmal sogar zum Sonderbewacher für Puchheims gefürchteten Angreifer Orhan Akkurt mutierte. Max Zischler rückte dafür nach vorne, so dass es im vorderen Mittelfeld mit ihm, Sebastian Fischer und Arthur Kubica etwas eng wurde. Fischer blieb blass, im Gegensatz zu Kubica. Der 24-Jährige hatte einen Sahne-Tag erwischt, war der auffälligste Mann auf dem Platz. Dennoch dauerte es fast 20 Minuten, bis es vor dem Pullacher Kasten dank eines Kopfballs von Christian Doll erstmals brenzlig wurde.
Die Hausherren lauerten derweil auf Pipinsrieder Fehler und hofften auf ruhende Bälle. Beides erfüllten ihnen ihre Gäste: Nach einem Ballverlust im Mittelfeld brachte Strobl den besten Kicker der Gäste, Maximilian Schuster, an der Strafraumgrenze zu Fall - ein Geschenk für Pullachs Freistoßspezialisten Christoph Meißner. Das noch dadurch begünstigt wurde, dass ihm Philip Grahammer eine Lücke in der Fünf-Mann-Mauer öffnete: Der Ball schlug unten rechts ein, Antoni wäre fast noch dran gewesen (1:0, 32.).
Der FCP rang kurz nach Luft, antwortete dann aber durch eine feine Kombination über Fischer, Doll und Kubica. Der Edeltechniker schlenzte das Leder zum völlig freien Thomas Berger, der frühere Gerolfinger hielt den Kopf hin (1:1, 40.). Kubica war es auch, der vor der Pause fast noch nachgelegt hätte (44.).
Nach dem Seitenwechsel zerfaserte das Match zunehmend, Abspielfehler häuften sich. Vor allem durch Strobl. Der 27-Jährige meinte daher auch hinterher: "Das war eines der Spiele, bei der einem die Doppelbelastung als Trainer und Spieler fast zu viel wird." So musste Antoni nach einem Strobl-Fehlpass gegen den durchgebrochenen Akkurt retten (51.). Zehn Minuten vor Schluss dasselbe Duell: Philip Grahammer unterlief eine Flanke, Akkurt zog aus sieben Metern ab, Antoni riss gerade noch die Arme hoch (80.). "Den macht Orhan normalerweise im Schlaf", kommentierte Schmöller ungläubig.
Nach 65 Minuten kam Serge Yohoua für Fischer und hatte gleich eine gute Chance, als er eine Finkenzeller-Flanke per Kopf haarscharf neben den rechten Pfosten setzte (69.). Viel brachte der grippegeschwächte Ivorer danach nicht mehr zustande. Strobls zweiter Wechsel: Ruben Popa für den erschöpften, weil fleißigen Berger, brachte noch weniger (70).
Dennoch war wohl ein Großteil der über 600 Zuschauer, darunter viel Prominenz vom Ex-BCA-Präsidenten Volker Weingartner bis zu Rains Übungsleiter Jürgen Steib, mit der Qualität des Spiels zufrieden. Ob die Pullacher überhaupt für die Regionalliga melden, ist weiterhin offen. Sie sind immer noch auf der Suche nach einer Spielstätte: Außer Heimstetten und Unterhaching (wir berichteten) ist mittlerweile auch die Arena des SC Fürstenfeldbruck im Gespräch.
Für den FCP steht am Mittwoch schon ein weiteres vorentscheidendes Match an: Um 18 Uhr ist der TSV Rain zu Gast, der durch einen 11:0-Sieg in Haching nun mit den Pipinsriedern punktemäßig gleich gezogen hat.
SV Pullach: Volz - Purschke, Königer, Benede, Meißner - Heckel, Dinkelbach - Schuster (70. Wolf-Weisbrod), Balkan (59. Beierkuhnlein), Roth - Akkurt.
FC Pipinsried: Antoni - Finkenzeller, Grahammer, Schuster, Götz - Strobl (88. Adriano-wytsch) - Berger (70. Popa), Fischer (65. Yohoua), Zischler, Kubica - Doll.
Tore: 1:0 Meißner (32.), 1:1 Berger (40.) - SR: Huber (Bogen) - Z: 600 - Gelb: Meißner, Heckel - Grahammer, Schuster, Götz.

Von Horst Kramer

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Bereitet gerade das 1:1 vor: Arthur Kubica. SVP-Kapitän Richard Heckel (links) und Kollege Alexander Benede können nur hinterher schauen.



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Veröffentlicht am 13.04.2015 12:00 Uhr