Basketball    

Rückzug stand im Raum

Aichach - "Die Mannschaft will es probieren, also bleiben wir in der Liga", sagt Konstantin Dwaliawili, Abteilungsleiter der Aichacher Basketballer. Denn bis vor kurzem stand sogar ein freiwilliger Rückzug aus der Bezirksliga und ein Neustart in der untersten Spielklasse, der Bezirksklasse, im Raum, wie er und Trainer Marius Stancu freimütig einräumten. Der Grund für derlei Überlegungen waren drei kurzfristige Spielerabgänge: Henoch Nya-Ekombo, Benedikt Herz und Philipp Kolb, die die Aichacher fest eingeplant hatten, werfen künftig auf Königsbrunner Körbe. "Sie sind ein schwerer Verlust", klagt Stancu. "Die Abgänge sind schwierig zu kompensieren", fügt Dwaliawili hinzu. Nya-Ekombo, Kolb und Herz waren in der vergangenen Saison drei von sechs Aichacher Spielern, die weit über die 100-Punkte-Grenze kamen. Spielmacher Nya Ekombo war mit 220 Zählern gar erfolgreichster TSV-Werfer.


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Ohne Henoch Nya-Ekombo müssen die Basketballer des TSV Aichach in der am Wochenende beginnenden Bezirksliga-Saison auskommen. Der Spielmacher wechselte zusammen mit Philipp Kolb und Benedikt Herz zum Bezirksoberliga-Aufsteiger Königsbrunn. Foto: Siegfried Kerpf


Mit diesem Trio, wäre Dwaliawili überzeugt gewesen, hätte das Team vorne mitspielen können - wie bis zum Corona-bedingten Saisonabbruch im vergangenen März, als die Paarstädter zwei Spieltage vor Schluss nur vier Zähler hinter dem zweiten Aufstiegsplatz lagen. "So aber", macht sich der Abteilungschef nichts vor, "wird es heftig, in der Liga zu bleiben. Es geht ums Überleben!" Mit dem ersten Saisonspiel am kommenden Sonntag (17 Uhr/Turnhalle Grundschule Aichach Nord) gegen den Aufsteiger PSV Ingolstadt beginnt denn auch gleich der Abstiegskampf.
Stancu beschleicht auch noch aus einem anderen Grund ein ungutes Gefühl: Bei den Heimspielen müssen die TSV-Basketballer (vorerst) ohne Zuschauer auskommen. Gut, mal abgesehen von Freunden oder Familienangehörigen, verirrten sich in all den Jahren ohnehin nie viele Besucher in die Sporthalle an der Mozartstraße. Die paar wenigen haben aber der Mannschaft dann doch hin und wieder den Rücken gestärkt. Die Arena in Aichach Nord ist eine Schulsporthalle und fällt somit in den Zuständigkeitsbereich der Stadt. Beispielsweise wären, neben all den anderen Hygienevorschriften, auf der Empore keine Besucher erlaubt. "Die Auflagen sind schwierig zu erfüllen", erklärt Dawaliawili. Deshalb verzichten die Basketballer auch ganz auf Zuschauer.
Bemerkenswert findet Stancu die positive Einstellung seiner Mannschaft, die "sehr schwierige" Saison in der Bezirksliga durchzuziehen: "Sie wollte das unbedingt." Aber die Personaldecke ist dünn, sehr dünn sogar. Mit dem Abgang des Trios büßte das Team des 55-Jährigen nicht nur an Qualität, sondern auch an Quantität ein. Neun Akteure hat Stancu auf seinem Zettel stehen. Die in der vergangenen Saison in der Bezirksklasse spielende zweite Mannschaft wurde von Haus aus erst gar nicht mehr gemeldet. Die, die aus diesem Team übrig geblieben sind, füllen nun die "Erste" auf. Klar, dass innerhalb des Nonetts das Leistungsgefälle groß sein wird. "Für manchen ist der Sprung schon groß", sagt der Rumäne. Spieler wie der Center Thomas Hofmann oder Fabian Wintermeyer brachten es bereits in der vergangenen Saison auf zahlreiche Einsätze in Stancus Team, für Sebastian Fitz, Willi Schieberlein oder Nikita Cuhlebov ist die Bezirksliga hingegen Neuland. Auf Routiniers wie Paul Klobe oder Dwaliawili wird Stancu kaum zurückgreifen können. Klobe hat sich im vorletzten Punktspiel Ende Februar am Knie verletzt, er wird wohl gar nicht mehr auflaufen, Dwaliawili kann aufgrund seiner Hüftprobleme nicht regelmäßig trainieren und spielen. "Deshalb bringt es nichts", sagt er, "vielleicht werde ich aber mal aushelfen."
Wenn Stancu auf sein komplettes Personal in den Spielen zurückgreifen kann, dann ist er guter Dinge, dass es mit dem Klassenerhalt klappt. Ansonsten wird es für die Aichacher Basketballer jedoch schwer werden, in der Bezirksliga zu bestehen.
Einen Vorgeschmack in dieser Hinsicht lieferte das Pokalspiel am vergangenen Samstag beim Ligakonkurrenten VfL Buchloe (53:87). Mit Anton Oksche, Kirill Klein und Alexander Eberlein fehlten Stancu von seiner "Starting Five" gleich einmal drei Leute. Bis zur Halbzeit, bei einem 29:39-Rückstand - zwischenzeitlich betrug dieser zu Beginn des zweiten Viertels zwei Mal nur je vier Zähler (19:23, 27:31) -, reichten dann die Kräfte, ehe das Aichacher Sextett im weiteren Verlauf konditionell abbaute. Wintermeyer (19 Punkte) und Trainersohn Dennis Stancu (14) waren beste TSV-Werfer. Im Bezirkspokal kommt gleich in der ersten Runde das Aus

Von Herbert Walther


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Veröffentlicht am 07.10.2020 16:52 Uhr



 
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