Basketball    

Jede Menge Herz

Aichach - Selbst zwei Tage Abstand waren nicht genug, um die Emotionen abzubauen, die sich in Marius Stancu am Samstagabend aufgestaut hatten. Dieses nervenaufreibende 79:72 der Aichacher Basketballer bei der Zweitvertretung des TSV Nördlingen, Tabellendritter der Bezirksliga, wirkte auch gestern noch spürbar nach. "Spannung pur, ein super Spiel", sparte Stancu nicht mit Superlativen, ehe er nach einem hörbaren Durchschnaufen nachlegte: "Es war einfach geil."


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Führungsfigur: Benedikt Herz war nicht nur wegen seiner 26 Punkte überragender Aichacher Akteur in Nördlingen Foto: S. Kerpf


Das begeisternde Basketballspiel, in dem es lange verdammt eng herging, entschied ein Aichacher Konter in der 39. Minute. Benedikt Herz hatte sich aus der eigenen Hälfte auf den Weg gemacht und drückte den Ball per Dunking durch den Ring - obwohl ein Verteidiger eng bei ihm war. "Es sah fast aus wie in der NBA", verglich der Trainer die Szene gar mit der nordamerikanischen Profiliga. Obwohl Nördlingen noch einen Dreier folgen ließ, war dieses 74:69 gleichbedeutend mit Aichachs Auswärtssieg. Denn der wuchtige Abschluss, mit dem Herz gepunktet hatte, verlieh seinem Team den nötigen Schub, um die Schlussphase zu überstehen. Gleichzeitig hatten die Gastgeber merklich daran zu knabbern.
Nicht nur wegen seines Dunks war Herz der herausragende Akteur. 26 Punkte erzielte er insgesamt, sein Trainer adelte ihn zudem dafür, dass er seine Mitspieler mitzieht. "Er ist ein starker Center, der eine positive Einstellung hat, durch die er die anderen motiviert. Ich bin froh, dass ich ihn habe." Zumal Herz mit seinen Treffern auffing, dass Aichachs eigentlicher Punktegarant, Alex Eberlein, schwer ins Spiel fand. Ebenso kompensierte er mit seiner vorzüglichen Vorstellung, dass Philipp Kolb wegen Problemen am Fuß nur eingeschränkt agieren konnte.
"Samstagabend ist eigentlich Partyzeit"
So hatte Herz auch großen Anteil daran, dass Aichach seinen Fehlstart rechtzeitig bremsen konnte. Denn die Partie hatte mit einem 0:8-Lauf begonnen. "Ich vermute, dass hatte mit der ungewohnten Spielzeit am Samstagabend zu tun", kommentierte Stancu scherzhaft: "Da ist eigentlich Partyzeit." Wobei seine Spieler eher langweilige Gäste wären, würden sie auf Feiern ähnlich schläfrig auftreten. "Wir haben die Anfangsphase total verpennt, waren sehr unkonzentriert", schimpft der 55-Jährige. Bis eben Herz die Mannschaft wachrüttelte, indem er in Minute acht und neun im Alleingang per 8:0-Lauf auf 12:13 aus Aichacher Sicht verkürzte.
Auch wenn Nördlingen das Auftakt-Viertel letztlich 15:14 gewann, die Gäste waren nun drin im Spiel. Zur Pause hieß es 31:31, nach 29 Minuten 51:51. Dann aber legte Aichach bis zur Sirene eine 7:0-Serie hin, so dass nach dem dritten Durchgang eine 58:51-Führung auf der Anzeigetafel stand. Doch erwies sich der Lauf keinesfalls als vorentscheidend. Denn plötzlich häuften sich bei den Aichachern die Fehlpässe, die Hausherren drehten die Partie, lagen drei Minuten vor dem Ende 67:64 vorne. Wer weiß, was geschehen wäre, hätte Nördlingens Christopher Geyer zu diesem Zeitpunkt nicht seine beiden Freiwürfe vergeben.
Auf der Gegenseite verzichtete Stancu nun auf Wechsel, beließ seine Startformation für die Endphase auf dem Parkett. Und wurde belohnt: "Sie haben gekämpft wie die Löwen", lobte der Coach seine Spieler. Herz von der Freiwurflinie, Henoch Nya-Ekombo per Dreier und Denis Stancu mit zwei Punkten plus erfolgreichem Zusatz-Freiwurf - er war in der Aktion gefoult worden - stellten auf 72:67. Dann stopfte Herz den Ball durch den Ring. Nördlingen konterte zwar mit einem Drei-Punkte-Wurf, doch ansonsten ließen aufopferungsvoll verteidigende Aichacher nichts mehr zu, machten mit drei von sechs verwandelten Freiwürfen den 79:72-Endstand klar und feierten schließlich doch noch eine Party. Am kommenden Wochenende treten die Paarstädter zur schweren Auswärtsaufgabe in Diedorf an - es ist wieder ein Samstagabendspiel.
TSV Aichach: Eberlein (14), Herz (26), Kolb (3), Hofmann (2), Klein (12), Nya-Ekombo (11), Oksche (2), Denis Stancu (9), Wintermeyer.

Von David Libossek


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Veröffentlicht am 10.02.2020 18:04 Uhr



 
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