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Basketballer des TSV Aichach: Stancu nimmt eine Auszeit

Aichach - Marius Stancu unterbricht das Gespräch, bevor es überhaupt begonnen hat. "Es gibt da eine kleine Änderung", merkt der Trainer der Basketballer des TSV Aichach an. Doch eine Nuance ist das, was Stancu gleich verkünden wird, keinesfalls. "Ich setze mich kurz zur Ruhe", fährt der Trainer nämlich fort. Das kommt vor allem plötzlich: Bereits am Sonntag beginnt für den TSV die neue Saison in der Bezirksliga.


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Braucht eine Pause: Marius Stancu zieht sich für unbestimmte Zeit als Basketballtrainer des TSV Aichach zurück. Foto: Siegfried Kerpf


Stancu habe "lange überlegt", betont er. Jedes Wort kommt ihm jetzt schwer über die Lippen. Mehr als 15 Jahre lang hat er die Basketballer betreut. "Seine Familie", nennt er die Mannschaft, die Spieler seien "wie seine eigenen Kinder". Nun aber will der 53-Jährige Zeit haben für seine andere, seine leibliche Familie. Stancu möchte als Opa da sein, seine Tochter hat gerade ihre zweite Tochter bekommen. Und beruflich sei er derzeit derart eingespannt, dass er häufig zu spät zu den Trainings kam, sagt Stancu: "Ich will die Jungs nicht reinquetschen."
Die Entscheidung habe sich zwar angekündigt, Stancu sie der Mannschaft gegenüber bereits angedeutet; endgültig wurde der Entschluss jedoch "eigentlich zu kurzfristig", räumt Stancu ein. Die Trennung zu realisieren, fiel ihm schlicht zu schwer - "und wie", seufzt er. Bereits am Sonntag empfängt der TSV zu seinem ersten Spiel in der Bezirksligasaison den TSV Haunstetten, Absteiger aus der Bezirksoberliga.
Dass er das Team in guten Händen weiß, hat Stancu mitunter zusätzlich darin bekräftigt, den Schritt zu gehen. "Wir haben einen Neuzugang dazubekommen", erzählt der 53-Jährige, "der hat gleich viel mitgeredet." Diese Beiträge waren offenbar derart bereichernd, dass Stancu den Neuen namens Amir Arul zunächst zum Co-Trainer machte - und nun zu seinem Nachfolger.
Der Posten kam für ihn demnach "sehr überraschend", wie Arul, der vor einem Jahr mit seiner Familie nach Sielenbach gezogen ist, lachend kommentiert. Der 37-Jährige "kennt und liebt Basketball seit 25 Jahren", wie er sagt, und wollte daher auch in der neuen Heimat spielen. Zunächst trainierte er mit den Senioren des TSV, erst vor einem Monat stieg er in die Übungseinheiten der Herren ein.
Der gebürtige Münchner lernte zunächst in der Jugend des FC Bayern, später bei Jahn München das Basketballspielen. Dann wandte er sich dem Streetball zu - und wurde zwei Mal deutscher Meister. "Dann haben mich Verletzungen ausgeschaltet", erzählt Arul. Selbst auf dem Parkett stehen möchte er in Aichach nur, "wenn's die Situation verlangt. Und das ist hoffentlich sehr selten der Fall." Arul wolle "den Blick von draußen haben, um mein klares Ziel besser beeinflussen zu können".
Klingt ambitioniert - ist es auch: "Wir steigen auf", schießt es aus dem Neo-Coach heraus, klingt aber gleichzeitig so beiläufig, als wäre es eine unumgängliche Selbstverständlichkeit. Die Stärke der Konkurrenz sei ihm bewusst, ebenso, dass der TSV im Vorjahr lediglich Fünfter wurde und dabei die zweitschwächste Defensive der Liga stellte. "Aber die Jungs haben was drauf", ist er überzeugt. "Viel Neues" kündigt Arul zudem an, nicht auf den Kader bezogen, sondern "auf einen sehr frischen Teamgedanken."
In der Halle der Volksschule Aichach Nord wird das am Sonntag ab 17 Uhr zu beobachten sein. Freilich ist dann auch Stancu dabei, mit den Enkeltöchtern will er die Mannschaft anfeuern, sagt er. "Der Basketball", fügt Stancu an, "war immer mein Leben."

Von David Libossek


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Veröffentlicht am 12.10.2018 10:13 Uhr



 
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