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"Nur über meine Leiche"

Pipinsried - Konrad Höß geht auf Konfrontationskurs mit seinem Leitenden Angestellten - und das wenige Tage vor der Relegation zur Regionalliga. Grund für den aufbrausenden FCP-Präsidenten ist eine Aussage, die Tobias Strobl am Samstag nach dem 0:2 gegen den VfB Eichstätt über die Lippen kam: "Zischler, Strobl, Fischer - das ist einer zu viel." Dieser Satz lässt durchaus Raum für die Interpretation, dass der Spielertrainer (zusammen mit seinem Assistenten Maximilian Zischler) über diese Saison hinaus keinen Wert mehr auf die Dienste Sebastian Fischers legt.


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Während sich seine Mannschaft gerade immer mehr vom Regionalligastandard entfernt, trimmt FCP-Präsident Konrad Höß seine Anlage auf Viertliganiveau. Wo ehedem hinter dem Zaun gen Norden eine Hecke stand, können jetzt zwanzig Autos parken.


"Nur über meine Leiche", polterte Höß am Montagvormittag zur Spekulation, der FCP werde sich nach dieser Spielzeit von Fischer trennen. "Fischer ist einer meiner besten Spieler, der noch dazu aus der Region kommt; ich werde nie zulassen, dass er aussortiert wird." Als der Eurasburger zur Frühjahrsrunde 2014 von Rain an die Reichertshausener Straße gekommen sei, sei es mit dem FCP erst richtig aufwärts gegangen. Höß verweist auch darauf, dass Fischer der Erste gewesen sei, der für die neue Saison unterschrieben habe - und das, ohne auch nur die kleinste Forderung zu stellen. In der Konsequenz sieht er sich gefordert, seine Vorarbeiter in dieser Personalie "energisch" in die Schranken zu weisen.
Sebastian Fischer ist zurzeit ein bisschen verzweifelt. "Ich will wissen, was ich falsch gemacht habe", sagte der 27-Jährige gestern Nachmittag am Telefon. Die Antwort darauf ist ihm Strobl (war am Montag nicht zu erreichen) bisher schuldig geblieben. "Wenn ich ihm zu schlecht bin, soll er ehrlich sein und es mir sagen", findet Fischer. Auch kann er Strobls Einlassung von wegen "einer zu viel" (im Mittelfeld) nicht nachvollziehen. Schließlich habe er, Fischer, die meiste Zeit hinter den Spitzen agiert, während Strobl und Zischler die Doppelsechs gaben. Nur wenn Zischler in der Innenverteidigung gebraucht wurde, sei er neben Strobl ins defensive Mittelfeld gerückt.
Dass er "offen und ehrlich" erklärt habe, lieber in der Bayernliga weiterspielen zu wollen als in der Regionalliga, das könne doch der Grund für seine Degradierung nicht sein. Fischer macht kein Hehl daraus, dass ihm die Regionalliga eigentlich zu zeitaufwändig ist. Als Zimmerermeister ist er in der Firma seines Vaters beschäftigt, die er in ein paar Jahren übernehmen wird. Nebenbei, sinniert er, reichten zwei Mal Training pro Woche, wie beim Dorfklub praktiziert, ohnehin kaum aus, um in der vierthöchsten Spielklasse zu bestehen. Trotz seiner Bedenken, stellt Fischer klar, hätte er indes bei einem Aufstieg weitergespielt.
Auch Tobias Antoni hatte der Trainer aus für den Torhüter unerfindlichen Gründen für drei Begegnungen aus dem Kasten genommen. Inzwischen steht Antoni (wie Fischer mäßig begeistert von einem Aufstieg) zwar wieder zwischen den Pfosten, aber der Frust ob der Verbannung sitzt bei einem der besten Bayernliga-Keeper tief. Nichts anderes ist aus seinem Wechsel zu Schwaben Augsburg herauszulesen.
Sebastian Fischer grübelt seit Längerem, warum ihn Strobl in letzter Zeit - wie er sagt "wegen nix und wieder nix" - immer häufiger aufs Abstellgleis geschoben hat. In der Hinrunde, in der es super lief, hatte er noch jedes Spiel bestritten. In der Vorbereitung auf die Frühjahrsrunde war er zwei Wochen krank. Aber das könne doch nicht der Grund sein, sich immer öfter auf der Bank wiederzufinden, meint Fischer, "andere waren ja auch nicht immer da".
Am heftigsten gekränkt war Sebastian Fischer, als ihn Strobl im ersten Spiel gegen Rain in Pipinsried (0:0) draußen darben ließ. Die Auseinandersetzung mit seinem Ex-Klub sollte für ihn zum bisherigen Saisonhöhepunkt werden. Und dann musste der Meister des ruhenden Balles neunzig Minuten zuschauen. "Das war eine brutale Enttäuschung", sagt er.
Fischer kommt sich in diesen Tagen ein bisschen vor wie der Mario Götze des FC Pipnsried. Wenn im Fernsehen über den von Guardiola missachteten Bayern-Spieler geredet werde, hörte es sich an, als würde Fischers Geschichte erzählt, empfindet dessen Freundin.
Sebastian Fischer macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. "Ich bin zurzeit richtig angefressen." Wie es weitergeht, vermag er nicht zu sagen. Nur soviel: "So wird es bestimmt nicht weitergehen." Gibt's demnach die baldige Rückkehr zu seinem Heimatverein BC Adelzhausen, sollte sich sein offensichtliches gestörtes Verhältnis zum Trainer nicht einmal mehr durch den Vermittler Konrad Höß wieder einrenken lassen? Fischer hält sich in dieser Sache bedeckt, gesteht aber wenigstens, irgendwann wieder in Adelzhausen spielen zu wollen. Am Sonntag war er am Römerweg Augenzeuge des Adelzhausener Aufstiegstriumphs.
Was eine Berücksichtigung in der FCP-Startelf am Pfingstsamstag in Schwabmünchen angeht, hat Fischer schlechte Karten. Denn in dieser Woche fehlt er bei beiden Übungsstunden. Ausgerechnet am Dienstag und Donnerstag treten AC/DC im Olympiastadion auf, Für beide Konzerte hat Fischer Tickets. Was sein Lieblingsklub Arsenal für ihn im Fußball, ist die australische Band für ihn in der Rockmusik.
Konrad Höß wird sich das FCP-Punktspielfinale schenken. Stattdessen beobachtet er im Regionalligaderby zwischen Garching und Heimstetten einen der potenziellen Pipinsrieder Widersacher in der Relegation. Wobei der Präsident die Chancen auf den Aufstieg mit den zuletzt gezeigten Leistungen immer mehr schwinden sieht. "Wie wir uns gegen Eichstätt angestellt haben, würden wir in der Bayernliga gegen den Abstieg spielen", räsoniert er, "wir haben nicht mehr die Klasse der Vorrunde, da fehlt es weit - in der Defensive große Probleme, nach vorne kein Tempo."
Der FCP, so scheint es, nimmt sich seine spielerische Krise zur unpassendsten Zeit. Wer hätte es sich im Winter albträumen lassen, dass die Gelb-Blauen einen Durchgang vor Saisonende acht Punkte Rückstand auf Rain haben würden. Nach der Herbstrunde lagen sie noch acht Zähler vor dem frisch gebackenen Meister. Nichtberücksichtigung im ersten Rain-Spiel hat Sebastian Fischer am meisten gekränkt

Von Heribert Oberhauser

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In Rain durfte Sebastian Fischer (rechts, attackiert von Fabian Triebel) 72 Minuten mitspielen, dafür darbte er vorher in Pipinsried gegen seinen Ex-Klub auf der Bank. Darüber war der 27-Jährige "brutal enttäuscht". Fotos. Horst Kramer



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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:14 Uhr




 

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