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FCP zum großen Finale nach Rain

Pipinsried - Heute fällt die Entscheidung, wenn sich ab 18 Uhr der TSV Rain und der FC Pipinsried im Georg-Weber-Stadion begegnen: Die Kicker aus dem Dachauer Hinterland (68 Punkte) müssen unbedingt gewinnen, um sich den Traum vom Direktaufstieg in die Regionalliga zu erfüllen. Wenn die Lechstädter (70) hingegen drei oder auch nur einen Zähler holen, ist die Messe wohl gelesen. Mit anderen Worten: Heute geht das große Bayernliga-Finale über die Bühne.


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Pipinsrieds bester Schütze ruhender Bälle, Sebastian Fischer, winkte am Sonntag ab, als ihn Strobl zum Penalty beordern wollte. Foto: hok


Unter Vorzeichen, die niemand vor zwei Wochen erwartet hätte: Damals begegneten sich die Teams auf Augenhöhe, beide punktgleich hinter dem (noch) souveränen Tabellenführer SV Pullach. Mit dem 0:0 vertagten die Truppen der Trainer Tobias Strobl und Jürgen Steib die Entscheidung. Seitdem veränderte sich die (Bayernliga-)Welt dramatisch: Rain triumphierte mit zwei Siegen und 8:1 Toren, während Pipinsried beim 1:1 gegen den TSV Bogen strauchelte. Dass die Pullacher (unverändert 70) nach ihrem Abschied von den Regionalliga-Ambitionen mit zwei Niederlagen und 0:5 Toren komplett aus dem Tritt zu sein scheinen, ist nur noch eine Fußnote Wert.
Die Zuschauer dürfen sich heute auf einen offenen Schlagabtausch freuen. Strobl will und muss angreifen. "Wir haben das letzte Mal gesehen, wo die Schwachstellen des Gegners sind", macht er sich und den Seinen Mut. Steib wiederum wird seinen Mannen auf gar keinen Fall befehlen, sich hinten reinzustellen. Wie er gestern im Gespräch mit der Aichacher Zeitung bekräftigte: "Wir spielen unseren Fußball, egal, wer kommt."
Der Eichstätter weilte am vergangenen Sonntag wieder einmal in Pipinsried. Weniger um den FCP zu studieren ("Die kenne ich ja"), sondern eher, um den Gegner des nächsten Wochenendes, den TSV Bogen, auszuspechten. Steibs Urteil zum Remis: "Pipinsried hatte die besseren Chancen. Es fehlte nur das Quäntchen Glück im Abschluss."
Nicht verborgen blieb Steib freilich der Zwist zwischen Strobl und Sebastian Fischer vor dem ominösen Elfmeter in der 83. Minute: Strobl wies den Eurasburger an, sich das Leder zu schnappen, doch Letzterer winkte unwirsch ab. Die Folgen sind bekannt: Ruben Popa kam, sah und siegte nicht. Der Rainer Coach macht sich seinen eigenen Reim auf das Geschehen - den er aber öffentlich nicht vortragen will.
Sein Kollege Strobl ist des Themas inzwischen leid. Er gibt nur knapp zu Protokoll: "Keine Vorwürfe an Ruben. Er hat Verantwortung übernommen, Respekt." Seine weiteren Personal-Entscheidungen - Wechsel von Arthur Kubica zur Pause, Strobls eigenes Ausscheiden in der 70. Minute - sieht der Hepberger mittlerweile kritisch, doch allzu sehr will er sich nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Von der grundsätzlichen Schelte, die er am Sonntagabend geäußert hat, rückt er allerdings nicht ab: Der Spielertrainer attestierte seinen Schützlingen mangelnde Ernsthaftigkeit, gar Überheblichkeit. "Das sieht man an so kleinen Dingen, wenn Popa zum Beispiel den Ball mit der Hacke stoppt. Derlei brauchen wir nicht." So ganz scheint der Groll über den verfehlten Penalty noch nicht verflogen... Schließlich fasst Strobl zusammen: "Die Gier nach Erfolg fehlt."
Ein Urteil, dem der Präsident des Dorfklubs, Konrad Höß, nur zustimmen kann. Der alte Fußball-Weise, der die Seele von Kickern kennt wie kaum ein anderer ("Der Fußballer ist ein Sauhund"), liefert auch noch gleich eine Erklärung zur Stroblschen Beobachtung: "Bei manchem Spieler reicht es nicht für die Regionalliga, anderen wollen nicht." Wie zum Beispiel Tobias Antoni, der beruflich Fuß fassen muss. Wobei an dessen Befähigung, auch in der vierten Liga die Bälle sicher zu fangen, niemand im Dachauer Hinterland bezweifelt.
Ein anderer Pipinsrieder Akteur kann heute nicht mitmischen: Christian Adrianowytsch. Die mysteriösen Schwindelanfälle des Augsburgers sind wohl nicht auf einen leichten Schlaganfall zurückzuführen, wie letzte Woche in Pipinsried befürchtet wurde. Auch scheinen bei ihm keine Herzprobleme vorzuliegen. Doch welche Krankheit den 1,88-Mann außer Gefecht setzt, ist weiter unklar. "Er hat den Kopf nicht frei, da ist an Sport nicht zu denken", zeigt Strobl Verständnis.
Auch Steib hat Probleme: Mariusz Suszko fällt wegen einer Zerrung aus, ebenso wie Patrick Lemmer, den der Rainer Übungsleiter am letzten Samstag gegen den Sportbund nach 22 Minuten wegen einer Zerrung vom Feld nehmen musste.
In die Karten schauen lassen will sich aber keiner der beiden Taktikfüchse. Ganz im Gegensatz zu Konrad Höß. Er wird sich zwar heute erst kurzfristig entscheiden, ob er sich den Krimi in Rain antut. Aber wenn er fährt, will er selber seinen Teil zur Show beitragen. "Dann besuche ich die Pressekonferenz und unterhalte das Publikum", merkt er schelmisch an. Steibs trockener Kommentar: "Er kann gerne kommen und auch eine Frage stellen. Das war's dann aber auch."

Von Horst Kramer


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:14 Uhr




 

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