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Aichacher Läufer Viktor Reger: Jeden Tag ein Marathon

Oberbernbach - Die Frage bekam Viktor Reger zu Beginn des Jahres häufiger zu hören. Von den neun Kollegen aus seiner Läufergruppe. Von anderen Ultraläufern, denen der Oberbernbacher sein Vorhaben vorstellte. Sie alle fragten nach dem Warum? Warum zum Teufel nur nimmt sich Reger etwas derart Hirnrissiges vor? Etwas, worüber er selbst sagt, dass es aus rein sportlicher und trainingswissenschaftlicher Sicht so gar keinen Sinn ergibt. Jeden Tag im Jahr 2021 möchte Reger laufen. Wetter, Tageszeit, körperliche Verfassung - egal. Und weil der 40-Jährige, der schon mehrtägige 250-Kilometer-Läufe durch diverse Wüsten dieser Welt unternommen hat, immer auf der Suche nach aberwitzig anmutenden Herausforderungen ist, hat er sich Entfernungen in den Kopf gesetzt, die im Mai ihren vorläufigen Gipfel erreichen. "Ich möchte täglich die Marathon-Distanz zurücklegen", kündigt Reger an.


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Viktor Reger. Archivfoto: vr


Nun muss man ja erst einmal auf die Idee kommen. Eine nicht unwesentlich Rolle spielte dabei die Corona-Pandemie: Ursprünglich wollte Reger vergangenen November in Namibia 250 Kilometer durch die Namib zurücklegen. Der Ultralauf mit Hunderten internationalen Teilnehmern fiel aus. Dass der Wettbewerb zum anvisierten Ersatztermin im April startet, hält Reger für unwahrscheinlich. "Also musste ein neuer Reiz her", resümiert er. Jeden Tag zu laufen, klang erst einmal nicht verkehrt. Nächster Schritt: Die Kilometerzahlen monatlich steigern. Fehlte noch das ultimative Ziel. "Ich wollte schon immer einmal tausend Kilometer innerhalb eines Monats zurücklegen", gibt Reger Einblick in seinen Denkprozess: "Aber irgendwie klang das schon wieder so machbar. Also dachte ich: Wie wäre es, jeden Tag die Entfernung eines Marathons zurückzulegen?" 1308 Kilometer. Da war es, das ultimative Ziel.
Im Mai möchte der Oberbernbacher diese Marke knacken. Auf dem Weg dorthin fing er für Reger-Verhältnisse klein an. Im Januar legte er rund 400 Kilometer zurück, jeden Tag um die zehn. Phase zwei begann im Februar. Täglich ein halber Marathon, 21,0975 Kilometer. Dafür steht der Schreiner früh auf, zwischen 6 und 8 Uhr morgens ist er meist auf der Strecke. Oder, in seinen Worten: "Bis es hell wird, eiere ich ohne Stirnlampe irgendwo rum - ich hasse das, in der Früh zu laufen, vor allem zu dieser Jahreszeit." Doch Reger zieht durch - der Irrsinn seiner Ideen verläuft stets direkt proportional zu seiner Hartnäckigkeit. Zuletzt sei es "besonders hässlich gewesen". Minusgrade und teils eisige Winde machten das Laufen vor Sonnenaufgang zu einer eher unangenehmen Angelegenheit. "Gut, dass meine Frau Tatjana bei manchen Läufen dabei ist. Das erleichtert es, sich bei diesen Bedingungen durchzuschlagen", sagt Reger. "Die Autofahrer, die uns auf dem Weg zur Arbeit im Scheinwerferlicht gesehen haben, müssen gedacht haben: Die haben nicht alle Tassen im Schrank." Auch Tatjana Reger arbeitet auf den Mai hin. Dann will sie ihren eigenen Monatsrekord brechen und 600 bis 650 Kilometer zurücklegen.
So viele also, wie Viktor Reger am Ende des Februars auf dem Tacho haben wird. Dass er angesichts dieser Werte nicht auf Geschwindigkeit oder Zeiten achtet, erscheint logisch. Zwei Stunden benötigt er für den Halbmarathon. "Wohlfühl-Tempo" nennt Reger das. "Das Laufen an sich", zieht er eine Zwischenbilanz, "ist zwar nicht einfach, aber machbar. Das größte Problem ist, sich täglich die zwei Stunden freizuschaufeln."
Im März will er die Distanz auf 500 Monatskilometer drosseln, im April will er schließlich Anlauf nehmen. Morgens Halbmarathon, abends ein Zehnkilometerlauf. Im Monat drauf soll das Finale steigen: täglich zwei Halbmarathons. Einen am Morgen, einen am Abend. 1308 Kilometer im Mai, das ultimative Ziel.
Reger verlangt nach derlei Extremen. Und in der Corona-Zeit, in der es nun einmal keinerlei Laufveranstaltungen gibt, muss er sich diese Reize eben selber schaffen. "In der Regel gebe ich mir bei 24-Stunden-Läufen die Kante", sagt er, "aber da steckt halt auch ein Wettbewerb dahinter. Wer läuft schon privat 24 Stunden im Kreis?" Dann schon lieber jeden Tag einen Marathon zurücklegen. "Es muss etwas sein, was für einen selbst im ersten Moment unmöglich erscheint", erklärt Reger seine Motivation. "Es bringt trainingsmäßig sicher nichts. Aber es bringt mir etwas: Es bringt mich weiter im Kopf." "Tausend Kilometer innerhalb eines Monats klangen so machbar"

Von David Libossek

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Eine Wüste wird Viktor Reger (hier in der Sahara, Zweiter von rechts) im Jahr 2021 aufgrund der Corona-Pandemie voraussichtlich nicht durchqueren. Stattdessen möchte er jeden Tag laufen. Foto: privat



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Veröffentlicht am 18.02.2021 09:46 Uhr