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Augsburger Boxerin Tina Rupprecht: In San José auf Schmelings Spuren

Augsburg - Weniger Vanillekipferl. Weniger Kokosflocken. Ein deutlich kleineres Stückchen von der Festtagsgans. Und das alles wegen der aktuellen Corona-Pandemie. Denn genau die ist schuld daran, dass der für den 12. Dezember in Berlin geplante WM-Kampf von Tina Rupprecht nun abgesagt wurde. Beziehungsweise auf den 16. Januar verschoben. Dann wird allerdings nicht mehr in der deutschen Bundeshauptstadt geboxt - sondern in Costa Rica, dem Heimatland von "Tiny Tinas" Herausforderin Yokasta Valle.


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Will in San José bestehen: Tina Rupprecht. Foto: Siegfried Kerpf


Genau wegen dieses neuen Termins muss die WBC-Championesse aus Augsburg heuer eben kürzer treten, was all die feinen Leckereien rund um Weihnachten betrifft. "Aber ganz werde ich gewiss nicht darauf verzichten", verrät Rupprecht mit einem breiten Grinsen im Gesicht und versichert: "Keine Angst, auch mit ein paar Plätzchen und mit etwas Braten zum Fest kann ich mein Kampfgewicht definitiv halten."
Natürlich war die 28-Jährige zunächst einmal traurig darüber, dass es in diesem Kalenderjahr nichts mehr wird mit einem Weltmeisterschaftsfight. Aber hey: San José statt Berlin, Mittelamerika statt Spree-Ufer, warme Trockenzeit unweit des Äquators statt tristes Grau im deutschen Winter - das ist doch kurz nach Silvester ebenfalls nicht zu verachten. "Definitiv nicht", bestätigt Rupprecht, die seit einiger Zeit auch als Botschafterin der Schrobenhausener Aktion "Disco-Fieber" fungiert: "Costa Rica muss ja gerade zu dieser Jahreszeit ausgesprochen schön sein, und sicherheitshalber werde ich auf jeden Fall meinen Badeanzug mit einpacken."
Prompt lächelt "Tiny Tina" wieder: "Schau'n mer einfach mal, was ich dort am Ende tatsächlich an Sightseeing machen kann." Und selbst, wenn überhaupt keine Zeit dafür bleiben würde: auch egal. Hauptsache, sie bleibt in San José im Ring erfolgreich. Nur das zählt für die Schwäbin, denn sie würde damit Boxgeschichte schreiben. WBC-Weltmeisterin im Minimumgewicht ist sie ja schon jetzt, zudem würde sie mit einem Sieg über Valle deren IBF-Gürtel umgehängt bekommen - und der zurzeit vakante IBO-Titel ginge ebenfalls in ihren Besitz über.
Aber damit nicht genug: Am 16. Januar wird es zudem um den "The Ring"-Gürtel gehen - also um jene Auszeichnung, die das in der Boxszene führende "Ring Magazine" nur an die Allerbesten dieser Sportart verleiht. Muhammed Ali etwa war bereits in deren Besitz, Mike Tyson ebenfalls, auch Vitali und Wladimir Klitschko. Rupprecht wäre jedoch die erst zweite Deutsche, die sich diesen insgeheim größten Boxtitel der Geschichte sichern könnte. Vor ihr war dies nur dem unvergessenen Max Schmeling gelungen. Und das ist bereits rund 90 Jahre her (Juni 1930 bis Juni 1932).
In die Fußstapfen dieser Legende treten zu können, das motiviert "Tiny Tina" natürlich zusätzlich. "Ich will gegen Yokasta unbedingt gewinnen - und ich werde gegen sie gewinnen, auch wenn es 'in der Höhle der Löwin' sehr schwer werden dürfte", prognostiziert die Augsburgerin. Dass sie quasi auswärts fighten muss - "es könnte zwar in der Tat ein kleiner Nachteil für mich sein, aber davon lasse ich mich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Wenn ich nicht absolut sicher wäre, dass ich gewinnen kann, hätte ich nie meine Zustimmung für dieses kleine Abenteuer gegeben."
Publikum wird in der Halle der costaricanischen Hauptstadt ebenfalls nicht erlaubt sein, heißblütige Valle-Fans und eine regelrechte Hexenkesselstimmung sind also nicht zu erwarten. Weshalb sich das Management der Mittelamerikanerin dennoch um den Megafight im Minimumgewicht bemühte, weshalb es ihn trotz fehlender Zuschauereinnahmen unbedingt ausrichten möchte? "Wie ich das verstanden habe, will es das Ganze mit Pay-TV-Geldern finanzieren. Derjenige in Costa Rica, der den Kampf im Fernsehen anschauen möchte, muss dafür bezahlen - und anscheinend gibt es hierfür einen großen Markt", sagt Rupprecht.
Wohl rund zehn Tage vor dem Fight wird der Tross der Augsburgerin nach San José fliegen. Neben der Boxerin auf jeden Fall dabei: Cheftrainer Alexander Haan, Manager Schulze sowie ein fähiger "Cutman", der sich im Ring um die Versorgung von eventuellen Wunden, Schwellungen und Nasenbluten bei Rupprecht kümmern soll. "Viel mehr aus meinem Umfeld werden wohl leider nicht dabei sein", berichtet Rupprecht, die zwei ihrer WM-Kämpfe im Sportpark in Kühbach ausgetragen hat. Aber vielleicht bleibt im Gepäck zumindest noch ein bisschen Platz für ein paar Vanillekipferl, die an Weihnachten zu Hause übrig geblieben sind. Die könnte Rupprecht ja voller Genuss im Anschluss an den Fight genießen - unweit des Äquators, dann hoffentlich als dreifache Box-Weltmeisterin sowie stolze Trägerin des legendären "The Ring"-Gürtels.

Von Roland Kaufmann



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Veröffentlicht am 26.11.2020 09:39 Uhr