Kühbach    

Verloren geglaubte Vereinsfahne kehrt heim nach Kühbach

Kühbach - Kriegstrophäen oder Andenken wanderten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf verschiedenen Wegen aus dem besiegten Deutschland Richtung USA oder Russland, darunter Alltagsgegenstände, aber auch echte Kostbarkeiten. Berühmt wurde der Quedlinburger Domschatz, einer der bedeutendsten Kulturschätze Deutschlands im Wert von mehreren hundert Millionen Euro. Er wurde von einem US-Leutnant nach 1945 als "Souvenir" in Backpapier eingewickelt nach Amerika versandt. 1992 kehrten Teile davon nach langem juristischen Tauziehen nach Deutschland zurück.


Aus den USA nach Kühbach
Freudestrahlend präsentieren Kühbachs Bürgermeister Karl-Heinz Kerscher und seine Tochter Lisa die verloren geglaubte Vereinsfahne. Lisa brachte die Fahne aus den USA mit nach Bayern.


Sehr viel länger dauerte es, bis die historische Vereinsfahne der Krieger- und Soldatenkameradschaft Kühbach wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückfand. 76 Jahre lang galt das Banner als verschollen. Am Mittwoch durfte Bürgermeister Karl-Heinz Kerscher die Fahne am Münchner Flughafen persönlich in Empfang nehmen - für ihn ein emotionaler Moment im doppelten Sinne, denn das verloren gegangene Banner brachte ihm seine Tochter Lisa zurück.
Das ist das vorläufige Ende einer unglaublichen Geschichte, an deren Anfang ein Heiliger in einer Pfütze steht. Aber erst mal der Reihe nach.
Im November vergangenen Jahres trudelte eine nicht ganz gewöhnliche E-Mail im Postfach der Gemeinde ein. Absender: die Deutsche Botschaft in Washington. In der Mail informierte der dortige Kulturreferent die Kühbacher darüber, dass die Botschaft im Besitz einer historischen, deutschen Fahne sei. Als rechtmäßige Eigentümer komme der hiesige Kriegerverein infrage. Rathaus-Verwaltung und Kriegerverein waren hellauf begeistert, umso mehr, als sie von der rührenden Story des 74-jährigen Amerikaners Dr. Richard Fleming, erfuhren. Fleming lebt im Süden Washingtons in der Nähe von Kerschers Tochter Lisa, die in den Vereinigten Staaten als Ergotherapeutin arbeitet. In einem Brief, der unserer Redaktion vorliegt, beschreibt Richard Fleming den Fund der Fahne sowie deren Verbleib in den letzten 76 Jahren.
Demnach war Flemings Vater Richard im Zweiten Weltkrieg als Soldat des 45. Division/157. Infanterie Regiments der amerikanischen Armee in Deutschland. Als er kurz vor Kriegsende auf seinem Weg nach München in einem der Orte ein ausgebombtes Haus ohne Dach kontrollierte, sah er die Fahne nach Angaben seines Sohns in einer Pfütze liegen.
Er habe keine Ahnung, was seinen Vater dazu bewogen habe, das Banner zu retten, schreibt der 74-Jährige in seinem Brief. Er vermutet jedoch, dass ihn das aufgestickte Bild des heiligen Georg als Drachentöter fasziniert habe, denn sein Vater sei ein religiöser Mensch gewesen. Der Vater nahm die Fahne also mit in die Vereinigten Staaten.
Jahrzehntelang bewahrte sie der Weltkriegs-Veteran im Keller auf, geschützt durch eine Plastikhülle. Als Flemings Mutter 2000 starb, der Vater wurde bereits 1995 beerdigt, ging die Kriegerfahne in den Besitz des Sohnes über. 20 Jahre behielt Richard Fleming jun. sie bei sich, trotz fünf Umzügen brachte er es nicht übers Herz, sich von der Fahne zu trennen.

Von Thomas Winter



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Veröffentlicht am 11.06.2021 17:29 Uhr