Kühbach    

Bürgermeister verteidigt Strom-Ausschreibung

Kühbach - Die explodierenden Strompreise machen auch vor den Gemeinden nicht halt. Im kommenden Jahr muss Kühbach für seinen Strom über 200 000 Euro bezahlen. Bisher lagen die Kosten bei einem Verbrauch von rund 286 000 kWh bei etwa 14 000 Euro, sprich die Energiekosten verfünfzehnfachen sich. Die Stromkosten der gemeindlichen Gebäude und Einrichtungen steigen damit netto um über 186 000 Euro. "Außerdem kommen noch die Umlagen des Kläranlagenzweckverbandes, des Schulverbands und der Verwaltungsgemeinschaft dazu", sagte Bürgermeister Karl-Heinz Kerscher bei der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstag. Es seien ernüchternde Zahlen, eine Überraschung seien sie allerdings nicht, so Kerscher weiter.


küh-gr-strom_2311_144423233
Einen Stromschock erleben aktuell viele Gemeinden, die sich an der Bündelausschreibung beteiligt haben. Kühbach ergeht es da nicht anders. Für Bürgermeister Karl-Heinz Kerscher ist das kein Grund zur Panik. Foto: pixabay


Der Kühbacher Rathauschef betonte, es sei wichtig, den Bürger in dieser Situation nicht zu verunsichern. Die Entscheidung, an der Bündelausschreibung teilzunehmen, sei richtig gewesen. Zur Erklärung: Wie viele andere Gemeinden, hat auch Kühbach die Firma Kubus GmbH mit der Ausschreibung zur Beschaffung von Strom beauftragt. Die Kommunalberatungsgesellschaft mit Sitz in Schwerin ist ein Unternehmen der kommunalen Spitzenverbände wie dem Bayerischen Gemeindetag und bietet die Teilnahme an Bündelausschreibungen für Strom und Gas an. Ziel ist es, gemeinsam günstigere Preise für die Kommunen zu erzielen.

Vereinbarung war lange gut


Lange fuhren Kommunen mit dieser Vereinbarung gut, stellte Kerscher fest. Nun gingen die Preise für den Zeitraum 2023 bis 2025 aber nach oben - "so wie im privaten und privatwirtschaftlichen Bereich auch", sagte der Bürgermeister und fragte in die Runde: "Oder wer von euch zahlt im kommenden Jahr für Strom weniger als heuer?" In Kühbach bedeutet die Preissteigerung konkret: Musste die die Gemeinde für die Kilowattstunde 2022 noch weniger als fünf Cent berappen, sind es 2023 annähernd 70 Cent pro kWh, 2024 rund 40 Cent und 2025 noch etwa 35 Cent. Viele Bürgermeister und Gemeinderäte, auch im Wittelsbacher Land, stöhnen ob der explosionsartigen Erhöhung laut auf.
Einige planen gar rechtliche Schritte - und das, obwohl man mit der Entscheidung für die Teilnahme an einer Bündelausschreibung vertraglich an ihr Ergebnis gebunden ist und es wohl kaum Chancen gibt, sich aus der Vertragsbindung heraus zu klagen. In diesen großen Aufschrei wolle er nicht einstimmen, machte Karl-Heinz Kerscher deutlich. Die Gemeinde sei mit der Bündelausschreibung gut aufgestellt - außerdem, so Kerscher, gebe es keine Alternative.

Hausaufgaben gemacht


"Wir können unseren Strom nicht wie Aichach selber ausschreiben", warb Kerscher um Verständnis, dazu fehle Kühbach die Manpower, sprich das Personal. "Außerdem würden wir als so kleine Gemeinde wohl auch keine Angebote bekommen." Deshalb sei es falsch im Zusammenhang mit der Bündelausschreibung davon zu sprechen, man sei der Firma Kubus "ausgeliefert", wie es Kerscher in Anspielung an die Aussagen anderer Gemeindeoberhäupter formulierte.
Kerscher stellte heraus: "Wir haben unsere Hausaufgaben als Gemeinde gemacht." Es werde sehr viel mehr Strom in Kühbach produziert, als verbraucht werde. Mit Marius Stimpfle bekomme die Verwaltung zudem in absehbarer Zeit einen eigenen Energie-Experten. Stimpfle, informierte der Bürgermeister, mache aktuell eine Ausbildung zum kommunalen Energiewirt.

Von Thomas Winter



Ausführliche Nachrichten aus dem Wittelsbacher Land, aus Bayern und der Welt im E-Paper der Aichacher Zeitung. Hier bestellen.


Veröffentlicht am 23.11.2022 17:30 Uhr