Kühbach    

Offroad über den schwarzen Kontinent

Kühbach - Acht Abenteurer, fünf Geländewagen, sechs Länder und ein Kontinent. Afrika. Der Kühbacher Matthias Kulla machte Mitte Dezember eine sehr besondere Reise. Er brach gemeinsam mit sieben Mitreisenden und einem vollbepackten Auto für zweieinhalb Wochen nach Afrika auf.


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Mitte Dezember brach Mathias Kulla nach Afrika auf, um gemeinsam mit sieben Mitreisenden den Kontinent zu durchqueren. Fotos: Matthias Kulla


Startpunkt war für ihn Kühbach; Ziel der kleine Küstenstaat Guinea-Bissau in Westafrika, Luftlinie etwa 4700 Kilometer entfernt. Die Gruppe unternahm einen Offroadtrip. Das bedeutet: Hat die Fähre einmal in Marokko angelegt, sollte möglichst außerhalb befestigter Straßen gefahren werden. Durch Weichsandfelder und Dünen bahnte sich die Kolonne ihren Weg über den schwarzen Kontinent.
Es ging von Italien über das Mittelmeer nach Marokko. Von dort machte sich der Trupp auf durch die Westsahara. "Hier könnte man eventuell auf Minen stoßen", weiß der 38-Jährige. Das hinderte die Reiselustigen jedoch nicht daran, sich weiter auf den Weg durch Mauretanien, Mali und den Senegal zu machen, um schließlich in Bissau, der Hauptstadt von Guinea-Bissau, anzukommen.
Für Matthias Kulla war das bereits die zweite Abenteuerreise dieser Art. 2018 trat er seine erste Afrikatour an. Diesmal beschloss er, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und die Reise zu organisieren. "Die Vorbereitungen haben schon ein Jahr im Vorhinein begonnen", erklärt er.
Über das Internet suchte er nach Mitreisenden und wurde schnell fündig. Bald schon hatte sich eine bunte Gruppe zusammengefunden. Die zwischen 20- und 50-Jährigen kommen aus den verschiedensten Ecken, wie Nürnberg, Augsburg oder Rosenheim. Auffällig: Nur eine Frau ist Teil der Reisegruppe.
"Im Sommer haben wir uns alle in Kühbach im Biergarten getroffen, um uns kennenzulernen und die Reise zu besprechen", so Kulla. Daraufhin ging es für jeden an die eigenen Vorbereitungen.
Zunächst musste ein passendes Auto angeschafft werden. Die Geländewagen wurden in Deutschland gekauft, um in Afrika erneut den Besitzer zu wechseln.

Die Gruppe schlief meist auf den Matratzen in den Wagen oder in Zelten. Campte die Kolonne wild, suchte sie sich Schutz hinter großen Dünen. War es aber doch einmal zu gefährlich, oder bot sich an, übernachteten sie auch in Unterkünften in den Städten.
Es war keine ungefährliche Reise, kaum ein Tourist verirrt sich in die entlegenen Regionen. "Ich habe eigentlich keine Angst, eher Respekt vor bestimmten Situationen", erklärt der erfahrene Afrikareisende. Und dieser Respekt ist nicht unbegründet. Die al-Qaida im Maghreb stellt eine ständige Gefahr dar. Das Auswärtige Amt spricht derzeit eine Teilreisewarnung für Mali aus. "Anschläge in Mali sind überall und jederzeit möglich", schreibt das Amt auf seiner Website. Außerdem wird gewarnt, es bestehe ein erhebliches Risiko, Opfer von Entführungen, gezielter Anschläge, aber auch Landminen und Sprengfallen zu werden.
Kulla sind diese Gefahren durchaus bewusst. "Ich persönlich habe Schwarzafrika aber als sehr ausgelassen erlebt", ist seine Erfahrung. "Natürlich ist es wichtig, sich landesspezifisch zu verhalten, nicht zu provozieren und keine Extreme auszuleben", räumt er ein.


Kulla hat in vielen Orten Kontakte und Bekannte von seiner vorangegangenen Reise. Insbesondere in der Zielstadt Bissau. Hier fuhr die Gruppe ein SOS-Kinderdorf an. Bereits 2018 brachte der 38-Jährige Spenden aus Deutschland mit nach Afrika. Damals sammelte er bei Familie und Freunden. Dieses Mal schaltete er eine Anzeige und startete einen Spendenaufruf - mit großem Erfolg. In den Kofferräumen stapelten sich neben Fußbällen und Kinderspielzeug, Kleider, Schuhe und Speisen. Reis, Salz und Zucker waren im Gepäck. Diese Spenden, die ihm kartonweise zugeschickt wurden, wurden während der Fahrt an Einheimische verteilt. "Man muss jedoch aufpassen, wo die Geschenke Sinn machen und wem sie mehr schaden", gibt Kulla zu bedenken.
Die restlichen Spenden gingen an das SOS-Kinderdorf.
Von Carla Holz


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Schon während seiner ersten Afrikareise knüpfte Kulla (vorne links) Kontakte mit Einheimischen. Auch dieses Mal besuchte er seine Bekannten und Freunde, um sie mit Spenden aus Deutschland zu überraschen.


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Die Reisegruppe macht einen Offroadtrip abseits befestigter Straßen.



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Veröffentlicht am 22.01.2020 17:31 Uhr



 
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