Kühbach    

"Ich möchte mit niemandem tauschen": Lotterschmid wird 70

Kühbach - Am morgigen Freitag feiert Kühbachs Bürgermeister Hans Lotterschmid seinen 70. Geburtstag. Beim Treffen mit unserer Zeitung wirkt er entspannt und wie jemand, der mit seinem Leben im Reinen ist. Was er im nächsten Jahr nach den Kommunalwahlen im Mai vorhat, nach 24 Jahren Kommunalpolitik? Nichts bestimmtes, sagt der Gemeinde-Chef. Er habe vieles schon gesehen, und, fügt er mit einem kurzen Lächeln hinzu, mit zunehmendem Alter werde ihm Bequemlichkeit immer wichtiger.


Einen Trip mit dem Auto an die Amalfi-Küste wie bei seinem 60. Geburtstag wird es diesmal also wohl eher nicht geben. Dafür will Hans Lotterschmid mit allen Bürgern, die Lust haben, ab 10 Uhr vor dem Rathaus feiern. Es wird Weißwürste und Getränke geben.
Dass Lotterschmid 70 Jahre alt wird, sieht man ihm, ohne Schmeichelei, nicht an. Der groß gewachsene Unterbernbacher wirkt sportlich, auch wenn es an der ein oder anderen Stelle zwickt, wie er zugibt. Statt Laufen sei er inzwischen umgestiegen aufs Fahrrad. Sport, sagt der fast 70-Jährige, sei ein guter Zeitvertreib, "man weiß, was man gemacht hat". Doch er sei mittlerweile auch froh um jeden Tag, an dem er pausieren dürfe.
Sein Amt als Gemeindeoberhaupt war Hans Lotterschmid quasi in die Wiege gelegt worden. Sein Vater und Großvater waren Bürgermeister in Unterbernbach. Als junger Mann wurde er 1972 in den damals noch selbstständigen Unterbernbacher Gemeinderat gewählt - ohne, dass er sich selbst ins Spiel gebracht hätte.
Besonders angetan war Lotterschmid von der Kommunalpolitik damals aber noch nicht. "Ich habe festgestellt, dass man sich mit seinen Entscheidungen schnell Feinde machen kann, dass manche Leute es einem persönlich sehr übelnehmen, wenn man für dies oder jenes stimmt", erinnert sich der Jubilar.
Als es dann 1978 darum ging, Teil des Kühbacher Gemeinderats zu werden, habe er sich "strikt geweigert", auch deshalb, weil sich die Ratstätigkeit schlecht mit seinem damaligen Beruf als Banker hätte vereinbaren lassen.
Von 1971 bis 1994 arbeitete der Unterbernbacher in der Zweigstelle der Aichacher Sparkasse in Kühbach, und konnte dort viele Kontakte knüpfen und Vertrauen aufbauen. Obwohl er nach 1978 kein politisches Amt mehr bekleidete, habe er dennoch "immer gewusst, was läuft". '94 wechselte er in die Hauptstelle der Sparkasse in Aichach ins Firmenkreditgeschäft. Doch schon nach zwei Jahren fand er gleichsam seine wahre Bestimmung: Der 47-Jährige wurde zum Kühbacher Rathaus-Chef gewählt, bereits im ersten Wahlgang errang er die absolute Mehrheit.
Ob er heute in der Rückschau irgendetwas anders machen würde? Nein, sagt Lotterschmid mit Bestimmtheit, er hätte nichts anders gemacht. "Ich habe immer klare Kante gezeigt", erklärt der Jubilar, das schließe auch unbeliebte Entscheidungen mit ein. Aber wenn man über etwas gründlich nachgedacht habe und davon überzeugt sei, müsse man dazu auch stehen.
Stolz ist er darauf, wie die Marktgemeinde dasteht: Auf finanziell soliden Beinen, wobei viele Projekte entweder vor der Fertigstellung stehen oder in der Planung sind. "Das ist natürlich nicht allein mein Verdienst", weiß der ehemalige Banker. Ganz ohne sein Zutun wäre die Gemeinde aber auch nicht da, wo sie heute ist, sagt Lotterschmid und erklärt bei dieser Gelegenheit sein haushaltspolitisches Credo: "Es ist wichtig die Ausgaben im Blick zu haben, die Einnahmen allein machen es nicht aus".
Unter der Last des Amtes habe er, wie er selbst sagt, wenig gelitten. Ein Thema hat Hans Lotterschmid dennoch lange Zeit beschäftigt: die Kläranlage. Der Bau ist mittlerweile weit vorangeschritten, im Herbst soll die Kläranlage in Paar in Betrieb gehen. Für das Projekt musste er, anders als sein Amtskollege Karl Metzger in Inchenhofen, viel Prügel einstecken.
Entsprechend froh ist er, hinter das Thema nun endlich einen Haken setzen zu können, denn eine Klage gegen die Ablehnung der beiden Bürgerbegehren gegen den Neubau wurde kürzlich vom Verwaltungsgericht Augsburg endgültig abgewiesen.
Lotterschmid wirkt mit seinem Leben zufrieden, er hat drei Töchter, die in Berlin wohnen, und mittlerweile sechs Enkelkinder: fünf Buben und ein Mädchen. Nach seiner Scheidung lebt er schon seit vielen Jahren glücklich in einer neuen Partnerschaft. Und so erklärt der 70-Jährige am Ende des Gesprächs. "Ich möchte mit niemandem tauschen."

Ab 10 Uhr lädt Bürgermeister Hans Lotterschmid am Freitag alle Bürger und Bürgerinnen, die ihm gratulieren wollen, zu einem Weißwurstfrühschoppen vor dem Rathaus ein. Sollte das Wetter schlecht sein, wird ein Zelt aufgestellt. Die Feier dauert bis etwa 13 Uhr. Statt Geschenken wünscht sich Lotterschmid Spenden an das Pfarrer-Knaus-Heim. Einladung an Bürger: Weißwurst-Frühstück vor dem Rathaus

Von Thomas Winter


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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