Kühbach    

Beteiligung statt Unterschrift?

Kühbach - Über zehn Prozent der bayerischen Wahlberechtigten haben sich für das Volksbegehren zur "Rettung der Bienen" ausgesprochen. Viele Landwirte haben den Vorstoß seit Wochen aber als "einseitig" kritisiert und nicht unterschrieben. Andreas Karl aus Kühbach ist einer von ihnen. Für die Artenvielfalt will der 46-Jährige etwas tun, doch nicht allein. Er will in diesem Jahr Ackerparzellen an Privatleute verpachten, auf denen er Blumen aussät und pflegt.

120 Mastbullen hält der Landwirt auf seinem Hof am Kühbacher Ortsrand. Das Anwesen umfasst rund 10.000 Quadratmeter, beherbergt einen Gemüsegarten, wild wuchernde Hecken - und ein Insektenhotel. Im Gras wächst Klee. "Andere haben einen schöneren Rasen, aber wir sind zufrieden", erzählt Andreas Karl und schmunzelt. Am Küchentisch sitzen er und seine Frau Barbara und schauen hinaus in den Garten. Auf dem Tisch liegt eine Werbeanzeige. "Nicht nur für die Bienen und Insekten unterschreiben, sondern auch handeln" ist darauf zu lesen.
Damit bezieht der Landwirt klar Position. Er hat für das Volksbegehren nicht unterzeichnet. "Aber so viele Leute unterschreiben", sagt Karl. "So richtig etwas für die Artenvielfalt tun kann oder will dann doch nicht jeder", ist er überzeugt. Der Vorstoß stigmatisiere vor allem Landwirte wie ihn. Wer unterschreibt, befriedige sein Gewissen und gebe die Verantwortung ab.
"Dabei muss jeder etwas tun", betont der Landwirt. Dass besonders Stadtbewohner nicht unbedingt die Flächen haben, um blühende Wiesen für Bienen und Schmetterlinge anzusäen, ist ihm klar. Doch Karls gesamter Grundbesitz ist flächenmäßig 80 mal so groß wie das Anwesen in Kühbach. Die 80 Hektar bisher intensiv genutzten Ackerlands liegen zwischen Gachenbach im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen und Kühbach. Für seine Mastbullen benötigt Karl lediglich 30 Hektar davon.
"Ich muss die Tiere auch füttern", sagt er. Den Rest der Fläche sei er bereit, in ökologische Blühwiesen umzuwandeln und sie zu pflegen, aufgeteilt in Parzellen von 200 Quadratmetern, finanziert von Privatleuten.
Für 50 Euro im Jahr könne jeder eine Parzelle auf fünf Jahre pachten. Danach wird die Blühwiese umgepflügt. Sonst gilt sie als Dauergrünland und darf in Zukunft nicht mehr als Acker genutzt werden. Die eigene kleine Wiese könne man laut Karl jederzeit besuchen. Jeder Pächter erhält ein Zertifikat und einen Lageplan. "Vier Leute interessieren sich schon für eine Parzelle", sagt Karl, der am Sonntag eine Internetseite veröffentlicht hat und auch in den Lokalzeitungen fleißig Werbung schaltet. Andreas Karl will auf den Ackerflächen Samen der sogenannten "Veitshöchheimer Bienenweide" ansäen. Weil sie im Winter stehen bleiben, bieten die Wiesen darüber hinaus auch Niederwildarten wie Füchsen, Fasanen oder Rebhühnern Unterschlupf. Knapp 600 Euro kostet die Saatmischung pro Hektar. Durch die Pacht nimmt Karl rund 2500 Euro pro Hektar und Jahr ein. "Das ist ungefähr so viel, wie ich mit Mais oder Kartoffeln verdienen würde", sagt er.
Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 18.09.2019 07:09 Uhr




 

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