Kühbach    

Frauen im Wald von 15-Jährigem überfallen

Kühbach - So viel Polizei in Kühbach? Eine Großfahndung war gestern das Gesprächsthema in der Marktgemeinde. Niemand wusste Genaues, Gerüchte erzählten sogar von einem Banküberfall. Tatsächlich waren drei Frauen im Alter von 46, 50 und 56 Jahren in einem Waldstück von einem Mann überfallen worden. Gegen Mittag wurde im Heim für minderjährige Asylbewerber in Rapperzell ein Verdächtiger festgenommen: ein 15-jähriger Syrer.


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Im Wald zwischen Kühbach und Oberwittelsbach wurden gestern Vormittag drei Frauen überfallen. Die Polizei nahm mittags einen 15-jährigen Verdächtigen fest. Foto: Monika Grunert Glas


Den gestrigen Morgen werden die drei Kühbacherinnen wohl ihr Leben lang nicht mehr vergessen. Sie wurden im Wald Opfer von Raubüberfällen, eine von ihnen wurde zudem sexuell belästigt.
"Meine Freundin und ich sind, wie so oft, zum Laufen in den Wald", berichtet die 50-Jährige im Gespräch mit der AICHACHER ZEITUNG. "Wir haben uns noch unterhalten, wie wunderschön die Sonne scheint, und dass wir es hier auf dem Land doch wirklich gut haben." Gegen 9.15 Uhr joggten sie und ihre 46-jährige Bekannte in einem Waldstück jenseits der Unterführung der B 300, Richtung Oberwittelsbach. Das ist auch ein beliebtes Ausreitgebiet eines nahen Pferdehofs. "Meine Freundin hatte schon mehrfach etwas knacken gehört, uns wurde etwas unheimlich, aber eigentlich dachten wir, das sei ein Reh oder so."
Im Nachhinein sind die Frauen überzeugt, dass der Täter sie schon länger beobachtet hatte. Im Bereich der Sieben-Wege-Kreuzung geschah es dann. "Er muss sich dann hinter einem Holzstoß versteckt haben. Wir sind daran vorbei gelaufen, plötzlich tauchte er hinter uns auf. Wir haben uns umgesehen, er rannte schnell auf uns zu." In der irrigen Annahme, es handle sich vielleicht ebenfalls um einen Jogger, gingen die Freundinnen links und rechts des Wegs auseinander und machten ihm Platz. "Da blieb er vor uns stehen. Er bedrohte uns mit einem Brotmesser mit einer 20 Zentimeter langen Schneide", berichtet die 50-Jährige geschockt. "Money!", habe er gefordert, und "Handy!" Doch die Sportlerinnen hatten weder das eine, noch das andere dabei. Da mussten sie ihre Taschen umstülpen: "Außer meinem Hausschlüssel war nichts drin." Sie sei dann plötzlich sehr wütend geworden und habe den jungen Mann angeschrien, erzählt die Frau. Daraufhin habe ihr der Täter die Mütze vom Kopf gerissen und sich dann ihrer Freundin zugewandt, während sie selbst zu Boden gestürzt war. Die Freundin habe fast geweint und sich aufs Betteln verlegt, es tue ihr leid, aber sie hätten halt nichts Wertvolles beim Joggen dabei: "Da forderte er plötzlich kiss, kiss!" Mit einem Bussi, das die 46-Jährige sich auf die Handfläche gedrückt habe, um den Täter damit zu streicheln, habe sich dieser nicht zufriedengeben wollen und stattdessen auf seine Wange gezeigt: Dorthin wolle er geküsst werden. Wenn er das Messer wegwerfe, bekomme er den Kuss, versprach die Frau, und tatsächlich ließ der Jugendliche die Waffe fallen.
Mittlerweile war es der 50-Jährigen gelungen, sich aufzurappeln und einen Stock aufzuheben. Auch die andere Frau griff sich einen etwa einen Meter langen Ast. Damit gingen sie auf den Täter los. Dieser lief davon und die beiden Läuferinnen konnten sich in Sicherheit bringen. Während sie atemlos ihr Zuhause in Kühbach erreichten und die Polizei anriefen, begegnete der Asylberwerber auf der Verlängerung der Wöresbacher Straße einer weiteren Läuferin. Auch von dieser 56-Jährigen forderte er Geld und Handy, stieß sie zu Boden und griff ihr in den Schritt. Sie wehrte sich und konnte ebenfalls körperlich unversehrt entkommen.
Die sofort eingeleitete Großfahndung mit zehn Streifen und einem Hubschrauber brachte gegen Mittag Erfolg. In der Unterkunft für minderjährige Asylbewerber an der Bergstraße in Rapperzell wurde der 15-jährige unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Laut Kriminalpolizei handelt es sich um einen Syrer. Auf seine Spur führten die Ermittler die guten Beschreibungen der drei Frauen. Der Jugendliche ist in der Vergangenheit öfter wegen Aggressionsdelikten aufgefallen. Gestern früh hatte er in dem Heim randaliert und es dann mit unbekanntem Ziel verlassen. Frauen wehren sich mit Stöcken

Von Monika Grunert Glas


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Veröffentlicht am 09.01.2016 12:00 Uhr