Inchenhofen    

Montessori-Standort wird in Inchenhofen zum Zankapfel

Inchenhofen - Eine Montessori-Schule wäre für Inchenhofen durch und durch positiv, sie würde das Ansehen des Ortes heben - darin waren sich alle Leahader Gemeinderäte bei der Sitzung am vergangenen Dienstag 100-prozentig einig. Ganz und gar uneins war man sich hingegen in Bezug auf den künftigen Standort der Schule, nördlich des Gewerbegebiets. Ebenfalls sauer stieß einigen Räten auf, dass sie über die Vertragsdetails nicht ausreichend informiert wurden. Michael Rigl etwa erklärte: "Ich bin sehr enttäuscht. Erst hieß es, man trifft sich noch einmal, dann ist fünf Wochen nix passiert."


Um es gleich vorweg zu nehmen: Auch eine anschließende halbstündige Diskussion im öffentlichen Teil der Sitzung konnte die Gräben nicht schließen. Der Tagesordnungspunkt "Überlassung einer Fläche an die Montessori-Schule im Rahmen des Erbbaurechts" musste auf den nichtöffentlichen Teil zurückgestellt werden.
Bürgermeister Karl Metzger erklärte zu Beginn der Sitzung, zu der fast 30 Besucher gekommen waren, die "Vorgeschichte" zu dem Projekt. Bereits Ende 2018 seien die Vertreter der Montessori-Schule auf ihn zugekommen und hätten ihr Interesse bekundet.
Zunächst stand ein privates Grundstück im Ortszentrum von Sainbach zur Disposition, das alte Wirtshaus, wie Karl Metzger gestern auf Nachfrage konkretisierte. Weil das Objekt für eine weitere Entwicklung aber nicht geeignet erschien - geplant sind eine Grundschule, ein Mehrzweckraum, Werkstätten, eine Mensa, ein Mitarbeiterwohnhaus und in ein paar Jahren ein Erweiterungsbau für eine Montessori-Mittelschule - wurde der Standort wieder verworfen. Nun rückte der Norden Inchenhofens ins Zentrum.
Drei Optionen kamen zuletzt in Betracht. Einmal ein Grundstück nördlich des Gewerbeparks. Es gehört der Gemeinde, aktuell steht dort ein Maisfeld. Dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Fläche nördlich des neuen Sportplatzes. Und zu guter Letzt: ein Grundstück nordöstlich des Tennisplatzes.
In der Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause signalisierte der Gemeinderat einhellig Bereitschaft, die Montessori-Schule in Inchenhofen ansiedeln zu wollen. Bürgermeister Karl Metzger gaben sie nach eigener Aussage die Hausaufgabe mit, mit den Grundstücksbesitzern über einen Verkauf beziehungsweise über einen Tausch zu verhandeln.
"Der Eigentümer des Grundstücks oberhalb des Sportplatzes wollte absolut nicht verkaufen oder tauschen", erklärte der Gemeindechef den Räten am Dienstag. Den Standort nahe des Tennisplatzes halte er verkehrstechnisch für problematisch, so Metzger weiter. "Die Straße hoch auszubauen, halte ich für schwierig und sehr aufwendig. Die Jahn- und Kabisstraße hoch wird für Omnibusverkehr auch schwierig", erläuterte der Bürgermeister gestern auf Nachfrage unserer Zeitung noch einmal seine Bedenken.
Darum käme eigentlich nur die Fläche nördlich des Gewerbegebiets infrage. Dort sei eine gute Verkehrsanbindung gegeben: mit einer Linksabbiegerspur, einem Wendehammer im Gewerbepark und einer Haltestelle, die man errichten könnte. Das sah ein Großteil der Räte jedoch anders.
Hans Schweizer bemängelte, mit dieser Variante werde das Gewerbegebiet zerrissen. Schließlich sei diese Fläche vorgesehen gewesen, um den Gewerbepark zu erweitern. Geradezu erzürnt reagierte Michael Rigl. Einige Interessenten aus dem Ort warteten schon zwei, drei Jahre darauf, dass sich in Bezug auf das Gewerbegebiet etwas tue. Man solle zunächst alle Alternativen intensiv prüfen, ehe man dieses Grundstück freigebe.
Ähnlicher Ansicht waren auch Klaus Strobl, Rainer Tremmel, Andrea Schmidberger, Heinrich Schoder und Georg Heinrich. Sie warfen Metzger vor, sich für die anderen Grundstücke zu wenig eingesetzt zu haben, beziehungsweise kritisierten, dass man sich vorher nicht noch einmal zusammengesetzt habe. Tremmel mokierte sich: "Wenn ich die genauen Vertragsdetails nicht kenne, stimme ich nicht zu. Ich lasse mich nicht in Zugzwang bringen."
Metzger verteidigte sich, es gehe heute ja nur um eine Grundsatzentscheidung, das Gesellschafterteam der Montessori-Schule brauche lediglich ein klares Signal, auch in Hinblick auf einen runden Tisch, der demnächst im Landratsamt stattfinden soll. Alles weitere, die Vertragsmodalitäten betreffend, könne man ja noch besprechen.
Georg Heinrich setzte nach: Das Montessori-Team werde nicht sofort bauen, sondern schaue sich um nach einer Zwischenlösung, "wir haben also noch etwas Zeit", folgerte Heinrich.
Weil keine Einigung in Sicht war, schlug Metzger vor, den Punkt im nichtöffentlichen Teil auszudiskutieren.
Wie der Leahader Gemeindechef gestern auf Nachfrage erklärte, wurde der Punkt zurückgestellt. Man werde die Grundstücksverhandlungen noch einmal aufnehmen, so Metzger. Das Grundstück nördlich des Gewerbeparks hält er nach wie vor für die beste Lösung. Das Gewerbegebiet werde dadurch zwar zerteilt, doch es gäbe immer noch genügend Ausweichflächen, so Metzger. Michael Rigl: "Ich bin sehr enttäuscht. Fünf Wochen ist nix passiert"

Von Thomas Winter


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Veröffentlicht am 18.09.2019 09:13 Uhr




 

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