Inchenhofen    

Der "Geknickte" kehrt zurück

Aichach/Inchenhofen - Kaum ein Tag im Jahr bietet wohl eine höhere Dichte an Dorffesten wie der 1. Mai. Jedem mit einer Halben Bier die Ehre zu erweisen, dürfte in einem Fiasko enden. Denn in zahlreichen Orten wird kommenden Mittwoch wieder die Dorfgemeinschaft hochgehalten und ein Unikat in die Höhe gehievt. Besonders freuen sich heuer die Leahader auf ihr Maibaumfest: 29 Jahre lang war der Marktplatz verwaist, nun kommt die Zier des Dorfes wieder dort hin, wo sie hingehört.


Das finden jedenfalls die Maibaumbuam. Drei Jahre lang stellten sie immer wieder Anträge und sammelten Unterschriften, damit der Maibaum wieder seinen Platz am alten Feuerwehrhaus bekommt. Vor zwei Jahren positionierten sie dort einen Protestbaum, quasi als Platzhalter. "Das Brauchtum wird hier groß geschrieben, doch für mich ist kein Platz geblieben", war auf dem Schild des zehn Meter hohen Exemplars zu lesen. Verziert war die Stange mit den letzten verbliebenen Schildern, die den Leahader Maibaumsturz vor 29 Jahren einigermaßen überstanden hatten.
Es war am Faschingsdienstag, 27. Februar 1990, als der Inchenhofener Maibaum in ungewöhnliche Schräglage gezwungen wurde. Das Sturmtief "Vivien" - wenige Tage später wütete "Wiebke" - fegte übers Land. Die Feuerwehr konnte nicht mehr tun, als den Marktplatz zu sperren, der Einsatz eines Autokrans war zwecks Sicherung unmöglich. "Kurz vor Mittag krachte es dann laut. Vivien sprengte den Baum mehrere Meter über der Verankerung ab. Zum Glück stimmte wenigstens die Richtung des Orkans, der den langen geschmückten Baum auf die Straße schmetterte, dicht vorbei an der Wallfahrtskirche", heißt es in der AICHACHER ZEITUNG vom 28. Februar 1990.
Auch andernorts richtete Vivien schwere Schäden an: Reihenweise wurden Bäume auf Straßen geworfen, Verkehrszeichen durch die Luft geschleudert, Stromleitungen gekappt und Dachplatten von den Häusern gefegt. Die Aichacher Innenstadt war zeitweise aus Sicherheitsgründen abgeriegelt, in Aindling wurde das geplante Faschingstreiben abgesagt. Stattdessen montierte die Feuerwehr ein Zunftzeichen am Maibaum ab, das drohte, aus der Verankerung gerissen zu werden.
Dort hatte man jedenfalls mehr Glück als in Inchenhofen, wo die Feuerwehr tatenlos zusehen musste, wie der Sturm den Maibaum umriss. Der wäre zwei Wochen später eigentlich sowieso fachmännisch umgelegt worden. Die Diskussionen um den Standort, der damals schon umstritten war, waren mit dem Maibaumsturz praktisch vorprogrammiert.
Die heutigen Maibaumbuam haben das alte Exemplar auf dem Marktplatz mit eigenen Augen nie gesehen. Als der weiß-blaue Maibaum stürzte, waren Benedikt Kunz und seine Mitstreiter noch nicht einmal geboren. Dennoch war es dem 25-Jährigen, der eines der Vorstandsmitglieder der Maibaumbuam ist, ein Anliegen, ihn wieder in die Dorfmitte zu bringen.
Weil kaum etwas vom alten Maibaum überlebt hat, hatten die Maibaumbuam in den vergangenen Monaten alle Hände voll zu tun: Sie fertigten neue Schilder, Halter und ein neues Modell der Wallfahrtskirche. Auf 18 Tafeln werden die Handwerke aus Inchenhofen dargestellt, die Wappen der Ortsvereine werden einen Kranz zieren, erklärt Kunz. Außerdem musste ein neues Fundament mit Ständer errichtet werden. Der 26,5 Meter lange Baum ist bereits gefällt und geschält und bekommt wie der alte einen weiß-blauen Anstrich.
Die Maibaumfeier in Inchenhofen beginnt am Mittwoch, 1. Mai um 9 Uhr mit dem Einzug des Baums. Nach dem 9.45-Uhr-Gottesdienst wird er gesegnet und in die Höhe gehievt.

Eine Übersicht, wo überall Maibäume aufgestellt werden und am 1. Mai gefeiert wird, finden sie in dieser Ausgabe auf Seite 18.

Von Verena Heißerer


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Veröffentlicht am 26.04.2019 23:00 Uhr




 

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