Hollenbach    

Seife aus Syrien im Dorfladen Motzenhofen

Motzenhofen - Der Hofladen in Motzenhofen, den Sofie Ziegler, Bürgermeister Xaver Zieglers Mutter, betreibt, wird demnächst eine neue Führung erhalten. Der Syrer Fadi Aslan wird dort ab April seine Produkte anbieten - Kosmetik und Reinigungsmittel aus natürlichen Rohstoffen.

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2015 kam Aslan als Flüchtling nach Hollenbach. In seiner Heimat hat der Chemiker mit Universitätsabschluss bereits erfolgreich ein Unternehmen betrieben, das Aleppo-Seife aus natürlichen Rohstoffen produzierte. In den vergangenen Jahren hat sich der 37-Jährige auch hier ein Unternehmen aufgebaut (wir berichteten bereits). Sein Sortiment umfasst bisher Hand- und Duschseife in flüssiger und fester Form. Diese werden bereits seit einiger Zeit in Sofie Zieglers Hofladen angeboten, in der es auch eine kleine Auswahl an regionalen Lebensmitteln wie Mehl, Eier und Gemüse gibt.
Auch eine Postannahmestelle ist dort vertreten. Sie wird nahtlos weitergeführt durch Fadi Aslan und seine Frau.
Der Hofladen wird allerdings zeitgleich einem Umbau unterzogen. Bisher besteht das Ladengeschäft aus zwei Räumen mit rund 60 Quadratmetern. Fadi Aslan wird den Post-Dienst und seine Ware künftig nur noch im vorderen Teil anbieten, den hinteren nutzt er dann als Büro.
Seit 1994 betreibt Sofie Ziegler den Hofladen in Motzenhofen, bis zu dessen Tod 1998 gemeinsam mit ihrem Mann Franz Xaver. Angefangen hat das Ehepaar mit dem Verkauf von Christbäumen, dann kamen Spargel, später weiteres Gemüse und schließlich Blumen hinzu. Als die Familie noch Landwirtschaft betrieb, wurde sogar Rindfleisch im Hofladen verkauft. Mit 65 Jahren geht Sofie Ziegler nun in Rente. Dass es ihr langweilig werden könnte, davor hat sie keine Angst. Ihre vier Enkelkinder werden sie auf Trab halten, erklärt sie schmunzelnd.
Die Zieglers hatten sich (noch) nicht gezielt um einen Nachfolger bemüht, wie Bürgermeister Xaver Ziegler, Eigentümer des Hofladens, erklärt. "Ich hätte auch nicht jeden hier hereingelassen", macht er deutlich und zeigt sich sehr erfreut über die künftige Zusammenarbeit mit Fadi Aslan. Sein Sortiment sei "eine wahnsinnige Aufwertung des Angebots" für die Kunden in Hollenbach. Fadi Aslan wird in dem Laden ab Ende April seine Naturkosmetik, aber dann auch ganz neu eigens produzierte Reinigungsmittel aus natürlichen Rohstoffen verkaufen. Irgendwann soll das Sortiment mit Waschmittel und Cremes erweitert werden. Diese Produkte hat Fadi Aslan alle auch schon in seinem Heimatland hergestellt. Zudem soll ein Unverpackt-Sortiment entstehen: Die Kunden können eigene Behälter mitbringen und sie befüllen lassen, oder sie kaufen eine wiederbefüllbare Flasche Seife von Aslan.
Der junge Mann hat ein Ziel und einen Traum: Zum einen wolle er in Deutschland einen Markt schaffen für Naturkosmetik und Aleppo-Seife im Speziellen und irgendwann - wenn der Krieg in Syrien ausgestanden ist - die Produktion wieder in sein Herkunftsland verlegen und seine Produkte von dort aus in Deutschland vertreiben. Erstens wären dann die Produktionskosten geringer, zum anderen könne er so beim Aufbau des Landes helfen, indem er Arbeitsplätze schafft, eine "Win-win-Situation" also, wie er verdeutlicht.
Zudem ist es ihm ein großes Anliegen, "den Namen Aleppo-Seife wieder groß zu machen". Sie gilt als eine der ältesten Seifen überhaupt, doch weil eine Produktion in Syrien momentan nicht möglich ist, haben sich Unternehmen aus China auf den Markt gedrängt - was sowohl der Qualität als auch dem Ruf des Produkts schade, wie Fadi Aslan deutlich macht. "Mein Ziel schaffe ich, beim Traum wird es schwieriger", weiß der Syrer.
Solo Naturkosmetik ist bisher ein Ein-Mann-Betrieb, lediglich Aslans Frau unterstützt ihn im Vertrieb. In Motzenhofen wird sie künftig vormittags den Laden alleine führen, während ihr Mann produziert. Nachmittags werden dann beide im Geschäft sein. Dann möchte Aslan auch Beratungen für Kunden anbieten, denn durch die Natürlichkeit bieten sich seine Produkte auch für Kinder und Allergiker an.
Mit seiner Schaumseife ist Fadi Aslan der einzige Produzent in Deutschland. Hier hat er mit seinem Angebot genau den Zahn der Zeit getroffen, die Nachfrage ist hoch. Die Haar-Seife etwa ist derzeit ausverkauft und kann erst wieder zur Eröffnung des Hofladens angeboten werden. Momentan produziert Fadi Aslan rund zwei Tonnen Kosmetik im Monat. Die 70 Quadratmeter große Produktionsstätte in Bergen wird langsam zu klein, der Unternehmer sucht derzeit eine größere in Hollenbach und Umgebung.
Zudem würde der 37-Jährige gerne irgendwann auch unverpackte Lebensmittel im Laden anbieten wollen und ist dazu auf der Suche nach möglichen Partnern für eine Zusammenarbeit. Produktionsstätte in Bergen wird zu klein

Von Nayra Weber


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Veröffentlicht am 25.06.2019 00:00 Uhr




 

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