Dasing    

Wertstoff wird zu Werkstoff

Dasing - Wer auf dem Dasinger Wertstoff Elektroschrott abgeben will, muss nicht nachfragen oder nach Schildern suchen. Man muss einfach nur dahin gehen, wo es am buntesten ist. Denn die Wände für den neuen, überdachten Abgabetisch für Elektromüll haben Dasinger Schüler und der Künstler Markus Heinsdorff gebaut - aus Müll.


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Gestern schleppten die Dasinger Schülerinnen und Schüler die "Müll-Gabionen" zur Abgabestation für Elektromüll auf der Dasinger Wertstoffsammelstelle und bauten aus ihnen Wände. Danach präsentierten sie sich stolz vor dem noch nicht ganz fertigen Projekt mit den Initiatoren. Fotos: Berndt Herrmann


Die Kinder der 3b von Yvonne MacGill und die 5a von Sylvia Werner haben Müll gesammelt, alte Elektrogeräte auseinander gebaut und dann gemeinsam mit Heinsdorff und den Mitarbeitern des Bauhofs damit Gabionen gefüllt, die daraufhin zu den Wänden der neuen Abgabestation wurden. Gestern Vormittag zogen und schleppten sie die Gitterboxen noch über den Hof und stemmten sie, mit etwas Unterstützung der Erwachsenen, nach oben. Die Abgabestation ist eines der Modellprojekte, die an dem "Vorzeigewertstoffhof" Dasing ausprobiert werden sollen.
Die Bürgerinnen und Bürger müssen den Schrott nicht mehr selbst sortieren, die Mitarbeiter machen das und legen noch funktionstüchtige Geräte beiseite. Die können und sollen dort auch eigens abgegeben werden, denn der Wertstoffhof soll auch zu einer Tauschbörse werden. Insgesamt, so das Ziel bei der Abfallwirtschaft des Landratsamtes, möchte man in Dasing neue Abläufe bei der Müllsammlung proben, weitere Angebote testen und die Höfe und die Tätigkeiten der Mitarbeiter aufwerten - wie auch den ganzen "Raum Wertstoffhof", wie es Landrat Dr. Klaus Metzger formulierte. Mindestens genauso wichtig ist aber, dass dort ein anderes Verhältnis zu den Restprodukten der Industrie- und Wegwerfgesellschaft entwickelt wird. Und am besten wird das schon Kindern vermittelt. "Die Kinder sind hier sehr konkret mit Plastikmüll in Berührung gekommen, einem der großen Probleme unserer Zeit", sagt Heinsdorff, der Projekte auf der ganzen Welt verwirklicht. Ein Schwestermodell der Dasinger Müllwände ist beispielsweise sein "Ocean Dome" in Südafrika, der nachts beleuchtet wird. Auch in Dasing ist das geplant.
Für den Künstler, der erst mit seinem Leuchtenfeld in Blumenthal auf die Situation der Flüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam gemacht hat, kann Kunst die Ideen für einen anderen Umgang mit Müll liefern. Er experimentiert zum Beispiel damit, mit Müll zu bauen, etwa als Alternative zu den Blechhütten in Slums. Die Dasinger Schülerinnen und Schüler haben bei dem Projekt auf jeden Fall schon einiges gelernt: "Daheim haben sie nicht von der Mathe- oder der Deutschstunde erzählt, sondern von dem Müll-Projekt", sagte Schulleiter Gerhard Schmid. Und Heinsdorff hat beobachtet, dass viele "Sachen mitgenommen haben, die ganz in Ordnung waren". Sie haben erkannt, dass nicht alles, was man wegschmeißt, Müll ist, sondern weiter verwendet werden kann.
Das zu vermitteln, ist das Ziel von Künstler Markus Heinsdorff und Michaela Stadelmeyer von der Kommunalen Abfallwirtschaft, die der Motor des gesamten Projekts war, das natürlich Schule machen soll. Ob der Landrat eine Idee des Künstlers aufnimmt, ist aber fraglich: Die nächste Bürgermeisterdienstversammlung sollte auf der Dasinger Sammelstelle stattfinden, schlug er vor.

Von Dr. Berndt Herrmann

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Wände aus Müll , der aber kein Müll mehr ist, wenn man etwas damit baut.



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Veröffentlicht am 22.07.2021 17:39 Uhr