Dasing    

Eine halbe Million Euro für ein leeres Impfzentrum

Dasing - Der Betrieb im Impfzentrum zwischen Dasing und Aichach läuft inzwischen. Mangels ausreichend zur Verfügung stehenden Impfstoffs allerdings bei weitem nicht so, wie noch im Dezember angekündigt. Diese Woche werden täglich zwischen 60 und 100 Personen geimpft. Ausgelegt ist das Impfzentrum auf 200, die räumlichen Gegebenheiten in der Halle, in der es untergebracht ist, könnten sogar eine noch höhere Auslastung vertragen.


Immense Kosten trotz Leerstand
Das Impfzentrum in Dasing ist in einer Halle im Gewerbegebiet Acht300 untergekommen. Dort geht es derzeit recht ruhig zu. Der Impfstoff ist knapp, selbst die Personen mit der Impfpriorität 1 halten sich in der Warteschleife auf.
Wolfgang Glas


Kosten produziert die Einrichtung ungeachtet der Auslastung trotzdem, wie Wolfgang Müller, Sprecher des Landratsamts in Aichach, bestätigt. Die Betreiberfirma Vitolus verlangt täglich 15 500 Euro für ihre Arbeit. Als am 26. Dezember der erste Impfstoff nach Dasing kam und am Folgetag mit dem Impfen begonnen werden konnte, konzentrierten sich die Verantwortlichen auf die Impfung in den Pflegeeinrichtungen im Landkreis. Trotzdem war ein Start im Impfzentrum noch für die letzte Woche des alten Jahres angedacht. Sowohl der damalige Staatssekretär für Gesundheit und jetzige Gesundheitsminister Klaus Holetschek als auch Aichach-Friedbergs Landrat Klaus Metzger (beide CSU) hatten sich in Dasing an Weihnachten optimistisch gezeigt. Tatsächlich stand das Impfzentrum aber leer. Die erste reguläre Spritze im Gewerbepark Acht 300 konnte erst am Dienstag, 2. Februar, verabreicht werden. In Zahlen bedeutet das: Knapp 560 000 Euro kostete der Betrieb des Impfzentrums allein in der Zeit zwischen der Lieferung des ersten Impfstoffs und der ersten regulären Impfung. Da das Impfzentrum allerdings schon seit 15. Dezember von Vitolus betrieben wird und auch die mobilen Impfteams Geld kosten (jedes 6000 Euro am Tag), ist davon auszugehen, dass die Kosten weit höher sind. Hinzu kommt die Hallenmiete, über deren Höhe das Landratsamt keine genauen Angaben machen möchte. Den Vermieter, Stahlbauer und FW-Kreisrat Johannes Ankner aus Laimering, wolle man schützen, heißt es.
Das Gerücht, Ankner würde täglich ebenso viel Miete verlangen wie die Firma Vitolus für den Betrieb, dementiert Landkreissprecher Müller aber entschieden: "Für die Immobilie wird ein ortsüblicher Mietpreis bezahlt." Vitolus sei über eine ordentliche Ausschreibung als Betreiber in Betracht gezogen worden. Die Firma habe schlichtweg das wirtschaftlichste Angebot vorgelegt, sagt Müller. Bei der Anmietung einer für den Betrieb geeigneten Immobilie sei das anders gewesen. "Wir haben uns umgesehen und nach einem Objekt gesucht, das möglichst alle Anforderungen an ein Impfzentrum erfüllt. Bei Johannes Ankners Halle waren das die allermeisten." Und der Kreisrat stellte sie dem Landkreis auch prompt zur Verfügung.
Die Kosten für das Impfzentrum und die gesamte Arbeit der Firma Vitolus übernehmen Bund und Freistaat, der Landkreis geht nur in Vorleistung, macht Wolfgang Müller deutlich. Weg ist das Steuergeld trotzdem, welche Instanz auch immer zahlt.

Von Bastian Brummer



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Veröffentlicht am 11.02.2021 16:41 Uhr