Dasing    

Ein Altar für den Heiligen des Internets

Dasing - Wer im Frühmittelalter etwas googeln wollte oder in Wikipedia nachschlagen, hatte Pech: Es sollte noch fast anderthalb Jahrtausende dauern bis zur Erfindung des Internets. Wissensdurstige behalfen sich deshalb mit dem Werk von Isidor von Sevilla. Der gelehrte Abt, der zwischen 560 und 636 lebte, hatte das Wissen seiner damaligen Welt in einem 20-bändigen Lexikon zusammentragen. Die "sieben freien Künste", Medizin und Recht, Geschichte und Geographie, Theologie und Naturwissenschaft - all das und noch mehr decken seine "Etymologiae" ab. Das ist zwar bei weitem nicht das Spektrum, das heutzutage das Internet bietet. Aber immerhin schaffte es Isidor dank seiner Sammelkraft zum modernen Heiligen: Er wurde am 7. Februar 2001 vom Papst zum Schutzpatron der Internet-Surfer und Programmierer erhoben.


Feiger im Heimatmuseum
Im Dasinger Ortsteil St. Franziskus stand früher eine Kapelle, die dem heiligen Isidor geweiht war. Der frühchristliche Mönch wird seit vielen Jahrhunderten als Gelehrter verehrt und bekam 2001 den Titel "Heiliger des Internets". Die Altarnische der Isidor-Kapelle und eine gemalte Ansicht sind im Dasinger Heimatmuseum zu sehen, das Matthias Feiger über weite Strecken jetzt neu gestaltet hat.
Wolfgang Glas

Isidor-Kapelle existiert längst nicht mehr

Auch als der Hofbauer im Dasinger Ortsteil St. Franziskus seine Isidor-Kapelle errichtete, gab es das Internet noch nicht. Nicht einmal Telefon oder elektrisches Licht. Der Ökonom baute das Kirchlein vermutlich Mitte des 18. Jahrhunderts zu Ehren des Patrons der Bauern, denn auch die riefen den spanischen Heiligen um Beistand an. Die Isidor-Kapelle gibt es längst nicht mehr; sie musste in den 1960er Jahren der neuen Straße nach Wessiszell weichen. Einige Wertsachen aus dem Kirchlein nahmen die Bauersleute aber in Gewahrsam. Darunter den Altarrahmen, ein Gebetsbankerl und ein Panoramabild, das in der Kapelle hing. Das Gemälde zeigt mit begeistertem Strich die Ortschaft Dasing samt St. Franziskus, im Hintergrund die Silhouette von Augsburg.

Bisher nie ausgestellte Objekte rücken jetzt ins richtige Licht

Diese drei Kostbarkeiten sind jetzt im Dasinger Heimatmuseum zu sehen. Zwar lagern sie dort schon seit gut 15 Jahren - das Hofbauern-Anwesen schenkte sie dem Heimatkundlichen Kreis -, ausgestellt aber waren sie nie. Denn die Sammlung des Vereins verstand sich bislang eher als Depot, aus dem zu gegebener Zeit kleine Präsentationen zusammengeführt wurden. Jetzt hat Altbürgermeister Matthias Feiger die Corona-Zwangspause genutzt, um kräftig aufzuräumen. Er ordnete die Exponate nach Themenbereichen, schrieb kurze Erklärungen zum Gezeigten, machte die Themen zugänglich. Auf drei Etagen im ehemaligen Raiffeisen-Lagerhaus am Bahnhof gibt es jetzt Einblicke in das bäuerliche Leben im Dasing der Vergangenheit.

Landwirtschaftliche Gerätschaften und Maschinen gehören zum Inventar

Im Museum finden sich eine Vielzahl landwirtschaftlicher Gerätschaften und Maschinen, wie sie bis Mitte des 20. Jahrhunderts genutzt wurden: Pflüge und eine Dreschmaschine, Milchkannen und Butterfassl, Sensen und Dreschflegel. Ein Raum im Keller beschäftigt sich mit dem Haushalt, zeigt Geschirr und Kochzeug, auch Potschamperl, Wäschestampfer und Krautfassl. All diese Dinge stammen aus Privathaushalten. Sie verbrachten oft Jahre auf Dachböden, ehe sie bei einem Umzug oder einer Renovierung zutage traten. Matthias Feiger, der selbst im Pöttmeser Ortsteil Kühnhausen als Bauernbub aufwuchs, erzählt gerne und kundig über die einstige Verwendung dieser Utensilien. Und er hat im Rahmen seiner "Aufräumaktion" auch selbst viel dazugelernt: "Einen ganzen Kachelofen hab ich selbst aufgebaut", erzählt der 75-Jährige stolz. "Aus lauter Einzelteilen, ohne Bauanleitung."

Von Wolfgang Glas


Fast komplette Schusterwekstatt in Dasing zu sehen
Eine nahezu komplette Schusterwerkstatt ist im Dasinger Heimatmuseum aufgebaut. Falten- und Arbeitsstiefel sind dort ebenso erhalten wie Schuhbänder, Leisten, Lederreste und Holznägelchen, mit denen die schweren Sohlen fixiert wurden.
Wolfgang Glas



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Veröffentlicht am 13.01.2022 17:41 Uhr