Dasing    

Von wegen Lesemüdigkeit: Ein Jahr Bücherei Dasing

Dasing - Seit einem Jahr gibt es die Gemeinde- und Schülerbücherei bei der Dasinger Schule. Sie war zunächst im Gemeinderat durchaus umstritten; manche sahen keinen Bedarf für eine solche Einrichtung. Die Leiterinnen Eva Nagl und Marlene Hintermüller berichten, dass die Bücherei sehr gut angenommen und genutzt werde. Sie habe sich auch zu einem sozialen Treffpunkt entwickelt. 19 ehrenamtliche Mitarbeiter halten die Bücherei und ihre Veranstaltungen am Laufen.


Die Dasinger haben sich nicht nur als eifrige Leser erwiesen; sie haben auch breitgefächerte Lese-Vorlieben. Viel ausgeliehen werden nach Auskunft der Leiterinnen Krimis und Thriller, romantische und historische Romane - das entspricht den allgemeinen Vorlieben der Bücherfreunde. Aber gefragt ist nicht nur anspruchslose Unterhaltungsliteratur. Sie nennen etwa auch die vielfach preisgekrönte ostdeutsche Autorin Christa Wolf, Schriftstellerinnen wie Dörte Hansen, Juli Zeh oder Vea Kaiser oder die Autobiografie des Schauspielers Christian Berkel. Auch Heimatautoren wie Peter Dempf oder das Duo Klüpfl/Kobr stehen hoch im Kurs.
Kinder mögen offenbar immer noch Comics: Alben von Asterix, Lucky Luke, der Disney-Helden oder von Prinz Eisenherz werden stapelweise entliehen. "Bei einem jungen Mann signalisiert unser Computer öfters, dass er das Buch bereits ausgeliehen hatte, aber er entdeckt da wohl immer wieder etwas Neues", sagt Hintermüller. Daneben sind "Der kleine Drache Kokosnuss", "Das magische Baumhaus" "Gregs Tagebuch" und Wimmelbücher beliebt. Aber auch eine bewährte Autorin wie Christine Nöstlinger wird noch gelesen.
Viele Klassiker für Kinder wie auch Erwachsene findet man in Dasing allerdings nicht. Die Büchereileiterinnen vermuten, dass diese Bücher oft zu Hause vorhanden sind. Aber die Entleiher suchen auch vor allem Bücher, die neu herausgekommen sind. Der Bestand darf also nicht zu alt sein. Bei Anschaffungen verlassen sich die Büchereimitarbeiter meist auf Hinweise des Münchner St.-Michaelsbunds, der die Medien liefert und regelmäßig über Neuheiten informiert. Eine Hilfe sind auch Bücherkisten, die das katholische Medienhaus zu bestimmten Themen wie Erstkommunion oder Spiritualität für jeweils drei Monate zur Verfügung stellt. Nutzer, die gezielt nach einem bestimmten Buch suchen, stoßen bei den Mitarbeitern auf offene Ohren.
Lesemüdigkeit bei Kindern in Zeiten der neuen Medien stellen Nagl und Hintermüller nicht fest: "Kleine Kinder gehen sofort auf die Bücher-Tröge los und kruschteln sich etwas raus." Sie lassen sich auch sehr gern etwas vorlesen. Trotzdem wurden im vergangenen Jahr alle Dasinger Schulklassen und einige Kindergartengruppen in die Nutzung der Bücherei eingeführt.
Der St.-Michaelsbund hat zu diesem Zweck den Bücher-Fuchs entwickelt, eine Auszeichnung, mit der bescheinigt wird, dass die Kinder die Regeln verstanden haben. Ab etwa 14 Jahren geht das Interesse am Lesen allerdings deutlich zurück. "Da würden wir uns mehr Leser wünschen", sagt Hintermüller. Bei den Erwachsenen sind keine besonderen Gruppen von Lesemuffeln auszumachen.
Sie kommen zwar meist nur mit ihren Kindern mit, leihen sich aber laut Hintermüller dann oft auch ein Buch aus. Manche Ausweise sind auch an Friedberger oder Obergriesbacher ausgegeben worden; das seien aber in der Regel Leute, die in Dasing arbeiten.
Erfreut sind die Leiterinnen, dass sich die Besucher oft länger in der Bücherei aufhalten - bis zu einer Stunde. Sie setzen sich gern hin und beginnen zu schmökern. Man kommt auch hierher, um mit Bekannten zu plaudern.
Unterstützt wird der soziale Aspekt durch Veranstaltungen wie Bücherflohmärkte und Lesungen, unter anderem von der bekannten Mundartdichterin Rosy Lutz.
Änderungen am Büchereikonzept soll es vorerst nicht geben. Man hat sich lediglich zum Ziel gesetzt, das Büchereisiegel des St.-Michaelsbunds zu erwerben, für das schon eifrig Punkte gesammelt werden.
"Wir haben jetzt alle Kräfte gebündelt und hoffen, dass wir es nach der Feier zum einjährigen Bestehen dann etwas ruhiger haben werden", sagt Hintermüller.

Am kommenden Sonntag, 24. November, wird der Bücherei-Geburtstag mit einer Sonderöffnung von 14 bis 17 Uhr gefeiert. Auf dem Programm stehen eine Fotoaktion, bei der sich Leser mit einem Buch in Szene setzen können, ein Bücherei-Quiz und ein Bücherturm-Wettbewerb mit attraktiven Preisen. Bücherei ist sozialer Treffpunkt

Von Andreas Alt


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Die Leiterinnen Eva Nagl (rechts) und Marlene Hintermüller. Foto: Udo Koss



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Veröffentlicht am 18.11.2019 16:16 Uhr



 
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