Dasing    

"Enteignet die Bauern"

Dasing - Die Landwirte in der Region fordern weiterhin eine breitere Beteiligung am Artenschutz sowie Nachbesserungen im sogenannten Ausgestaltungsgesetz für das Volksbegehren Artenvielfalt und vor allem in der Düngeverordnung des Bundes. Viele Bauern fühlen sich von der Bevölkerung stigmatisiert, missverstanden und nicht ernstgenommen. Das wurde im Rahmen eines Diskussionsabends des Bayerischen Bauernverbands (BBV) im Dasinger Bäckerwirt am Dienstagabend klar.

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"Der Frust sitzt tief." Mit diesen Worten begrüßte Reinhard Herb die anwesenden Landwirte. Etwas über 50 von ihnen waren im Bäckerwirt erschienen. Der BBV, dessen Kreisobmann Herb im Wittelsbacher Land ist, hat in der Region allerdings über 1500 Mitglieder. Einen großen Teil von ihnen vermisste der Sielenbacher Landwirt - genauso wie die Abgeordneten in Bund und Land sowie "die Nicht-Landwirte". "Die Bienen sind gerettet, jetzt meinen viele, man bräuchte nichts mehr tun. Kein Verbraucher will mit uns reden", schließt Herb daraus - und die Politiker hätten "wichtige Termine".
Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" ist beschlossene Sache. Und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat kürzlich weitere Verschärfungen der seit 2017 aktiven Düngeverordnung angekündigt. Mit den Regelungen umgehen müssten letztlich nicht diejenigen, "die für die Bienen unterschrieben haben. Und nichts ist fertig gedacht", meint Herb.
Die Bauern befinden sich nach wie vor im Dialog - sie sitzen am runden Tisch, mit der ÖDP, dem Bund Naturschutz und der Staatsregierung. "Grobe handwerkliche Fehler im Volksbegehren", wie feste Mäh- oder Walztermine im Grünland, wollen sie abwenden. Weiterhin suchten die Landwirte allerdings den Dialog mit dem Verbraucher. Kreisbäuerin Sabine Asum ist der Meinung, dass ein großer Teil der Öffentlichkeit den Bezug zur Landwirtschaft und der Erzeugung von Lebensmitteln verloren hätte. Ganz konkret fordert der BBV deshalb, ein neues Schulfach in Bayern einzuführen: Alltagskompetenz soll es heißen und unter anderem wesentliche Inhalte der Hauswirtschaftslehre enthalten. Diese Ausbildungsrichtung - wie sie beispielsweise auch an Realschulen angeboten wird - führe bereits unter Schülern teilweise zu einer Stigmatisierung. Hauswirtschaft und die Arbeit der Landwirte werde als "Depperlarbeit" abgestempelt, besonders von Schülern anderer Ausbildungsrichtungen. Die Bauern sähen sich und ihre Arbeit indes in der Mitte der Gesellschaft.
Dort müsse man auch in der öffentlichen Wahrnehmung wieder hin. Das Volksbegehren oder Verschärfungen der Düngeverordnung allerdings sorgten bei Landwirten wie Reinhard Herb eher für die Annahme, dass "über und nicht mit uns gesprochen wird" - über das Eigentum und die Arbeitsweise der Landwirte.
Der Kreisobmann machte allerdings klar: "Durch die Verhandlungen am runden Tisch hat man das Volksbegehren auf einen Weg gebracht, mit dem wir alle zufrieden sein können". Ohne die Bauern wäre es aber nicht so weit gekommen, meinen Herb und der Hauptreferent des Diskussionsabends. Markus Müller (kleines Bild) ist Bezirksgeschäftsführer des BBV in Schwaben, der über die Arbeit am runden Tisch und die Vorstöße des Verbands gegen die Verschärfung der Düngeverordnung berichtete, mit der so recht weder Naturschützer noch Bauern zufrieden seien.

Von Bastian Brummer


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Veröffentlicht am 17.04.2019 23:00 Uhr




 

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