Dasing    

Dasing: Suizidversuch nach Ablehnungsbescheid

Dasing - In der vergangenen Woche hat ein Asylbewerber in Dasing versucht, sich das Leben zu nehmen, nachdem sein Ablehnungsbescheid eingetroffen ist. Schon seit Wochen spitzt sich die Lage in der betroffenen Unterkunft zu, weil die jungen Männer nach dreijährigem Aufenthalt in Deutschland nach und nach Ablehnungsbescheide bekommen. Angst und Verzweiflung greifen um sich. Die ehrenamtlichen Helfer wissen nicht, wie sie die Menschen im psychischen Ausnahmezustand noch unterstützen können.


Sie hatten in den vergangenen Wochen schon beobachtet, dass die Stimmung immer kritischer wurde. Die meisten Männer, die im Gasthaus Lechner einquartiert sind, sind seit dreieinhalb Jahren hier. Anfang des Jahres wurden sie nach und nach zu Anhörungen einbestellt. Als der erste den Ablehnungsbescheid erhielt, machte sich die Angst breit.
Denn häufig müssen Asylsuchende zigtausende Euro zurückbezahlen, die sie oder ihre Familien an Schleuser bezahlt haben. Gelingt ihnen das nicht, kann das lebensgefährlich sein. Ihre Familien zu Hause erwarten und brauchen die finanzielle Unterstützung - und dann kommt die Ablehnung. So sitzt ein 30-Jähriger vor Sieglinde Jacob, die für die Gemeinde Dasing die Asylbewerber betreut, und weint. Sie rät ihm, seine Frau in seinem Heimatland zu kontaktieren und mit ihr zu sprechen. "Nie, niemals, komme das in Frage, hat er gesagt. Er könne nie wieder zurück." Ein solcher Weg führt in die Illegalität oder schlimmstenfalls in den Tod.
Sieglinde Jacob hat schon viele Geschichten gehört. "Diese Menschen haben ja alle Hintergründe." Mal sind das Schulden, mal kranke Kinder, die die Männer jahrelang nicht gesehen haben, mal traumatische Kriegserlebnisse. In der Dasinger Unterkunft haben sie sich fast wie in einer Familie zusammengerauft. Die Vier- und Fünfbett-Zimmer belegen die berufstätigen Männer so, dass diejenigen in ähnlichen Arbeitsschichten relativ ungestört schlafen können. Sie kochen zusammen, sie sind befreundet. Jetzt erhalten sie zusammen ihre Ablehnungsbescheide.

Von Carina Lautenbacher


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Veröffentlicht am 20.07.2016 12:00 Uhr



 
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