Adelzhausen    

Fernwärme mit Fragezeichen

Adelzhausen - Die Firma GP Joule aus dem schleswig-holsteinischen Reußenköge möchte bei Adelzhausen ein Fernwärmenetz errichten, mit dem in der logischen Folge auch das geplante Neubaugebiet nördlich der Aichacher Straße versorgt werden könnte. Auch Bestandsbauten sollen angeschlossen werden. Eine Infoveranstaltung dazu hat kürzlich fast 200 Teilnehmer in die Turnhalle gelockt.


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Fernwärmenetze sind in den vergangenen Jahren in mehreren Orten des Aichacher Landes entstanden - etwa in Kühbach oder wie auf unserem Bild in Gebenhofen. Archiv-Foto: Verena Heißerer
Verena Heißerer

Bis 30. Juni sollen sich Haushalte melden

Die Ideen der Firma wirken zukunftsweisend. In Adelzhausen ist die lokale Wärmeerzeugung zunächst mit einer Hackschnitzelanlage und einem Blockheizkraftwerk geplant. Ein Gaskessel soll die Versorgung während Spitzenlasten sichern. Langfristig soll dann eine Photovoltaik-Freiflächenanlage eine Luft-Wärmepumpe betreiben, die das Wasser im Wärmenetz erwärmt. Derartige Projekte hat GP Joule schon in Holzheim umgesetzt - oder in Buttenwiesen, wo die Firma eine bayerische Niederlassung hat. In Weichs plant die Firma derzeit den größten Solarpark im Landkreis Dachau. In Adelzhausen sucht sie zunächst Interessierte, die ihr Haus ans Netz anschließen wollen. Kommen bis 30. Juni 51 zusammen, beginnt die Planung. Verantwortlich sind die "Renergiewerke Adelzhausen", eine Tochter von GP Joule. Deren Firmensitz befindet sich auch in Schleswig-Holstein. Das ist wohl nicht jedem geheuer.

Fragen bei Veranstaltung offen geblieben?

Einige Fragen sind laut Architekt und Professor Werner Friedl offen geblieben, nicht zuletzt weil die Veranstaltung "ein reiner Monolog" war, bei dem "unangenehme Fragen aus dem Plenum nicht geduldet wurden", wie Friedl meint. Der Umweltpreisträger des Landkreises Aichach-Friedberg und Pionier auf dem Gebiet der Passivhäuser erhebt damit schwere Vorwürfe. Er sei bekannt im Ort und habe Anrufe von "verunsicherten Bürgern" erhalten, wie er sagt. Die fühlten sich schlecht informiert. Auch andere Teilnehmer waren mit dem Ablauf der Veranstaltung unzufrieden. Einer bezeichnet die Veranstaltung als "relativ trocken". Das Unternehmen hätte sich vorgestellt und den Teilnehmern dann geraten, einen Termin zu vereinbaren.

Teilnehmer zum Teil verärgert

Ein weiterer sei "entrüstet". Auch er hätte eine Frage stellen wollen. Im Plenum war das aber nicht möglich. In der Zeitung lesen wollen die Teilnehmer ihre Namen nicht. Laut Friedl hätten viele jetzt die Sorge, dass mit dem Betreiber des Netzes plötzlich ein externer Großinvestor im Ort sitzt und die Adelzhausener mit "sehr langen und klein gedruckten Verträgen an sich bindet", mutmaßt Friedl. Es sei unklar, ob für das Neubaugebiet etwa ein Anschlusszwang bestehe oder die Grundstücksbesitzer das Netz über Gebühren mitfinanzieren, egal ob sie angeschlossen sind oder nicht. 


Umweltpreisträger Werner Friedl
Professor Dr. Werner Friedl plant seine eigene Informationsveranstaltung zur Fernwärme in Adelzhausen.

Firma weist Vorwürfe entschieden zurück

Zum Überblick: Die Firma wirbt mit drei Anschlussvarianten. Der volle Anschluss ohne Arbeitspreis kostet knapp 10 000 Euro. Ein Anschluss auf dem Grundstück schlägt mit 300 Euro, einer bis ins Haus ohne Wärmetauscher mit 1900 Euro zu Buche. "Die Varianten haben wir detailliert kennengelernt", sagt Friedl. Andere Fragen seien im Plenum allerdings nicht geklärt worden. Kurzum empfindet er das Vorhaben als nicht transparent. Er sei von Moderator Robert Cavric von GP Joule sogar "harsch abgewiesen" worden, als er eine Frage stellen wollte, die "die ganze Gemeinde betroffen hätte."
Jetzt plant Friedl eine eigene Veranstaltung. Stattfinden soll sie am Dienstag, 24. Mai, um 18.30 Uhr im Gasthaus zur Linde in Adelzhausen. "Miteinander reden über die geplante Fernwärme" lautet das Motto des Abends. Und ein solches hätte er sich auch in der Turnhalle gewünscht, meint Friedl. Stattdessen waren Fragen aus der Zuhörerschaft laut seinen Angaben nicht möglich. Wer etwas wissen wollte, konnte einen Termin mit der Firma vereinbaren oder am Rande der Veranstaltung zu Robert Cavric und seinen Kollegen gehen.
Die Vorwürfe, er hätte Friedl "den Mund verboten", wie der Architekt meint, oder GP Joule verschweige Dinge bewusst, wies Cravic auf Nachfrage unserer Zeitung übrigens zurück. 

Von Bastian Brummer

 


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Veröffentlicht am 18.05.2022 17:07 Uhr