Baar    

Baars Bürgermeister wird heute 70

Baar - Hoch her gehen wird es heute und an den beiden folgenden Tagen im Hause von Leonhard Kandler. Der Baarer Bürgermeister und Kreisrat feiert seinen 70. Geburtstag - verteilt auf drei Tage: heute mit Amtskollegen, am Samstag mit den örtlichen Vereinen, und am Sonntag soll die Familie zu ihrem Recht kommen.

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Dass er einmal Bäckermeister und sogar erster Bürger einer Gemeinde werden sollte, schien für den jungen Leonhard Kandler eher unwahrscheinlich. In Gundelsdorf geboren, hat er heute noch gute Kontakte dorthin. Erst mit sechs Jahren folgte mit der Heirat seiner Mutter der Umzug nach Osterzhausen, doch das Herz hing weiter an der alten Heimat und seinen Freunden aus der "Restergasse" (Ebenrieder Straße) und der Dürrgasse (Ingstetter Straße). So fuhr er beinahe täglich mit dem Fahrrad zu Opa und Oma, die sich immer freuten, den Bub zu sehen. Da es von Osterzhausen keinerlei Anbindung an eine höhere Schule gab und ein Internat nicht in Frage kam, war klar, dass der junge Leonhard im elterlichen Betrieb eine Schreinerlehre macht. Nach der dreijährigen Ausbildung sollte es baldmöglichst auf die Meisterschule in Garmisch gehen. Doch hier wurde die Rechnung ohne die Liebe gemacht: Erst zog ihn der Fußball ins benachbarte Baar (mit Spielen im "Entenstadion") und dann seine spätere Gattin Adelheid.
1968 heirateten sie, und da Konrad Dallmayr die elterliche Bäckerei nicht übernehmen wollte, stieg der Schwiegersohn ein, machte nach dem Wehrdienst eine Lehre und erhielt zwei Jahre später auch den Meisterbrief.
Mit dem Ausbau des Ladens auf eine Fläche von 120 Quadratmeter hatten die Kandlers ein glückliches Händchen, schließlich gab es in Baar seinerzeit fünf Kramerläden.
Neben seiner Bäckertätigkeit engagierte sich Leonhard Kandler als Jugendleiter im Sportverein und in der Feuerwehr, wo er acht Jahre als Kommandant fungierte und beinahe auch Kreisbrandmeister geworden wäre.
Für die Politik habe er kein Interesse gehabt, so Kandler, doch die WGB (Wählergruppe Baar), allen voran der frühere Bürgermeister Lenk, hätten ihn immer wieder bedrängt, sich aufstellen zu lassen. So stimmte er einem hinteren Listenplatz zu - und wurde prompt gewählt.
Nach zehn Jahren Gemeinderat in Thierhaupten wurde er mit Erlangung der Selbständigkeit zum Bürgermeister gewählt. Mittlerweile ist im Landkreis nur Josef Schwegler länger im Amt als Leonhard Kandler.
Die Bäckerei hat er 2018 geschlossen, und der 30. April 2020 soll auch der letzte Arbeitstag als Gemeindechef sein.
"Das sollte reichen für ein Arbeitsleben", sagt Leonhard Kandler. Weiterhin geht er gerne auf die Jagd und bekennt, dass alles ohne die Unterstützung seiner Frau und der Familie, zu der sechs Kinder, sechs Enkel und ein Urenkel gehören, nicht machbar gewesen wäre.

Von Wilhelm Wagner


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Veröffentlicht am 01.08.2019 23:00 Uhr




 

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